Polizist sagt: Ehemann schaute regungslos zu, wie seine Frau starb

mlzProzess in Essen

Eine sterbende Frau vor einem Auto. Ersthelfer, die sich um sie bemühen. Und ein Ehemann, der teilnahmslos zuschaut - so beschrieben Zeugen im Mordprozess das Verhalten des Angeklagten.

Dorsten

, 28.01.2020, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erschütternde Szenen müssen sich nach Zeugenaussagen am 30. September 2018 auf dem Parkplatz vor Schloss Lembeck abgespielt haben. Zwei Motorradfahrer brachten die sterbende Ehefrau (65) in die stabile Seitenlage, nachdem sie vom Auto ihres Mannes überrollt worden war. Obwohl sie in einer Blutlache lag, unternahm der Ehemann (79) nichts. Er habe teilnahmslos und regungslos zugeschaut: „Der war kalt wie der Eisberg der Titanic“, sagte ein Polizist vor dem Schwurgericht in Essen aus.

Der Bochumer soll seine Frau aus niederen Beweggründen getötet haben. Die Staatsanwaltschaft nimmt an: Er wollte sie loswerden. Die Anklage lautet deshalb auf Mord. Er habe sich bei der Konfrontation vor Schloss Lembeck spontan dazu entschlossen, seine Frau zu töten: „Er wollte seine Ehe um jeden Preis beenden“, sagte die Anklagevertreterin, Dr. Sonja Hüppe. Denn die Gattin setzte ihm zu, weil sie sein Verhältnis zu einer alten Liebe aufgedeckt hatte.

Plötzlich stand die Ehefrau an der Beifahrerseite des Autos

So war die Ehefrau unerwartet am Schloss Lembeck aufgetaucht, als ihr Mann sich dort mit seiner Freundin traf. Sie wollte die beiden zur Rede stellen. Als sie am Auto stand, die Beifahrertür öffnete und die Insassen beschimpfte, soll die Geliebte dem Fahrer zugerufen haben: „Wir müssen weg.“ Der sei daraufhin losgefahren. Die Frau wurde vom Auto mitgerissen, fiel hin und wurde vom Pkw überrollt. Absicht oder nicht Absicht? Das muss das Schwurgericht in dem Indizienprozess klären. Denn der Angeklagte sagt nichts zum Sachverhalt aus.

Polizist sagt: Ehemann schaute regungslos zu, wie seine Frau starb

Der 79-jährige Angeklagte im Mordprozess auf dem Weg zu seinem Anwalt und zur Anklagebank: Der Mann wurde direkt von der Justizvollzugsanstalt Essen in den Gerichtssaal gebracht. © Claudia Engel

Als der Unfall am Schloss geschah, waren die Eheleute erst zehn Monate miteinander verheiratet. Mutmaßlich war der Angeklagte seiner Frau aber überdrüssig: „Sie wollte Geld von ihm haben, für eine Eigentumswohnung oder die Rückkehr zu den Philippinen. Sie war eine schreckliche Frau“, soll die Geliebte gesagt haben.

Angeklagter machte keine Angaben zur Sache

Die Geliebte des Angeklagten wollte ebenfalls das Aussageverweigerungsrecht für sich beanspruchen, konnte sich darauf aber nicht berufen, weil sie mit dem Angeklagten nicht verwandt, verschwägert, verheiratet oder verlobt ist. Richter Martin Hahnemann gab ihr wohl zu denken, als er sagte: „Notfalls nehme ich sie in Beugehaft, um ihre Einkehr oder Umkehr zu bewirken.“

Richter drohte Zeugin Beugehaft an

Trotz der strengen Zurechtweisung des Gerichts verstrickte sich die gebürtige Koreanerin in Widersprüche. Aussagen, die sie noch gegenüber der Polizei gemacht hatte, deckten sich nicht mehr mit ihren Angaben vor Gericht. Wie ihr Verhältnis zum Angeklagten ist, dazu wollte sie auch nicht mit der Sprache herausrücken. Sie sei mit ihm ein paarmal in den Urlaub gefahren, habe mit ihm Kaffee getrunken und das Kino besucht.

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Gleichwohl gaben sich die beiden Kosenamen: Er nannte sie „Katze“, sie ihn „Schatz“. Weitere Telefonmitschnitte der beiden Beteiligten könnten zudem darauf hindeuten, dass sie abgesprochen haben, wie sie vor Polizei und Gericht agieren wollen. Das hielt Richter Hahnemann der Zeugin vor.

Im Befehlston zugerufen: „Keine Angaben machen“

Ein Polizist, der direkt nach dem Unfall am Schloss miterlebt hatte, wie die beiden Autoinsassen nach dem Unglück agierten, will eine solche Absprache am Unglücksort ebenfalls erlebt haben: „Wir haben die beiden sofort getrennt, aber gehört, wie er der Frau im Befehlston zugerufen hat, dass sie keine Angaben machen soll“, so der Zeuge. Der Fahrer hingegen habe „teilnahmslos und abgeklärt“ gewirkt: „Wenn ich meine Frau angefahren hätte, würde ich mich anders verhalten“, so der Zeuge.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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