Michael Brade musiziert für die 95-jährige Erika Banse - natürlich mit Abstand und Mundschutz. © Diana Lange
Die gute Corona-Nachricht

Musik am Bett: „Das Mitsummen kann ich doch nicht lassen“

Vor Corona konnten Michael Brade und die Bewohner eines Altenzentrums noch gemeinsam musizieren. Jetzt musste sich der Akkordeonspieler Michael etwas

Für die Bewohner des Altenzentrums Maria Lindenhof sind die Einschränkungen durch den Infektionsschutz besonders gravierend. Zwar dürfen sie unter Auflagen Besuch empfangen und auch von der Familie nach Hause geholt werden, aber der Alltag hat sich grundlegend verändert.

Schlager und Volksmusik zum Mitsingen

Vor Corona kam Michael Brade (61) alle paar Wochen mit seinem Akkordeon vorbei, um mit den Bewohnern gemeinsam zu musizieren. Im Seniorenchor wurden Schlager und Volksmusik gesungen. „Um die Leute zum Singen zu motivieren, habe ich die Lieder, mit denen ich aufgewachsen bin, angestimmt“, erinnert sich Michael Brade, der seit 52 Jahren Akkordeon spielt.

Umplanen wegen Corona: „Singen soll man ja gerade nicht …“

Da Treffen und gemeinsames Singen seit Corona nicht mehr erlaubt sind, hat Brade umdisponiert. Gemeinsam mit einer Pflegerin besucht er die Bewohner nun vor Ort, geht von Wohnbereich zu Wohnbereich und spielt für jeden ein ausgewähltes Ständchen.

„Ich schaue mich dann im Zimmer um, sehe die Bilder oder CDs und kann dann einschätzen, welche Lieder dem Bewohner gefallen könnten.“ Lieder der Comedian Harmonists oder Capri-Fischer von Rudi Schurike seien beispielsweise beliebt.

Am vergangenen Dienstag (3.11.) war es wieder soweit und Michael Brade besuchte das Altenzentrum zwischen Lippe und Kanal. Erika Banse (95) ist begeistert vom Besuch. Sie sitzt in der Küche und lauscht dem Akkordeon: „Singen soll man gerade nicht, aber das Mitsummen kann ich doch nicht lassen.“

In einem anderem Zimmer liegt Siegbert Padella (71) in seinem Bett. Er muss viel liegen, deshalb freut er sich sehr über die Abwechslung.

Auch Siegbert Padella freut sich über die Abwechslung im Seniorenzentrum Maria Lindenhof. © Diana Lange © Diana Lange

„Ich beobachte die Leute ganz gut und wenn ich dann sehe, dass sie langsam anfangen, ihre Hände zu bewegen, freut das mich und die Pflegerin“, meint der Akkordeonspieler.

Seit gut fünf Jahren spielt Michael Brade im Altenzentrum

„Musik am Bett“ gibt es im Altenzentrum Maria Lindenhof alle zwei bis drei Monate. Im Sommer spielte Michael Brade auch draußen im Hof. „Die Bewohner saßen dann auf ihren Terrassen oder Balkonen“, erinnert sich der Musiker.

Dem Altenzentrum ist er seit gut fünf Jahren eng verbunden. Damals spielte er mit seinen Kollegen vom Dorstener Akkordeonorchester in verschiedenen Seniorenzentren, um den Konzertkarten-Verkauf anzukurbeln. Ins Altenzentrum Maria Lindenhof ist er dann immer wieder zurückgekehrt, um kostenlos für die Bewohner zu spielen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.