Musikalische Reise durch Orient und Okzident

02.09.2007, 19:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dorsten Zu einer musikalischen Reise durch Orient und Okzident lud der Gitarrist Nagialai Nashir am Freitag abend sein Publikum im Alten Rathaus ein. Die vom Trägerverein Altes Rathaus durchgeführte Veranstaltung war restlos ausverkauft. Nashir erwies sich als charmanter Reiseführer, der seinen Interpretationen jeweils Erläuterungen zu Komponist und musikalischen Traditionen voranstellte.

Erste Station bildete "Dowland in Armenia" des irakischen Komponisten Loris Chobanian. Hier verschmelzen Elemente der europäischen Renaissance mit armenischer Volksmusik. Es folgte Peter-Michael Hamels "Miniaturen II", ein Spiel der Gegensätze aus Schönbergs Zwölf-Ton-Technik und tonaler indischer Raga-Musik.

Die Komposition "All in Twilight" des Japaners Toru Takemitsu bildet die musikalische Übersetzung des gleichnamigen Aquarells von Paul Klee. Eine Kopie davon hatte Nashir zur Ansicht mitgebracht. Moderne japanische Klänge, durchsetzt mit einigen Jazzharmonien übertragen Klees pastellene Maltöne in musikalische Farbklänge.

Eine Uraufführung erlebte kurz vor der Pause das Stück "REFLECTION-Solo in Five" des Tadschiken Alisher Latif-Zade. Hier übernahm Nashir gleich sämtliche Rollen des für fünf Musiker geschriebenen Stücks. Er spielte Tamburin, Gitarre, pfiff und sang und bediente dazu noch das Fußglöckchen.

Brausender Beifall

Nach der Pause ging es mit traditionellen Landesklängen weiter. Turgay Erdeners an die Sufi-Mystik angelehnte Komposition "Yunus" folgte Nashirs Interpretation zweier iranischer Liebeslieder. Anschließend spielte er Francisco T?rregas Gitarrenstück "Recuerdos de la Alhambra", eine musikalische Übersetzung von Architektur und Ornamentik der berühmten Moschee in Granada.

Der aus Kunduz stammende und in Dorsten wohnhafte Nashir fand über die klassisch-indische und afghanische Musik und Jazz-und Experimental-Musik zur klassischen Gitarre. Er ist auf internationalem Terrain vielseitig tätig, unter anderem als Interpret, Lehrer und Juror und hat bereits bedeutende Preise für seine Kunst erhalten.

Unter nicht enden wollendem Beifall schloss Nagilai Nashir mit T?rregas "Lagrima" (Tränen). Nach einem so bewegenden Konzert können das nur Tränen des Glücks gewesen sein. EK

Lesen Sie jetzt