Der Dorstener Musiker Alfred Wüst hat unter dem Künstlernamen Alfred Fortkamp eine Hommage an das Ruhrgebiet geschrieben: „Mein Pott". © Screenshot: Youtube-Video
Revier-Hymne

Musiker aus Dorsten kann mit Ruhrpott-Hymne einen Preis gewinnen

„Mein Pott“ heißt der Song, den ein bekannter Musiker aus Dorsten unter dem Künstlernamen Alfred Fortkamp veröffentlicht hat. Damit wurde er nun für einen bundesweiten Musikpreis nominiert.

Er wurde musikalisch gestählt in diversen Cover- und Oldiebands. Er gründete in seiner Heimat Wulfen die Musikgruppe „Chopstixx“, stellte im dortigen Gemeinschaftshaus legendäre Beatles- und Abba-Tribute-Shows auf die Beine und auf die Bühne. „Aber etwas Eigenes zu schreiben und zu komponieren, habe ich mir nie zugetraut“, gesteht Alfred Wüst. „Wahrscheinlich, weil meine musikalischen Helden so groß waren und ich meinte, den Ansprüchen nicht zu genügen.“

Mit einem Hauch Country

Aber kürzlich hat es der Wulfener doch gewagt. Hat seinen ersten eigenen Song vorgelegt – und der hört sich an, als habe der 53-jährige Musiker niemals etwas anderes getan.

Für die Profi-Produktion wurde der Musiker bildtechnisch in Szene gesetzt. © Privat © Privat

Vielleicht flutschte es deshalb so gut von den Saiten und aufs Textpapier, weil er wichtige Teile seiner Biografie verarbeitet hat. „Mein Pott“, heißt das Stück. Klassischer Rock mit einem Hauch Country drin. Eine Hymne ans Revier. „Pott, Du bist das Größte, was es gibt“, heißt es im Refrain.

Die Ode an die Region ist professionell produziert, im Tonstudio, mit Musikverlag und allem, was dazu gehört. Und selbstredend mit einem von den Filmemachern der „1st Horizon Productions“ perfekt inszenierten Video, das zu den industriekulturellen Hot-Spots des Ruhrgebiets führt: Zollverein, Tetraeder-Halde, Landschaftspark Duisburg-Nord, Siedlung Eisenheim.

Und natürlich zu Fürst Leopold in Dorsten. Dort also, wo Alfred Wüst von 1984 bis 1994 unter Tage gearbeitet hatte.

„Ommage an die Omma“

Der Wulfener ist ein echtes „Kolonie-Blag“, das stolz darauf ist, wo es herkommt. Den Song „Mein Pott“ hat er unter dem Künstlernamen Alfred Fortkamp veröffentlicht. „Der Geburtsname meiner Mutter“, erklärt er. Eine „Ommage an die Omma“ also. Und die wird musikalisch gleich am Liedanfang verewigt: „Unser Omma stammt aus Borbeck, umme Ecke wohnten wir“, singt ihr Enkelkind.

Und auch die Kumpels kommen zu Ehren. „Ich habe im Pütt malocht mit Ali, John und Frantek“, heißt es ein paar Strophen weiter. „Die Bevölkerung hier war immer ein Konglomerat aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern und hat es immer gut miteinander ausgehalten“, will der Wulfener deutlich machen.

„Keine Frage der Nation“

Das zu betonen, ist Alfred Wüst wichtig. „Weil das auch die Botschaft dieses Songs ist.“ Die Idee zu „Mein Pott“ kam der Musiker nämlich, „als ich mich mal wieder über die AfD, über das ganze rechte Zeug aufgeregt habe“.

Alfred Wüst wollte der rechten Heimattümelei etwas entgegensetzen. „Heimat ist keine Frage der Nation“, sagt der Wulfener. „Heimat ist das Gefühl, wo Menschen zusammenkommen.“

Alfred Wüst alias „Fortkamp” bei den Studio-Aufnahmen © Privat © Privat

Den Song wollte er zunächst mit Sohnemann Fabian (24) einspielen. Doch dann war Alfred Wüst mit Gattin Sabine zur Neueröffnung des Marler „Mainstreet“-Tonstudios eingeladen. „Dort plauderte meine Frau aus, dass ich auch einen Song geschrieben habe.“

Als der neugierige Studio-Inhaber Nick Morrison sich „Mein Pott“ schließlich anhörte, entschloss er sich, den Song unter dem eigenem Verlagslabel „MSP Enterprises“ zu produzieren, mit Band und Background-Vocals.

Radios werden bemustert

Inzwischen ist „Mein Pott“ bei den Streaming-Diensten „Spotify“, „Amazon Music“ und „Apple Music“ zu hören, seit Freitag (27.11.) ist das Video bei „Youtube“ zu sehen. „Jetzt geht es darum, die Aufnahme revierweit bekannt zu machen, inklusive Radio-Bemusterung.“

Aber auch ein wichtiger Schritt zur bundesweiten Berühmtheit ist getan: Mit seinem Heimat-Lobgesang „Mein Pott“ ist Alfred Wüst gleich zweimal für den „Deutschen Pop- und Rockpreis 2020“ nominiert worden, der am 14. Dezember in Siegen verliehen wird. Der Wulfener gehört jeweils zu den „Top 5“ in der Hauptkategorie „Bester Singer-Songwriter“ und der Nebenkategorie „Bester deutscher Text“.

Nicht schlecht für ein „Kolonie-Blag“, das sich so lange nichts Eigenes zu schreiben traute.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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