Roswitha Wickler nahm sich eine Mutmacher-Karte vom Zaun am Dillenweg mit. © Roswitha Wickler
Die gute Corona-Nachricht

Mutmacher-Zettel zum Mitnehmen: „Es war eine Eingebung“

Am Dillenweg in Rhade wurde der Zaun der Heilig-Geist-Kirche quasi über Nacht zu einem Ort der Hoffnungsbringer. Die Idee stammt nicht von der Gemeinde, sondern von einer engagierten Frau.

Kleine Lichtblicke sind dieser Tage wichtig; nicht nur die dunkle Jahreszeit drückt auf das Gemüt, sondern auch der „leichte“ Lockdown. Brigitte Bruntink bekam die Einsamkeit im Freundes- und Bekanntenkreis mit. „Ganz grau und vergrämt“ sei ihr ein alter Bekannter neulich entgegen gekommen.

Corona und die Maßnahmen machten ihm zu schaffen. „Gerade für die Älteren ist es jetzt schwer. Die jungen Leute können ja noch zur Schule oder haben ihr Studium“, meint die Rhaderin. Auch in der Nachbarschaft spüre sie die Zurückhaltung aus Angst den Mindestabstand nicht einzuhalten und jemanden anzustecken.

Kleine Lichtblicke zum Mitnehmen

Die Situation brachte die Ehrenamtlerin auf eine Idee: Sie heftete Postkarten mit Mutmacher-Sprüchen zum Mitnehmen an den Zaun der Evangelischen Kirche am Dillenweg. „Zum Reformationstag sollten es eigentlich 95 Karten werden wegen der 95 Thesen, die er an die Schlosskirche angeschlagen hat“, erklärt Brigitte Bruntink. Alleine habe sie es aber nicht geschafft, so viele Karten auf einmal an den Zaun zu heften.

Am Zaun der Heilig-Geist-Kirche in Rhade hängen Hoffnungszettel zum Mitnehmen. © Roswitha Wickler © Roswitha Wickler

Am Samstagabend sei noch keine der „Mutmacher-Karten zum Mitnehmen“ weggewesen, am Sonntagmorgen etwa zwei, schätzt sie.

Dorstenerin bedankt sich über Facebook

Am Montag (2.11.) wurde Roswitha Wickler auf die besondere Aktion aufmerksam. Auf Facebook schrieb sie: „Kam vom Arzt, da fand ich Hoffnungszettel. DANKE.“ Dazu stellte sie ein paar Fotos online.

Eine Mutmacher-Karte nahm sie sich auch mit, auf der steht: „Wenn mir das Herz schwer war von tausend Sorgen, hat mich dein Trost wieder froh gemacht. Psalm 94, 19.“ Die Katholikin sprach das herbstliche Motiv und der Psalm an: „Ich finde, das passt zur Corona-Zeit.“

Einen Moment inne halten

„Es war eine Eingebung“, meint Bruntink zu ihrer Idee. „Ich bin gläubige Christin und mir war es ein tiefes Bedürfnis, das zu machen.“ Vor Corona und dem Lockdown habe sie ehrenamtlich beim Besuchsdienst der Evangelischen Kirchengemeinde mitgearbeitet, Menschen besucht, die Geburtstag hatten – all das fällt nun weg. „Wir können nur eine Karte in den Briefkasten werfen.“

Noch eine ganze Kiste voller Mutmacher-Karten hat Bruntink in Reserve. Erst wenn alle Karten verteilt sind, will sie damit aufhören. „Ich finde es schön, wenn man dadurch einen anderen gewinnen kann, für einen Moment inne zu halten.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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