Nach dem Amoklauf: Prävention nur mit mehr Personal

DORSTEN Codewörter als Krisenmanagement? Beim Amoklauf in Winnenden warnte der Schulleiter per Lautsprecherdurchsage Lehrer und Schüler; er verhinderte so vielleicht eine noch höhere Opferzahl. Auch in Dorsten gibt es solche Notfall-Codes.

von Von Henning Brinkmann

, 12.03.2009, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach den Amokläufen in Erfurt und Emsdetten hatte die Landesregierung mit einem "Notfallordner" reagiert. Der schreibt vor, wie sich Schulen im Fall eines Amoklaufes verhalten sollen. "Solch einen Plan gibt es hier auch", sagt Helmut Berg , Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Mit einem Code kann nicht nur seine, sondern auch die angrenzende Erich-Klausener-Realschule im Ernstfall über die Lautsprecher gewarnt werden. Wolfgang Gorniak, Schulleiter am Petrinum, betont: "So ein Plan kann aber nur ein Gerüst sein. Es gibt keine zwei Fälle, die gleich sind."

Die grausame Tat ist am Donnerstag Thema in allen Schulen und die Lehrer sprechen mit ihren Schülern über die Ereignisse. "Es gibt natürlich Gesprächsbedarf; dem kommen die Lehrer nach", sagt Schulleiter Helmut Berg. Wie genau das passiert, entscheiden die Kollegen an den befragten Schulen selbst.Schweigeminute am Petrinum

Im St. Ursula-Gymnasium fand in der zweiten großen Pause ein Gedenkgottesdienst statt, im Petrinum gedachten die Schüler mit einer Schweigeminute der Opfer. Schulleiter Gorniak hatte ihnen per Lautsprecherdurchsage gesagt, der Fall müsse Anlass sein, "darüber nachzudenken, wie wir noch respektvoller miteinander umgehen können".

Denn die Dorstener Schulen wollen dem Problem begegnen, bevor es zu spät ist. "Unser Krisenplan heißt Sozialarbeiter", formuliert es Norbert Weber, Leiter des Paul-Spiegel-Berufskollegs. Wichtiger als die Frage "was tun, wenn es passiert ist?" sei, solche Taten zu verhindern: "Wir legen außerordentlich viel Wert darauf, ein gutes soziales Klima in der Schule zu haben."

Oft fehlt aber das Personal: "Wenn jetzt wieder irgendwelche Programme diskutiert werden, bekomme ich gelinde gesagt einen Hals. Dafür fehlen nämlich die Lehrer", kritisiert Weber. Für den Sozialarbeiter der Schule zahlt der Kreis eine halbe Stelle, den Rest legt die Schule obendrauf, um ihn vollzeit beschäftigen zu können.Schüler gezielt ansprechen

Wichtig ist den Schulen, dass psychologische Hilfe stets vor Ort ist. Angebote, wie das der Landesregierung, die 50 Schulpsychologen zusätzlich eingestellt hat, werden kaum genutzt. "Unser Sozialarbeiter ist ins Schulleben eingebunden und kann, wenn es Probleme gibt, Schüler gezielt und auf freundschaftliche Art ansprechen", sagt Helmut Berg.

Klar ist: Keine Sicherheitsmaßnahme, kein Notfallplan kann bei einem Amoklauf Opfer ausschließen. Das Ziel muss Prävention heißen.

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