Nach Messerattacke bei Kaufland: So haben die Richter entschieden

mlzLandgericht Essen

Die Richter haben keinen Zweifel: Der 30-jährige Dorstener, der einen Mitarbeiter von Kaufland mit einem Messer angegriffen hat, ist weiter gefährlich. So fiel dann auch das Urteil aus.

Dorsten, Essen

, 19.03.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte hatte bis zuletzt auf seine Freilassung gehofft. Doch damit war nie zu rechnen. Die Richter am Essener Landgericht haben den 30-Jährigen am Mittwoch auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Sechs Monate ist es her, dass der Dorstener einen Kaufland-Mitarbeiter mit einem Messer angegriffen hat. Rund acht Zentimeter drang die Klinge in den Körper des Verkäufers ein. Innere Organe wurden zwar nicht verletzt, doch das war Glück. „Es ist nur dem Zufall geschuldet, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, so Richter Marc Hunke. Und: „Es ist auch in Zukunft mit gefährlichen Taten zu rechnen.“

An Händen und Füßen gefesselt

Der Angeklagte leidet unter paranoid-halluzinatorischen Psychosen. Er führt Selbstgespräche, wird aus dem Nichts heraus aggressiv. Während des Prozesses war er deshalb bis zuletzt an Händen und Füßen gefesselt, zwei Wachtmeister mit Kampfmontur und Vollvisier-Helmen waren ständig direkt neben ihm.

Äußerlich war der 30-Jährige zuletzt zwar höflich und ruhig, in der Psychiatrie, in die er bereits vor rund vier Wochen vorläufig eingewiesen worden ist, gibt es jedoch immer noch große Probleme. In den aktuellen Berichten ist von kotbeschmierten Wänden und Fenstern die Rede, von übelsten Beleidigungen in Richtung Pflegepersonal, von andauernden Selbstgesprächen.

Angeklagter hatte früher „Vorbildfunktion“

Die Gedanken des Dorsteners kreisen offenbar immer um dieselbe Sache: Er will so schnell wie möglich entlassen werden. Selbst eine immer weitere Erhöhung der Medikation hat den 30-Jährigen bis jetzt offenbar nur vorübergehend zur Ruhe gebracht.

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Was die schwere Krankheit ausgelöst hat, ist nicht ganz klar. Das Leben hatte für den Dorstener eigentlich sehr gut begonnen. Abitur, angefangenes Architekturstudium, Kickboxen, Schwimmen, Graffitikunst: „Er hatte eine Vorbildfunktion für andere Menschen“, sagte der vom Gericht beauftragte Psychiater am Mittwoch. Bis die Krankheit durchbrach.

Klassische Bestrafung nicht möglich

Der Angeklagte nahm Drogen, wurde aggressiv, randalierte in der Wohnung seiner Eltern, schrie herum. Und dann die Straftaten: Neben dem Messerangriff bei Kaufland hatte der 30-Jährige auch einen Bekannten an einer Bushaltestelle in Holsterhausen verletzt und einen anderen Mann mit heißem Kaffee attackiert.

Klassisch bestraft werden konnte er dafür allerdings nicht. Die Essener Richter stuften den Dorstener als komplett schuldunfähig ein. Die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie gilt dem Schutz der Allgemeinheit.

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