Nachbarn fühlen sich von Abgasen der Kanalschiffe am Anleger belästigt

mlzUmweltschutz

Weil die neuen Stromtankstellen am Kanal-Schiffsanleger in der Innenstadt von Dorsten nicht funktionieren, lassen die Kapitäne rund um die Uhr die Motoren laufen. Nachbarn machen nun mobil.

Dorsten

, 02.11.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mieter des DWG-Hochhauses am Finkennest fühlen sich seit Wochen von dem Diesel-Geruch und den Schiffsgeneratoren-Geräuschen belästigt. Spaziergänger und Radfahrer, die am Schiffsanleger in der Dorstener Innenstadt vorbeikommen, rümpfen ebenfalls die Nase. Und jetzt melden sich auch die Bewohner der direkt am Wesel-Datteln Kanal liegenden Wohnanlage „Im Werth“ zu Wort, um sich über die Abgase zu beschweren.

„Auch Petrinum ist betroffen“

„Darüber hinaus ist das Gymnasium Petrinum mit über 1000 Schülern betroffen“, erklären Andreas Fockenberg und Dr. Heinz Paul Stiewe, Verwaltungsbeiräte der Wohnhäuser Im Werth 11 bis 15, die sich direkt gegenüber des Schiffsanlegers befinden. „Auch sie sind den Feinstaubemissionen der anliegenden Schiffe ausgesetzt.“

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Hintergrund: Die dortigen bisherigen Stromtankstellen sind vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Meiderich durch neue Anlagen mit App-basiertem Bezahlsystem ersetzt worden. Allerdings sind bei der Umrüstung von der alten auf die neue Technik Probleme aufgetreten, „die das Vorhaben zeitlich erheblich verzögert haben“, so Alexander Weissbecker (zuständiger WAS-Mitarbeiter).

Folge: Die Kanalschiffer am Anleger müssen ihre Dieselmotoren rund um die Uhr laufen lassen, um Strom und Heizung auf den Schiffen betreiben zu können.

Den Dieselgeruch und die Lärmbelastung bekommen auch die Schüler des Gymnasium Petrinum auf der anderen Seite des Schiffsanlegers mit.

Den Dieselgeruch und die Lärmbelastung bekommen auch die Schüler des Gymnasium Petrinum auf der anderen Seite des Schiffsanlegers mit. © Michael Klein

„Die Rußbildung auf den Gartenmöbeln unserer Balkone ist enorm“, so die Anwohner. Sie gehen davon aus, dass die Emissionen noch stärker einwirken werden, wenn im Zuge des Neugestaltung des Bürgerparks Maria Lindenhof ein Teil der Bäume an der Kanalpromenade gerodet wird. Das werde das „Kleinklima nachhaltig stören“.

Die Anwohner-Vertreter sehen die Behörde in der Pflicht, dafür sorgen, dass die die Schiffsbetreiber ihren kompletten Strombedarf über die neuen Stromtankstellen decken können.

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„Denn es besteht von Amtswegen seit 2020 eine Verpflichtung, einen Landanschluss zu benutzen und damit die umweltverschmutzenden Dieselgeneratoren nicht Tag und Nacht laufen zu lassen“, so Fockenberg und Stiewe: „Wir glauben, die Gesundheit von Anwohnern und Schülern, die nun auch im Winter wegen Corona die Fenster der Klassenzimmer geöffnet halten müssen, kann den Verantwortlichen nicht gleichgültig sein.“

WSA prüft Übergangslösung

WSA-Mitarbeiter Weissbecker weist darauf hin, dass aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen mit Hilfe von Anordnungen das Problem nicht gelöst werden kann: „Erst bei Überschreitung der Liegezeit von 72 Stunden“ könnten Schiffe von einer Liegestelle verwiesen werden. „Um das Problem kurzfristig zu lösen und die Belästigung auf das Mindeste zu reduzieren, prüfen und arbeiten wir derzeit an einer Übergangslösung, um die Schiffe ausreichend mit Strom zu versorgen.“

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