Dr. Stephan Rüdiger, Pfarrer von St. Agatha, ist ab 1. Juni neuer Dechant im Dekanat Dorsten. © privat

Neuer Dechant in Dorsten will die Menschen zurück zur Kirche holen

Die Pfarreien im Dekanat Dorsten haben ab Juni einen neuen Dechanten. Auf ihn wartet eine schwierige Aufgabe in unruhigen Zeiten. Er will die katholische Kirche auch „entstauben“.

Nach dem Abschied von Ulrich Franke (St. Agatha, jetzt St. Vitus Olfen) hatten die katholischen Pfarreien in Dorsten anderthalb Jahre keinen Dechanten. Pfarrer Alfred Voss (St. Laurentius) führte als sogenannter Definitor die Amtsgeschäfte kommissarisch, doch ab 1. Juni gibt es einen neuen Sprecher der katholischen Pfarrer in Dorsten.

Die Pastoralkonferenz des Dekanats Dorsten hat sich mehrheitlich für Dr. Stephan Rüdiger ausgesprochen. Er wurde für sechs Jahre gewählt. Die Ernennungsurkunde des Bistums Münster hat der Geistliche vor wenigen Tagen bekommen. Anders als bei seiner Einführung als Pfarrer von St. Agatha zum 1. März 2020 wird es diesmal keinen Festgottesdienst geben. Vor seinem Wechsel nach Dorsten war Stephan Rüdiger schon etwa zwei Jahre Dechant im Dekanat Borken.

Neuer Dechant ist erst seit 15 Monaten in Dorsten

Für Stephan Rüdiger ist die neue Aufgabe „nicht so selbstverständlich“, wie es für Außenstehende erscheinen mag. Und das nicht nur, weil auch eine „bischöfliche Beauftragung“, wie in Recklinghausen, im Raum stand. Dort teilen sich ein Pfarrer und eine Pastoralreferentin die Aufgabe. Stephan Rüdiger ist erst seit 15 Monaten in Dorsten, Kollegen aus anderen Pfarreien kennen die Stadt und ihre Menschen weitaus besser.

Dechant Dr. Stephan Rüdiger
Viele Gottesdienste hat Pfarrer Rüdiger in der Coronakrise ohne Besucher feiern müssen oder – wie beim Jahrestag der Bombardierung – mit nur einem Gast: dem Bürgermeister. © Stefan Diebäcker (Archiv) © Stefan Diebäcker (Archiv)

Das hat vor allem mit der Corona-Pandemie zu tun. „Ich hätte mir sehr gewünscht, schon mehr Kontakte zu haben“, sagt der Geistliche. Als im Sommer 2020 die Infektionszahlen zeitweise zurückgingen und die Beschränkungen gelockert wurden, „da war ich endlich mal nicht im luftleeren Raum. Aber das war trotzdem nicht die Intensität, die es eigentlich gebraucht hätte.“

Mit der Wahl zum Dechanten hat die Pastoralkonferenz offenbar einige Hoffnungen verknüpft. Denn die Zeiten sind für die katholische Kirche auch in Dorsten nicht leicht. Wegen des Krisenmanagements des Kölner Kardinals Woelki und seinem sturen Beharren auf Geheimhaltung einer Missbrauchs-Studie sind auch in Dorsten zahlreiche Gläubige aus der katholischen Kirche ausgetreten, bestätigt der neue Dechant.

Zur Person

Der neue Dechant

  • Geboren und aufgewachsen ist Dr. Stephan Rüdiger in Gelsenkirchen-Buer. Nach Abitur und Zivildienst hat er zunächst als Pries­teramtskandidat des Bistums Essen in Bochum mit dem Studium der Katholischen Theologie begonnen.
  • Während des Studiums ist Rüdiger in die Gemeinschaft der Zisterzienser von Bochum-Stiepel eingetreten. Das Priorat in Stiepel gehört zur großen Abtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Nach dem Noviziat hat er an der heute Päpstlichen Hochschule Benedikt XVI. seine Studien fortgesetzt.
  • 2008 wurde er von Kardinal Christoph Schönborn aus Wien zum Priester geweiht. Es folgten Jahre als Kaplan in der Wiener Neustadt und als leitender Pfarrer in Trumau. Während seiner Kaplansjahre durfte er an der Universität Salzburg im Fach Bibelwissenschaft/Neues Testament promovieren.
  • Nach Beendigung seiner Ausbildung in Frankfurt war er dann in Absprache mit seinen Ordensoberen und Bischof Felix Genn ins Bistum Münster gewechselt, wo er als Pastor in der Propsteigemeinde St. Remigius in Borken tätig war, bevor er nach Dorsten wechselte.

Stephan Rüdiger sieht es als eine seiner zentralen Aufgaben an, die katholische Kirche so zu gestalten, dass sie nicht mehr nur „als verstaubter Verein“ wahrgenommen wird. Wichtig sei es, im Dekanat mit einer Stimme zu sprechen, um „verschiedene Dinge gemeinsam anzugehen“.

„Ich bin nicht der Vorgesetzte“

Dass das nicht so einfach ist, zeigt eben auch die Coronakrise. Während andere Gemeinden zum Beispiel an Ostern die Gläubigen in die Kirchen ließen, verzichtete St. Agatha auf Präsenzgottesdienste. „Das war nicht lustig, das auszuhalten“, sagt Stephan Rüdiger, betont aber zugleich: „Jeder Pfarrer ist sein eigener Herr, ich bin nicht ihr Vorgesetzter.“

Aber derjenige, auf den alle blicken, wenn es heißt, die katholische Kirche zu modernisieren, ihr neuen Schwung zu geben und die Menschen zu ihr zurückzuholen. Wobei das ja nicht auf den eigentlichen Ort beschränkt sein muss. St. Agatha plant bereits Gottesdienste im Grünen und „verschiedene andere Dinge“ rund um das Kirchweihfest Anfang Juli. Die anderen Pfarreien werden mitziehen, hofft der neue Dechant. Jetzt und in Zukunft.

Übrigens wurde zum Definitor August Hüsing, Pfarrer in St. Paulus Hervest, ernannt. Der Definitor ist der Stellvertreter des Dechanten.

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker