Neues Gesetz für Passfotos: „Für Betriebe wie uns ist das ähnlich eines Totalschadens“

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Um Ausweise fälschungssicherer zu machen, plant die Regierung ein neues Gesetz: Passbilder dürfen demnach nur noch beim Amt gemacht werden. Fotostudios sehen ihre Existenz gefährdet.

Dorsten

, 14.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Matthias Hundt in den 1980er-Jahren anfing, als Fotograf zu arbeiten, habe es in der Dorstener Altstadt „noch sieben bis acht Studios“ gegeben, sagt er. Heute ist der 52-Jährige mit seinem Fotostudio an der Lippestraße mehr oder weniger allein in der Innenstadt. Und der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes.

Um die Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen zu stärken, plant die Bundesregierung ein neues Gesetz. Der Entwurf sieht vor, dass Passbilder für Ausweisdokumente künftig „vor Ort unter Aufsicht der Pass- bzw. Ausweisbehörde aufgenommen werden“. Dafür sollen die rund 5500 Ausweisbehörden in Deutschland mit jeweils zwei Selbstbedienungsterminals ausgerüstet werden.

Manipulationen durch Morphing sollen verhindert werden

Konkret geht es um das sogenannte „Morphing“. Bei diesem Verfahren werden Fotos mehrerer Personen so miteinander verschmolzen, dass mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar ist, ob es sich um die eine oder die andere Person handelt. Mit so einem manipulierten Passbild könnten beide Personen den Ausweis für einen Grenzübertritt nutzen, argumentiert die Regierung. Aktivisten war es 2018 gelungen, eine solche Fotomontage in einen offiziellen Reisepass zu schmuggeln.

Pass- und Porträtstudios wie dem von Matthias Hundt in Dorsten würde eine zentrale Erlösquelle wegbrechen, sollte ausschließlich der Staat Passbilder für Ausweise machen dürfen. „Das ist, als ob man dem Schlachter sagt, dass er ab heute kein Schwein mehr verkaufen darf, weil das jetzt der Staat übernimmt“, sagt Hundt. „Für kleine, inhabergeführte Betriebe wie uns ist das ähnlich eines Totalschadens.“

Neues Gesetz für Passfotos: „Für Betriebe wie uns ist das ähnlich eines Totalschadens“

Seit 2005 betreibt Matthias Hundt sein Fotostudio an der Lippestraße in der Dorstener Innenstadt. Passfotos sind eine wichtige Erlösquelle für den Fotografen. © Robert Wojtasik

Die genauen Folgen des neuen Gesetzes für seinen Betrieb lässt Hundt gerade von einem Fachmann durchrechnen. „Man kann aber schon jetzt hundertprozentig sagen, dass wir dann nicht mehr ausbilden könnten.“

Sein Team und er hätten auch behinderte Kunden, die sie daheim besuchen, um Passfotos zu machen. Auch Bewohner von Seniorenheimen werden sich umstellen müssen, wenn Ausweisbilder nur noch unter Aufsicht im Bürgerbüro gemacht werden dürfen. „Und man weiß ja schon jetzt, wie lang die Wartezeiten im Amt sind“, sagt Hundt.

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Sollte die Regelung verabschiedet werden, gilt sie nur für neu beantragte Pässe und Personalausweise. Ein zusätzlicher Foto-Termin im Amt soll nach Auskunft des Innenministeriums nicht erforderlich sein. Es bliebe also bei einem einmaligen Termin bei der Passstelle. Für die ersten fünf Jahre beziffert das Ministerium die Kosten auf insgesamt 177 Millionen Euro. Danach fallen jährlich Kosten in Höhe von 12 Millionen Euro an.

Personalausweis soll teurer werden

Ein Passbild werde voraussichtlich zwischen 4 und 6 Euro kosten, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Dabei handele es sich um eine Aufwandsentschädigung. Die Gebühr für den Personalausweis soll sich in den ersten fünf Jahren um bis zu 3 Euro erhöhen. Die neuen Regeln sollen nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft treten, sofern Bundestag und Bundesrat in den kommenden Monaten zustimmen.

Der Handelsverband Deutschland kritisiert in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer, dass dessen Pläne „Millionenumsätze im Handel vernichten“ würden. Es brauche kein Verbot der Passbilderstellung im Fotohandel, denn über eine Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Behörden seien im Handel die gleichen Sicherheitsstandards realisierbar.

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Auch Matthias Hundt hofft, dass es am Ende vielleicht doch Ausnahmen für gewisse Gruppen wie zum Beispiel das kleine Unternehmen vor Ort geben wird. „Firmen könnten eine Art Lizenz erhalten, wenn sie beim Amt hinterlegen, dass gewisse Sicherheitsspezifikationen eingehalten werden“, schlägt der Fotograf vor.

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