38 Grad im Schatten. In Dorsten ist es heißer als an manchen Urlaubsorten. Ein Temperatur-Vergleich und andere, teils kuriose Fakten zur Extrem-Hitze in einer großen Übersicht.

Dorsten

, 25.07.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dorsten schwitzt und stöhnt. Über die Hitze, die Trockenheit. Der Mensch leidet, die Natur auch. Doch das Stadtleben geht weiter, mancherorts allerdings mit gebremstem Schaum. Oder gut geschützt.

1) Der Temperatur-Check

Kennen Sie Tidjikja? Das liegt in der Westsahara. Dort werden am Donnerstag 38 Grad erwartet. Wie in Dorsten. Madrid, Rom, Athen - alle auf dem gleichen Temperatur-Level. Auf „Malle“ sind‘s nur 33 Grad, in New York noch etwas weniger. In Sydney werden 20 Grad erwartet - okay, da ist gerade Winter.

2) Die Feuerwehr schwitzt mit

Erhöhte Waldbrandgefahr, Menschen mit Kreislaufproblemen - da sind in diesen Tagen viele Rettungskräfte in Alarmbereitschaft, könnte man meinen. Doch Feuerwehr-Sprecher Markus Terwellen relativiert: „Wir sind ja immer auf witterungsbedingte Einsätze vorbereitet.“

Neun „heiße“ Fakten über die Extrem-Hitze in Dorsten

Die Feuerwehr ist Hitze gewohnt. Doch hochsommerliche Temperaturen machen die Arbeit in voller Montur nicht leichter. © Guido Bludau

Die Feuerwachtürme sind besetzt, erhöhte Einsatzzahlen durch „Kreislaufwetter“ gab es bislang in Dorsten nicht. Viel Wasser trinken, die Mittagssonne meiden und sich möglichst im Schatten aufhalten - das gilt auch für Feuerwehrleute. „Im Einsatz ist das natürlich nicht möglich“, sagt Terwellen. „Wenn unsere Einsatzkräfte stark gefordert sind, werden genügend personelle Ressourcen vorgehalten. Die können dann bedarfsgerecht eingesetzt werden.“

3) Eis und Sonnencreme für Mitarbeiter

Hitzefrei sieht das Arbeitsrecht nicht vor. Aber man kann seinen Mitarbeitern ja trotzdem etwas gönnen. Mineralwasser-Produzent Stiftsquelle hat eine große Gefriertruhe aufgestellt, dort gibt es ohne Ende Speiseeis. Straßen NRW spendiert den Mitarbeitern der Autobahnmeisterei Sonnencreme. Die Müllabfuhr beginnt seit Dienstag schon um 6 Uhr, dann ist auch früher Feierabend. Das Bürgerbüro im Rathaus öffnet am heutigen Donnerstag früher und schließt eher. In vielen Banken ist die Krawattenpflicht aufgehoben.

4) Der Feierabend-Markt wird „überdacht“

Zum dritten Mal gibt es am Freitag ab 16 Uhr am Recklinghäuser Tor einen Feierabendmarkt. Händler haben angesichts der hohen Temperaturen noch nicht abgesagt, sagt Joelle Damm, die fürs Marketing zuständig ist. Dann müssen ja nur noch die Besucher kommen. „Wir werden für Abkühlung mit kostenlosem Wassereis und Wasserbecken für die Füße sorgen“, sagt sie. Ausreichend Sonnenschirme und Sitzgelegenheiten soll es geben und Wassernäpfe für Hunde. Der Markt ist bis 22 Uhr geöffnet, bis dahin könnten die Temperaturen um ein paar Grad gesunken sein.

Neun „heiße“ Fakten über die Extrem-Hitze in Dorsten

Die Händler kommen auch zum dritten Feierabendmarkt in Dorsten. Für die Besucher wird bei hochsommerlichen Temperaturen vorgesorgt. © Ralf Pieper

5) Tierheim-Besucher müssen draußen bleiben

„Wir müssen draußen bleiben“, heißt es bis einschließlich Freitag für Besucher des Tierheims in Hervest, wenn nicht vorher ein Termin vereinbart wurde. Fundtiere können aber trotzdem abgegeben werden. Für Hunde wurden auf der Wiese kleine Swimmingpools aufgebaut, Katzen erfrischen sich mit nassen Handtüchern.

6) Im Atlantis wird das Wasser „gekühlt“

Herrliche 22 Grad beträgt die Wassertemperatur im Außenbecken des Freizeitbades Atlantis. Mit anderen Worten. Die „Sonnen-Heizung“ wird technisch ausgetrickst, damit es nicht zu warm wird. Nebenan, im Sole-Becken, ist es 36 Grad warm. Auch da tummeln sich bei Sommerwetter viele Menschen gerne. Vielleicht, weil das Wasser ein wenig nach Meer schmeckt.

Neun „heiße“ Fakten über die Extrem-Hitze in Dorsten

Im Atlantis lässt es sich aushalten. Die Wassertemperatur im Außenbecken soll nur 22 Grad haben. © Hans Blossey

7) Fußballer auf Schattensuche

Auf dem Waldsportplatz in Holsterhausen werden am Freitag und Samstag die Fußball-Stadtmeisterschaften ausgetragen. Schatten spendet normalerweise nur eine überdachte Tribüne am Rasenplatz, doch rund um die beiden Spielfelder sollen Pavillons für Spieler und Zuschauer aufgebaut werden. Wassereimer stehen bereit, ein zusätzlicher Getränkewagen wurde geordert. Und auf dem Dachboden des Clubheims wurde ein großes Planschbecken entdeckt. Wenn nicht jetzt, wann dann...?

8) Landwirte lechzen nach Wasser

Weizen und Mais trifft es derzeit besonders hart. Kleine Körner, weniger Ertrag, geringere Einnahmen - diese ebenso einfache wie traurige Rechnung macht Kreislandwirt Friedrich Steimann (Kirchhellen) auf. Er rechnet mit etwa 25 Prozent Einbußen bei der Weizenernte, der Ertrag beim Mais könnte bestensfalls mäßig ausfallen, „aber dazu müsste es in den nächsten Wochen kräftig regnen und nicht mehr ganz so heiß sein“.

Neun „heiße“ Fakten über die Extrem-Hitze in Dorsten

Der Kirchhellener Landwirt und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen, Friedrich Steinmann, zeigt, wie der Mais unter der Trockenheit leidet. © Manuela Hollstegge


9) Stadt sucht Wasserspender

Den Straßenbäumen geht es schlecht. Dorstens Stadtgärtnerei ist tagsüber mit einem Trecker unterwegs, der mit einem Tank ausgerüstet ist, und wässert, Aber das reicht nicht. Stadtsprecher Ludger Böhne: „„Wir sind dankbar für jede helfende Hand, die in diesen Tagen ein paar Eimer Wasser spendiert.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt