Nicht alle Supermärkte verzichten auf Bon-Werbung - trotz Kritik der Verbraucher

mlzBon-Werbung

Die Diskussionen über die neue Bonpflicht reißen nicht ab. Doch nicht nur werden es mehr Bons, sie werden wegen der Werbung oft auch noch länger. So bekämpfen Supermärkte den Zettelwahn.

Dorsten

, 13.01.2020, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in Dorsten tatsächlich auf die Bons der Supermärkte schaut, kann nicht nur die Liste mit gekauften Produkten sehen und das jeweilige Namens-Logo, sondern auch zunehmend Werbung, Coupons und andere Rabattaktionen.

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Kassenbons werden auf Thermopapier gedruckt. Das ist nicht recycelbar. So viel dürfte allein durch die Diskussion um die neue Bonpflicht bereits jedem bekannt sein.

„Umweltfreundiches Thermopapier“

Um der Umwelt trotzdem etwas Gutes zu tun, setzt der Edeka-Verbund Rhein-Ruhr bei seinen Kassenzetteln auf „umweltfreundliches Thermopapier“. Dieses ist ohne chemische Farbentwickler, FSC-zertifiziert und nach Angaben der Pressesprecherin recycelbar. Zusätzlich setzt Edeka auf eine blau-grau-Farbe, die sich „Blue4est“ nennt.

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Eigenständige Kaufleute können individuelle Marketingmaßnahmen für ihre Standorte festlegen. „Manche drucken beispielsweise den HR-Code ihrer Homepage auf den Bon“, so Pressesprecherin Simone Erkens.

Neue Bonpflicht ist ärgerlich

Ralf Honsel ist ein eigenständiger Kaufmann. Er betreibt den Dorstener Edeka Honsel. „Wir benutzen die Kassenbons bewusst nicht für Werbung, obwohl die Verführung groß ist. Im Sinne der Müllvermeidung haben wir uns dagegen entschieden“, sagt er.

Nicht alle Supermärkte verzichten auf Bon-Werbung - trotz Kritik der Verbraucher

Ralf Honsel ärgert sich über die neue Bonpflicht und druckt bewusst keine Werbung auf seine Kassenbons. © privat

Umso ärgerlicher sei daher die neue Bonpflicht. Es wäre eine erhebliche Erleichterung, wenn der Bon auf das Handy der Kunden geschickt werden könnte. Technisch sei das möglich, mit der Edeka App. Aber trotzdem müsse ein Bon gedruckt werden, weil der Gesetzgeber das verlangt.

„Wir haben riesige Müllberge jeden Tag und erhebliche Kosten für Nichts und wieder Nichts, da viele Kunden den Bon beispielsweise beim Kauf von einem Produkt einfach nicht brauchen und wollen“, ärgert sich Ralf Honsel.

Auch die Unterstellung, „Schwarzgeld“ an den Kassen zu verhindern, sei von Theoretikern entwickelt und abwegig. Ohne das Einbongen würden warenwirtschaftliche Prozesse nicht mehr funktionieren.

Effizientes Werbemittel ersetzt Flyer

Aldi Nord verzichtet ebenfalls auf Werbung auf Kassenbons. Die Zettel bestehen auch aus FSC-zertifiziertem Papier, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Zudem ist es phenolfrei und kann mit dem Altpapier entsorgt werden. Auf chemische Tinte wird verzichtet.

Kauflands Kassenzettel ziert das Logo und ein Werbe-Abschnitt. Seitens des Unternehmens spricht man beim Kassenzettel von einem Teil der Gesamtkommunikation und einem effizienten Werbemittel. Denn: „Flyer, Prospekte, Handzettel usw. müssten seperat produziert werden“, teilt Anna Münzing von Kaufland mit.

Werbung oft in Zusammenhang von Payback-Aktionen

Auch bei Rewe setzt man auf diese Strategie und druckt häufig Payback-Aktionen, Strichcodes und Rabattaktionen auf die Kassenbons. „Der Bon ist zwar länger, aber es ist trotzdem weniger Müll“, sagt Rewe Presseprecher Thomas Bonrath.

Bei dem Einsatz von Thermopapier werde auf den Stoff Bisphenol A verzichtet.

Bei Kaufland werde regelmäßig geprüft, ob und um wie viel die Kassenzettel gekürzt werden können. Wie andere Supermärkte verzichtet auch Kaufland auf Bisphenol A. Derzeit werde an digitalen Kassenbons getüftelt, den „Smarten Pfandbons“, die aktuell in Süddeutschland getestet werden.

250 Tonnen Papier einsparen

Auch Lidl verzichtet auf phenolfreies Thermopapier und spart durch den Verzicht von Werbung auf Kassenbons und durch die Optimierung der Zettel jährlich rund 250 Tonnen Papier. Aktuell wird die App „Lidl Plus“ in Berlin und Brandenburg getestet. Sie soll langfristig den Papierverbrauch weiter reduzieren.

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