Wer in der Dorstener Innenstadt mal muss, findet die einzige öffentliche Toilette in den Mercaden. Alle anderen sind geschlossen. © dpa
Coronakrise

Nur eine Toilette in der Innenstadt: „Blanker Hohn für Leute wie mich“

In den Mercaden gibt es derzeit die einzige öffentliche Toilette in der Dorstener Innenstadt. Der Weg dorthin kann aber schnell zu weit sein, wie eine Schermbeckerin erfahren musste.

Plötzlich starker Harndrang in der Innenstadt? Dann hat man in Dorsten ein Problem. Denn die einzige aktuell verfügbare öffentliche Toilette befindet sich in den Mercaden – was je nach eigenem Standort und persönlicher Mobilität ein gutes Stück Fußweg sein kann.

Eine Schermbeckerin erlebte nun den Ernstfall und wandte sich an die Dorstener Zeitung. Die 57-Jährige beschreibt ihre Erlebnisse im Gespräch „als blanken Hohn für Leute wie mich, die an Blaseninkontinenz leiden“.

Rewe: Toilettenbetrieb nicht mehr leistbar

Zunächst wurde sie im toom-Markt am Platz der Deutschen Einheit abgewiesen. Normalerweise gibt es dort eine öffentliche Toilette, doch die ist derzeit geschlossen. Auf Nachfrage sagte ein Rewe-Sprecher, dass „die Bereitstellung von öffentlich zugänglichen Kundentoiletten unter den Corona-bedingten Hygiene- und Schutzmaßnahmen“ eine Herausforderung sei, „die von den seit vielen Monaten an der Grenze zur Zumutbarkeit arbeitenden Kolleginnen und Kollegen nicht mehr geschultert werden“ könne.

„Die Weiterempfehlung an die Eisdiele hat mir zunächst Hoffnung gemacht“, so die Schermbeckerin. Aber auch dort: Corona-bedingt geschlossen. Genauso wie die zweite „Nette Toilette“ in der Dorstener Innenstadt beim La Piazza. „Dann habe ich auf den Burgerladen am Bahnhof gehofft, wir hatten in der Nähe geparkt – aber auch da war der Zugang zu den Toiletten blockiert.“

Der Weg zu den Mercaden sei dann schließlich zu weit gewesen. „Ich habe ja schon extra Einlagen. Aber es ist ein unangenehmes Gefühl, wenn man da steht und es läuft“, so die Schermbeckerin. „Ich habe dann immer Angst, dass andere es von außen sehen können.“

Bestandsgarantie für Mercaden-Toilette

Mercaden-Centermanager Ralf Gertz gibt erst mal Entwarnung: Die letzte öffentliche Toilette in Dorstens Innenstadt wird nicht auch noch geschlossen. „Wir sehen das als Service-Leistung für unsere Besucher und haben überhaupt nicht vor, die Toilette zu schließen“, so Gertz. „Die Toilette ist während der üblichen Geschäftszeiten geöffnet und es ist auch immer Personal vor Ort, das sich um die Hygiene kümmert.“

Die Stadtverwaltung hatte Anfang November erklärt, dass bislang kein größerer Bedarf erkennbar geworden sei, den das aktuelle Angebot nicht abdecke. Der infektionssichere Betrieb einer öffentlichen Toilette ohne Anbindung an ein Geschäft sei mit erheblichem Hygiene- und Personalaufwand verbunden und nicht leistbar.

Die Schermbeckerin berichtet von guten Erfahrungen in den Mercaden. Dort habe man sie auch schon mal auf die Behindertentoilette gelassen, als es dringend war und mit einer weiteren Person die Abstände auf der normalen Toilette nicht eingehalten werden konnten. „Was aber wirklich fehlt, ist eine Möglichkeit am anderen Ende der Fußgängerzone.“

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Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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