Obdachlosen eingesperrt und misshandelt? Angeklagter bestreitet

mlzLandgericht Essen

Ein junger Mann aus Dorsten soll einen Obdachlosen tagelang eingesperrt, geschlagen und ausgeraubt haben. Vor Gericht erzählt der 32-Jährige jedoch eine andere Geschichte.

Essen, Dorsten

, 11.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden Männer kennen sich schon seit der Jugend. Sie waren in Wulfen-Barkenberg im selben Viertel aufgewachsen, haben später sogar mal zusammen gearbeitet. Doch jetzt ist das Tuch der Freundschaft endgültig zerrissen. Auslöser sind sechs Tage im November 2018. Seit Mittwoch beschäftigt der Fall sogar das Essener Landgericht.

Angeklagt ist ein 32-jähriger Vater, der inzwischen in Holsterhausen wohnt. Ihm wird vorgeworfen, seinen Jugendfreund sechs Tage lang immer wieder geschlagen, ausgeraubt und sogar eingesperrt zu haben. Die Anklage lautet unter anderem auf Freiheitsberaubung.

Jugendfreund hat im Auto übernachtet

Die beiden Männer hatten sich eine Zeit lang aus den Augen verloren, bevor sie sich am alten Einkaufszentrum in Barkenberg durch Zufall wiedertrafen. Der Alltag des Angeklagten drehte sich nach seinen Angaben zu dieser Zeit vor allem um Alkohol und Drogen, seinen früheren Kumpel hatte es sogar noch schlimmer getroffen.

„Er war obdachlos“, sagte der 32-Jährige den Richtern, habe nur noch sein Auto gehabt, in dem er auch geschlafen habe. „Er wollte duschen und irgendwo unterkommen.“ Er selbst habe ihm dann die Barkenberger Wohnung seines Schwagers angeboten, der gerade im Gefängnis saß. Was danach passierte, ist umstritten.

„Habe ihn von der Straße geholt“

Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte seinen Kumpel in der Wohnung eingeschlossen, geschlagen und zwischendurch zu mehreren Spritztouren gezwungen. Auch dabei soll es immer wieder zu Misshandlungen gekommen sein.

Am Ende habe er den Obdachlosen sogar mit dem Tode bedroht und dessen Auto verkauft. Einen Peugeot 206, für gerade mal hundert Euro.

Der Angeklagte selbst will davon allerdings nichts wissen. Er habe seinem alten Freund eigentlich nur helfen wollen. „Ich habe ihn von der Straße geholt“, sagte er den Richtern. Seine Frau habe sogar Brote gemacht.

Ganz unschuldig sei er allerdings nicht. Ein paar Schläge habe es tatsächlich gegeben. Aber nur, weil ihm sein Kumpel 200 Euro geklaut habe. „Ich war sauer und habe ihm ein paar geschmiert.“ Er habe ihm schließlich vertraut und eher Dankbarkeit erwartet. Von Einsperren und Todesdrohungen könne keine Rede sein. „Ich bin doch kein Schwerverbrecher.“

Richter wollen Psychiater hinzuziehen

Bevor der Prozess fortgesetzt wird, wollen die Richter nun erst einmal einen Psychiater hinzuziehen, um den angeblichen Drogen- und Alkoholmissbrauch einschätzen zu können, der Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit haben könnte.

Inzwischen will der Dorstener sein Leben allerdings wieder in den Griff bekommen haben. Er hat Kontakt zur Drogenberatungsstelle und auch wieder einen Job.

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