Öffentlicher Bücherschrank wegen Umbaus der Fußgängerzone in Dorsten vorerst abgebaut

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Büchertauschfreunde vermissen den Bücherschrank, der bis vor Kurzem in der Recklinghäuser Straße in der Dorstener City aufgestellt war. Doch es besteht die Chance auf eine Übergangs-Lösung.

Dorsten

, 05.02.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur die Betonklötze, Bäume, Bänke, Mülleimer, Fahrradständer und Telefonzellen sind kürzlich in der Recklinghäuser- und Essener Straße abgeräumt worden, um Platz zu schaffen für die nächsten Umbauarbeiten in der Fußgängerzone. Auch der Bücherschrank musste weichen. „Schade“, meint Jana Magdanz. Die in Kirchhellen wohnende Journalistin wollte am Freitagnachmittag einen ganzen Packen fast neuwertiger Jugendbücher in den Schrank stellen („die haben meine beiden Kinder aussortiert“), musste aber unverrichteter Dinge die Kiste wieder mit nach Hause nehmen.

Schrank ist zwischengelagert

Der Schrank stand auf der Recklinghäuser Straße in Höhe der Hausnummer 20 in direkter Nähe zu Stadtinfo Dorsten/Innogy-Laden. „Er ist abgeräumt und zwischengelagert worden“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage der Redaktion. Im nächsten Jahr (dann wird im letzten Bauabschnitt die Recklinghäuser Straße gepflastert) werde er wieder aufgestellt.

Ihn bis dahin kurzerhand übergangsweise an anderer Stelle in der Stadt aufzustellen, sei nicht praktikabel, so Böhne. „Denn er braucht ein stabiles Fundament im Boden, damit er sicher steht.“ Die Stadtinfo Dorsten habe sich aber angeboten, provisorisch während der Öffnungszeiten als „Übergangs-Bücherschrank zu fungieren. „Es wäre deshalb schön, wenn jemand ein Regal zur Verfügung stellen würde, das von der Größe und vom Design her in die Räume der Stadtinfo passt.“

Zum Lesen anregen

Mitmenschen im Vorbeigehen zum Lesen anzuregen: Das ist die Idee, die hinter der Installation von öffentlichen Bücherschränken steckt. Seit Anfang 2014 konnten die Dorstener durch die Initiative von RWE Deutschland (heute: Innogy) einen solchen Schrank nutzen. Das Prinzip eines Bücherschrankes ist einfach. Wer ein interessantes Buch für sich darin entdeckte, durfte es mitnehmen - kostenlos. Umgekehrt funktioniert der Büchertausch ebenso: Wer ein Buch abgeben wollte, stellte es in den 250 Bücher fassenden, zwei Meter hohen Schrank hinein.

Buch-Fundstücke entdeckt

„Ich habe mehrfach im Jahr Bücher hingebracht, wohl zwischen 20 und 30 pro Jahr“, sagt Jana Magdanz, die häufig in Dorsten zu tun hat: „Pro Besuch einen Leinenbeutel voll.“ Die Bücherliebhaberin hat sich auch immer gefreut, wenn sie im Gegenzug schöne Buch-Fundstücke entdeckt hat. „Das ist eine tolle nachhaltige Möglichkeit, mit Büchern umzugehen“, lobt sie die Idee - und würde es begrüßen, wenn die Stadtinfo künftig einspringt.

Ehrenamtlicher Pate

Nicht nur Jana Magdanz nutzte dieses Angebot. Der Bücherschrank hatte nämlich richtige „Stammkunden“, weiß Klaus-Dieter Krause. Der frühere Redaktionsleiter der Dorstener Zeitung ist seit fünf Jahren ehrenamtlich verpflichteter „Pate“ des Bücherschranks. „Ein- bis zweimal die Woche habe ich nach dem Rechten gesehen, Bücher ausgemistet, die in zu schlechten Zustand waren, und Werbe- und Propagandamaterial entfernt, das hier reingelegt wurde“, sagt er.

Klaus-Dieter Krause sagt, er sei im Vorfeld nicht darüber informiert worden, dass der Bücherschrank kurzfristig abgebaut wird. Für ihn ist aber klar: „Wenn er wieder aufgestellt wird, stehe ich weiterhin als Pate zur Verfügung“.

Wer ein Regal übrig hat und es der Stadtinfo als Büchertausch-Möbel zur Verfügung stellen möchte, kann ein Foto per E-Mail schicken.
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