Open-Air-Konzert: Sitzend tanzen – ein Trend, den Corona hervorrief

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„Wenn alle an den Tischen sitzen bleiben müssen, ist es mehr ein gemütliches Beisammensein und die Musik tritt in den Hintergrund.“ So fasste ein Gast die Live-Konzert-Atmosphäre zusammen.

Hervest, Dorsten

, 02.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Denn unter Corona ist alles anders. Der Gast beim Open-Air-Konzert des Vinylcafes am Samstag auf dem Zechengelände fügte aber dann noch hinzu: „Aber das ist tausendmal besser als gar keine Veranstaltungen.“ Nach ein paar Wochen vermeintlicher Normalität führen steigende Infektionszahlen dazu, dass Corona wieder Thema ist.

Das Publikum musste sitzen bleiben.

Das Publikum musste sitzen bleiben. © Ralf Pieper

„Ich sehe Corona gesellschaftlich als Chance“

Kaiser Franz, einer von vier Acts beim Open Air, hat hierzu eine ganz persönliche Meinung: „Auch wenn ich als hauptberuflicher Musiker von den Einschränkungen durch die Pandemie stark betroffen bin, sehe ich Corona gesellschaftlich als Chance. Die Menschen sollten nachdenken: Was brauche ich wirklich. Ist die Reise nach Mallorca wirklich so wichtig? Corona wird zeigen, wie sozial wir wirklich sind. Oder ob wir nur so tun als ob.“

Nach 40 Konzerten in ganz Deutschland im Jahr 2019 war der Auftritt am vergangenen Samstag das dritte Konzert für Kaiser Franz und seine Hofkapelle in diesem Jahr. „Dieses Konzert ist etwas ganz Besonderes! Wir spielen zum ersten Mal unplugged. Wir mussten für dieses Konzert im letzten Monat erst einmal ein Unplugged-Programm aus dem Boden stampfen.“

Carsten Kollmeier

Carsten Kollmeier © Ralf Pieper

Vier Künstler bzw. Bands traten am Samstag auf: Akustikpoet Carsten Kollmeier, Marie Schmalz, Linda Traber mit Karim und Hake und Kaiser Franz mit seiner Hofkapelle. Allesamt bekannt von Auftritten im Vinylcafe. Freunde und Bekannte der Musiker und Musikerinnen feuerten aus den Publikumsreihen an. Schon bei Beginn der Veranstaltung waren fast alle Plätze auf dem Hof von Fürst Leopold besetzt.

Marie Schmalz

Marie Schmalz © Ralf Pieper

Die Gäste brachten Durst und Hunger mit – Dönergeruch schwebte über dem Gelände. Das Revier Bistro sorgte für den Imbiss. Ein Stimmengewirr an den Tischen drängte die Musik oft in den Hintergrund. „Wir sind hier, um einen gemütlichen Abend mit Freunden zu verbringen“, so Beate Filipowska. „Die Musik ist eine nette Zugabe.“ Bei diesem Open Air spielte endlich auch das Wetter mit. Fast schon zu gut – einige Gäste kramten in den Taschen nach einen Taschentuch, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Der Abend brachte dann angenehme Abkühlung.

Viele deutschsprachige Songs aller Stilrichtungen

Zu hören gab es am Samstag viele deutschsprachige Songs aller Stilrichtungen von Liedermacher über Pop und Folk bis hin zu Alternativ Rock. Meist von den Interpreten mit eigener Feder geschrieben, aber auch die Freunde gekonnter Cover-Songs kamen vor allem bei Linda Traber mit Karim und Hako nicht zu kurz. Sting, Adele, Kings of Leon und Co. sorgten beim Publikum für schwingende Bierzeltbänke, wenn sich die Oberkörper im Takt der Musik bewegten. Sitzend tanzen – ein Trend, den Corona hervorrief.

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