Open-Grid-Gasleitung wühlt Dorsten auf - Jetzt formiert sich Protest

mlzOpen-Grid-Trasse

Open Grid will eine Gashochdruckleitung quer durch Rhade, Deuten und Holsterhausen bis nach Hervest legen lassen. In Rhade formiert sich bereits Widerstand.

Rhade

, 13.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Rhader „hinter dem Bahndamm“ lässt die Diskussion der Rhader „vor dem Bahndamm“ um die geplante Open-Grid-Gasleitung in Rhade kalt. Das Bürgerforum Rhade lehnte unlängst jedenfalls ab, über die möglichen Folgen der geplanten Gashochdruckleitung im Stadtteil zu diskutieren. Besorgte Bürger meinen: Ganz Rhade sei von den Plänen der Open Grid Europe betroffen. Sie halten die Trassenführung für hochexplosiv.

In Rhade formiert sich aber überwiegend „hinter dem Bahndamm“ Protest gegen die Trassenführung. Am Stuvenberg, Kalten Bach und Hünengrab, an der Holtkampsheide soll die Hochdruckleitung entlang laufen. Hier wohnen viele Menschen. Auch in Dorsten regt sich Widerstand.

Vor einem Jahr von Bochum nach Rhade gezogen

Wilfried und Susanne Meyer gehören zu den Kritikern. Sie sind vor einem Jahr von Bochum nach Rhade gezogen und reagierten elektrisch, als Vermesser an ihrem Grundstück Maß nahmen für die neue 100-bar-Erdgasleitung. „Das ist uns viel zu nah“, sagte Meyer am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Heimathaus Rhade.

Open-Grid-Gasleitung wühlt Dorsten auf - Jetzt formiert sich Protest

Wilfried Meyer erläuterte anhand von Kartenmaterial, wie die Gasleitungstrasse nach dem Raumordnungsverfahren beim RVR verlaufen soll. © Claudia Engel

Kritiker wie die Neubürger aus Bochum sind nicht gegen die Hochdruckleitung, wie Meyer unmissverständlich klarmachte. Aber für eine Verlegung der Leitung weiter nach Osten in nahezu unbesiedeltes Gebiet zwischen Rhade und Lembeck.

„Meiner Meinung nach ist der Trassenverlauf mit nur fünf Metern Abstand zu Wohnhäusern am Hünengrab nicht vertretbar“, so Meyer. Als Mitarbeiter einer Druckkesselfirma wisse er, wie gefährlich Hochdruckleitungen oder -behälter für Menschen sein können: „Da hast du gerade noch mit deinem Nachbarn geplaudert und eine Minute später bist du weg, wenn das Ding hochgeht“, formulierte ein Rhader plakativ.

Vorgehensweise im Planfeststellungsverfahren

Wilfried Meyer versucht deshalb, Mitstreiter im Planfeststellungsverfahren zur Gasleitung zu gewinnen, damit die Open-Grid-Trasse weiter nach Osten verlegt wird. Den größeren Sicherheitsabstand der Hochdruckleitung zu den Menschen hält Meyer für überlebensnotwendig: „47 Gasunfälle hat es in Deutschland dieses Jahr schon gegeben, in Marl ist so eine Hochdruckleitung hochgegangen, da hatten die Betreiber, übrigens auch Open Grid, noch Glück, dass die Havarie im unbewohnten Gebiet passiert ist“, sagte Lothar Hülse, 2. Vorsitzender des Heimatvereins Rhade zum Publikum.

Mehr als 20 Rhader, aber auch Ferdinand Graf von Merveldt waren gekommen, um eine Strategie zu diskutieren, wie die Verlegung der Trasse weiter nach Osten bewirkt werden könne. Graf von Merveldt ist Eigentümer von Grundstücken im Plangebiet, die mit Wohnhäusern bebaut sind. Er machte daher einige Vorschläge, wie der anvisierte Trassenverlauf vielleicht noch abgewendet werden könnte und signalisierte seine Unterstützung.

Raumordnungsverfahren ist abgeschlossen

Das Raumordnungsverfahren für das Vorhaben der Open Grid Europe beim Regionalverband Ruhr (RVR) ist abgeschlossen. Der RVR habe dem Trassenverlauf im Januar seinen Segen gegeben „und unsere Sicherheitsbedenken zur Seite gewischt“, wie Meyer sagte.

Argument des RVR: „Mit Blick auf die von den Anwohnern vorgebrachten Sicherheitsbedenken und die damit verbundene Forderung nach entsprechend großen Abständen zwischen bestehender Wohnbebauung und Gasleitung ist festzuhalten, dass eine nach den gesetzlichen Bestimmungen und anerkannten Regeln der Technik errichtete Gasleitung als sicher gewertet werden kann.“ Der RVR stützte sich dabei auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes NRW vom

4. September 2017 (11D14/14.AK).

Naturschützer und Bauherren waren sich einig

Damit wollen sich die Rhader Kritiker der favorisierten Gasleitungstrasse aber nicht zufriedengeben. Auch der Graf von Merveldt ist nicht überzeugt: „Bei dem Termin in Essen haben sich Naturschützer vehement gegen die Trasse durch die Rhader Wiesen ausgesprochen. Das hat den Bauherren gefreut“, kommentierte der Graf trocken. Deshalb habe man wohl auch die Trasse mit den „geringsten Widerstandspunkten“ ausgewählt, auch wenn dort viele Menschen leben. Naturschutz vor Menschenleben? Das leuchtet den Rhadern nicht ein.

Ein Rhader hat übrigens zwei Planungsfehler im Raumordnungsverfahren ausgemacht, die Grundlage für eine mögliche Klage sein könnten: „Es gibt klare Vorgaben, wonach Leitungen über 16 bar bebautes Gebiet meiden sollen. Außerdem dürfen Gasleitungen nicht parallel zu Stromleitungen verlaufen.“ Das sei aber in Rhade der Fall.

Weiteres Treffen Ende August geplant

Der Vorschlag des Grafen, zunächst einmal ein weiteres Treffen zu vereinbaren und die Politiker im Umwelt- und Planungsausschuss der Stadt für das Anliegen der Rhader zu sensibilisieren, fand großen Anklang. Ein weiteres Treffen ist am 29. August, 20 Uhr, im Rhader Heimathaus geplant. Dann wollen sich die Rhader mit Fragen beschäftigen, die sie in der Einwohnerfragestunde des Umwelt- und Planungsausschusses im September stellen wollen.

Dass der Stadtspitze Dorstens die Bedenken der Rhader, aber auch einiger Deutener und Hervester gegen die Trassenführung der Gasleitung nicht bekannt sein könnten, soll sich ändern: „Stadt, Siedler und Grundstücks- und Hauseigentümer sollten sich unbedingt auf eine Verteidigungslinie einigen, damit die Leitung so weit wie möglich von der Siedlung abrückt“, sagte von Merveldt.

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