Panne oder Absicht? CDU bittet SPD um Mithilfe beim Grundsatzprogramm

mlzPolitschwank

Peinliche Panne oder wirklich doch so gewollt? Die CDU in Dorsten bittet im Vorwahlkampf ausgerechnet die SPD-Bürgermeisterkandidatin um Ideen und Themen für ihr eigenes Grundsatzprogramm.

Dorsten

, 23.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Update (24. Mai, 15.36 Uhr):

So ein Vor-Kommualwahlkampf treibt manchmal seltsame Blüten. In Dorsten hat jetzt die Mehrheitspartei CDU den um Wählerstimmen konkurrierenden SPD-Stadtverband gebeten, am Grundsatzprogramm der CDU Dorsten mitzuarbeiten.

Eine peinliche Panne? Oder doch Absicht?

Es scheint so, als hätten CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ludger Föcker sowie seine Mitunterzeichner gar nicht nachgeprüft, an welche Empfänger aus dem über 1000 Adressen umfassenden CDU-Großverteiler die Briefe herausgegangen sind, in denen um Mitwirkung bei Ende Mai geplanten Online-Workshops zu elf Themenschwerpunkten gebeten wurde. Und deren Ergebnisse in das CDU-Grundsatzprogramm für die Kommunalwahl einfließen sollen.

An „Herrn“ Jennifer Schug

Denn einer der Briefe war an den „SPD-Stadtverband, Herrn Jennifer Schug“ adressiert. Nein, SPD-Parteichefin Jennifer Schug hat Recherchen unserer Redaktion zufolge keine Geschlechtsumwandlung hinter sich, seitdem sie vor ein paar Wochen zur Bürgermeisterkandidatin ihrer Partei gewählt worden war.

Die SPD reagiert mit Humor auf das Ansinnen der CDU, auf der Homepage www.cdu-dorsten.de/kommunalwahl um Mithilfe bei der Gestaltung der Zukunft der Stadt zu bitten. „Die Idee ist ja gar nicht so schlecht, weil Solidarität und die Unterstützung der Schwächeren zwei Grundpfeiler der Sozialdemokratie sind“, so die SPD in einer Pressemitteilung.

SPD fordert Gegenleistung

Die Dorstener SPD fordert mit Spott eine Gegenleistung für ihre Mithilfe: „Wie wäre es, wenn Sie im Gegenzug Jennifer Schug als Bürgermeisterkandidatin unterstützen würden. Schließlich wäscht eine Hand ja die andere“, heißt es in der SPD-Antwort.

Der CDU-Stadtverband Dorsten hat inzwischen um Entschuldigung gebeten, dass die SPD-Parteivorsitzende versehentlich mit „Herr(n)“ in einem Serienbrief angeschrieben wurde. Der Fehler müsse schon seit mindestens drei Jahren bestehen. „Beim Wechsel an der Parteispitze von Michael Baune wurde vergessen, die Anrede von „Herr(n)“ zu „Frau“ zu ändern“, so Ludger Samson, Pressesprecher CDU-Stadtverband Dorsten.

Einladung „kein Versehen“

Die Einladung an den SPD-Stadtverband war hingegen „kein Versehen“, so Samson. Die CDU lade seit 2007 stets auch die SPD, die Grünen und die FDP zu bestimmten Veranstaltungen ein: „Das ist unser Verständnis von einem demokratischen Meinungsaustausch.“

Bei den Videokonferenzen geht es der CDU laut Samson Ideen und Anregungen sowie Kritik aus der Bürgerschaft aufzunehmen. „Gerne auch von Menschen, die ihr Kreuz nicht bei der CDU machen.“ Der CDU-Stadtverband bedauere es sehr, „dass die Parteivorsitzende der SPD aus ideologischen Gründen diesen Dialog scheinbar ablehnt“.

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