Audio-Datei warnt vor Pferdeherpes - doch wie groß ist die Gefahr in Dorsten wirklich?

mlzReiter in Sorge

Reiter im Kreis Recklinghausen sind in Sorge. Es soll Fälle von Pferdeherpes geben. Eine Audio-Datei verbreitet sich bei WhatsApp ähnlich schnell wie das Virus. Was ist dran am Alarm?

Dorsten

, 21.12.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pferdebesitzer sind in großer Sorge: In Kleve und Borken sind Tiere an Pferdeherpes erkrankt und an der Infektion gestorben. Eine Audio-Datei, die vor der Krankheit warnt, kursiert in zahlreichen WhatsApp-Gruppen und verbreitet dort regelrecht Panik unter den Reitern. In Dorsten scheint es allerdings bisher keinen Fall von Pferdeherpes zu geben.

In Kleve mussten 13 Pferde eingeschläfert werden. Das klinische Erscheinungsbild deutet offenbar auf die Herpes-Infektion hin. Und auch im Kreis Borken soll es einzelne Krankheitsfälle mit tödlichem Ausgang gegeben haben. Ob die Fälle nachgewiesen sind, lässt sich nicht verifizieren.

Eine Dattelner Tierarztpraxis behandelt derzeit zwei Pferde in einem Stall in Recklinghausen, die aufgrund der Herpes-Infektion eine neurologische Symptomatik entwickelt haben. Bei ihnen bestehe Lebensgefahr.

Tierarzt rät: Vorsichtmaßnahmen ja, Panik nein

Im Rahmen der Behandlung hat haben Tierarzt Thomas Schulte-Bossendorf und seine Kollegen den Stallbetrieb im Kreis Recklinghausen über wichtige Vorsichtsmaßnahmen informiert. Der Stallbesitzer hat offenbar seine Reiterfreunde mit einer Sprachnachricht in Kenntnis gesetzt, und diese Nachricht verbreitet sich inzwischen epidemisch im Internet und verbreitet Panik, die die Tierärzte eigentlich vemeiden wollten und nicht für angebracht halten.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Schulte-Bossendorf, dass durch die sofort eingeleiteten Hygienemaßnahmen der Virusausbruch höchstwahrscheinlich auf den Recklinghäuser Hof beschränkt werden konnte. Er warnt vor Panikmache, rät lediglich zur Vorsicht.

Pferdeherpes ist keine meldepflichtige Krankheit

Auch das Kreisveterinäramt gibt keinen Rat. Da keine Meldepflicht für Pferdeherpes bestehe, erklärte Pressesprecher Jochem Manz, gebe es gar keinen Überblick über die Zahl der Infektionen. Man könne nur dazu raten, sehr sorgfältige Hygienemaßnahmen zu ergreifen, wenn das Virus irgendwo auftauche, und möglichst keine fremden Ställe zu besuchen.

„Die Telefone laufen heiß, wir sind in engem Kontakt mit Tierärzten.“
Christine Rittmann

Christiane Rittmann, die mit ihrem Reitverein Lippe-Bruch Gahlen vom 3. bis 5. Januar ein großes Turnier ausrichtet, weiß ebenfalls um die aktuelle Sorge der Reiter und Pferdebesitzer. Sie berichtet: „Die Telefone laufen heiß, und wir sind in engem Kontakt mit unseren Tierärzten. Unsere Reiter haben wir gebeten, ihre Tiere genau zu beobachten.“

Das Virus wird von Pferd zu Pferd übertragen, das kann auch der Mensch tun, der von einem infizierten zu einem gesunden Pferd kommt. Meist folgt auf eine Infektion hohes Fieber.

Der Halterner Tierarzt Dr. Michael Olivier rät Pferdebesitzern, derzeit keine Pferde auf Turniere zu lassen. „Bei Turnieren kommen sich die Pferde schließlich recht nah.“ Auch er empfiehlt, auf Auffälligkeiten und Fieber bei den Tieren zu achten.

Einig sind sich alle Tierärzte darüber, dass eine möglichst hohe Impfquote die Ausbreitung des Herpes-Virus im Schach halten könnte.

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