Phantomschmerzen führen Mann aus Dorsten auf die kriminelle Bahn

mlzGerichtsprozess

Erneut brach ein 30-jähriger Dorstener in Schulen, in einen Kindergarten und ein Pfarrheim ein: Er brauchte Geld für Drogen gegen seine Phantomschmerzen, sagt er. Jetzt kam es zum Prozess.

Dorsten

, 28.07.2019 / Lesedauer: 2 min

Er stieg in eine Bankfiliale am Wulfener Markt ein. Und auch in ein Pfarrheim im Dorstener Norden, dort warf er mit einem Feuerlöscher die Eingangstür ein. Beute machte der 30-Jährige dort zwar nicht, aber bei vier weiteren Einbrüchen in den Montessori-Campus in Wulfen, in die Sekundarschule Hohe Mark in Reken und in den Kindergarten im Surick fielen ihm Geld-Kassetten, technische Gerätschaften und auch fünf Kisten Wasser in die Hände.

„Mir macht es echt keinen Spaß, Lehrern und Schülern die Laptops zu klauen“, beteuerte der Dorstener am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht, wo er sich für den Beutezug Ende 2018/Anfang 2019 verantworten musste.

Gesundheitliche Probleme

Er brauchte Geld, um Drogen zu kaufen, erklärte der Mann, die Drogen müsse er nehmen, auch weil er ohne diese nicht mit seinen vielfältigen psychischen Problemen klar komme. Unter anderem befallen den Dorstener regelmäßig extreme Phantomschmerzen im Brust- und Halsbereich. „Wegen denen kann ich manchmal drei, vier Tage lang nicht schlafen.“

Deswegen spielt sich seit mehr als zehn Jahren immer das gleiche Spiel ab: Der Dorstener wird erwischt, kommt vor Gericht, wird verurteilt – und dann das Ganze wieder von vorn. Selbst im Gefängnis saß er mehrfach. „Wir haben hier weniger ein juristisches als ein medizinisches Problem“, meinte Strafrichterin Lisa Hinkers, die ihren „Pappenheimer“ schon aus Jugendgerichtsverfahren kennt.

Nur Entzug hilft nicht

Allerdings: Bislang hat der Angeklagte noch keine Therapieeinrichtung gefunden, die seine komplexen Symptome ganzheitlich behandeln konnte. Der Staatsanwalt wollte ihn am Mittwoch in einer Entziehungsanstalt unterbringen („Therapie statt Strafe“), doch darauf ließ sich der Dorstener nicht ein. „Nur ein Entzug hilft mir nichts, das ändert nichts an meinen Somatisierungsstörungen“, betonte er.

Da er derzeit halbwegs mit Methadon klarkommt, nahm er lieber eine erneute Gefängnisstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten in Kauf. Anschließend will er weiter auf die Suche nach einem geeigneten Therapie-Platz gehen.

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