Gericht verurteilt falsche Polizistin aus Dorsten zu vier Jahren Haft

mlzProzess am Landgericht

Das ist eine Warnung an alle falschen Polizisten: Eine 33-jährige Dorstenerin ist am Freitag am Landgericht Essen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden.

Dorsten, Ahaus

, 31.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tränen der jungen Frau und zweifachen Mutter kullerten, als sie ihr Urteil hörte: Vier Jahre Haft hat sie am Freitag für ihre Beteiligung am gewerbsmäßigen Bandenbetrug und Beihilfe zum Bandenbetrug kassiert. So wird das hinterhältige Spiel falscher Polizisten mit alten Menschen juristisch bewertet. Außerdem muss die Dorstenerin persönlich für einen materiellen Schaden von 75.000 Euro geradestehen.

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Die 33-Jährige habe in der Bande mitgeholfen, alte Menschen in Ahaus, Dülmen, Bochum, Essen und Mülheim um Bargeld und Schmuck zu bringen. Der Gesamtschaden, den diese Gruppe angerichtet hat, liegt bei etwa 200.000 Euro. Viel schwerer wiegt aber noch das psychische Leid, das die Gruppe ihren Opfern zugefügt hat. Auch die Folgen für die Opfer flossen in die Bewertung des Gerichtes mit ein.

Der Schmuck wurde versilbert, das Geld in die Türkei überwiesen

Erbeuteter Schmuck der alten Leute wurde größtenteils bei Juwelieren in Dorsten und Duisburg versilbert, das Bargeld über dubiose Kanäle in die Türkei weitergeleitet. Auch daran hat sich die Dorstenerin beteiligt.

In der Türkei sitzen die Hintermänner, die sich der deutschen Gerichtsbarkeit entziehen. Einige von ihnen sind in Deutschland aufgewachsen, bevor ihnen das Pflaster hier zu heiß wurde. Da die Türkei kein EU-Staat ist, wähnen sich die Organisatoren des Betruges im großen Stil in Sicherheit.

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So auch der Hauptstrippenzieher im Essener Prozess, der als einer der führenden Köpfe in der Türkei gilt. Die Dorstenerin war zeitweise die Geliebte des verheirateten Mannes. Er habe ihre Mandantin bei einem Türkeiaufenthalt „instrumentalisiert“, sagte die Anwältin der Angeklagten. Sie bezeichnete die 33-Jährige als „labile, instabile Persönlichkeit“ in ihrem Plädoyer.

Maschinerie steckt hinter dem falschen Spiel

Fatal habe sich deshalb die Bekanntschaft mit weiteren Strippenziehern der Falschen-Polizisten-Bande in Dorsten erwiesen. „Ich bezweifle, dass sie wusste, was für eine Maschinerie dahinter steckt“, sagte die Anwältin und bat das Gericht um ein mildes Urteil. Die Dorstenerin sagte in ihrem Schlusswort: „Mir tut das alles sehr leid.“

Obwohl die 33-Jährige nur eine „kleine Leuchte“ in dem deutschlandweit von der Türkei aus operierenden Betrüger-Netzwerk war, das gutgläubige Senioren reihenweise ins Unglück stürzte, wog die Beteiligung der Dorstenerin an insgesamt sechs Straftaten und die Auswirkungen auf die Opfer aus Sicht des Gerichtes doch schwer.

„Sie hätte, als sie im Februar 2019 zweimal als Fahrerin anderer Bandenmitglieder fungierte, aussteigen können. Dann wäre sie wahrscheinlich mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten, vielleicht sogar noch weniger bei einem Geständnis vor einem Amtsgericht davongekommen“, sagte der Vorsitzende der Großen Strafkammer, Richter Dr. Markus Dörlemann.

Stattdessen habe sich die 33-Jährige von ihrem Liebhaber überreden lassen, weitere Straftaten zu begehen. Er hielt der Angeklagten die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Senioren vor. „Eine alte Dame ist völlig gebrochen seit dem Betrug, andere trauen sich nicht mehr allein vor die Tür oder ängstigen sich bei jedem Telefonanruf.“

13-jährigen Sohn als Komplizen missbraucht

Ungünstig auf das Strafmaß wirkte sich zudem aus, dass die Angeklagte zwei ahnungslose Freunde und ihren erst 13-jährigen Sohn für die Mitwirkung an Straftaten missbrauchte. So wurde der Junge, am Tag der Festnahme seiner Mutter, zu einer alten Frau in Herne geschickt, um deren Geld einzukassieren, das angeblich vor rumänischen Banden geschützt werden sollte. An diesem Tag klickten bei der Dorstenerin die Handschellen; die Seniorin hat ihr Geld, so die Staatsanwältin, deshalb zurückbekommen.

Die Staatsanwältin war mit der Angeklagte noch härter ins Gericht gegangen. Sie hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten gefordert. Und auch sie fokussierte sich in ihrem Schlussplädoyer auf das andauernde Leiden der Opfer.

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