Wehrloses Opfer mit Machete attackiert? Landgericht rollt Prozess um Dorstener neu auf

mlzProzess in Essen

Alles zurück auf null: Das Landgericht Essen wird einen aufsehenerregenden Fall aus Dorsten neu aufrollen. Mutmaßlich geht es um eine Attacke mit einer Machete und schweren Raub.

Dorsten

, 13.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kommende Woche wird es eine Neuauflage eines Prozesses vor dem Landgericht Essen geben. Der Fall war eigentlich schon abgeschlossen worden mit Urteil vom 19. Juni 2019. Der Bundesgerichtshof entschied aber, dass die Erkenntnisse aus dem Ermittlungsverfahren nicht mit den Erkenntnissen übereinstimmen, die im ersten Verfahren gewonnen wurden und letztlich zu einer Verurteilung des Angeklagten wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Diebstahl zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten führten. Der BGH hob das Urteil auf und verwies den Fall an eine andere Strafkammer des Landgerichtes.

450 Euro Bargeld erbeutet?

Darum geht es: Ein 29-jähriger Tatverdächtiger soll am 13. Februar 2019 gegen 23 Uhr vor der Unterkunft für Asylbewerber an der Crawleystraße einen 32-jährigen Mann aus Dorsten zusammen mit anderen Unbekannten überfallen und mit einer Machete attackiert haben. Beim anschließenden Gerangel mit dem Opfer habe der Angreifer 450 Euro Bargeld erbeutet, heißt es in der Anklage. Die Mittäter konnten von der Polizei nicht ermittelt werden.

Dr. Tim Holthaus, Sprecher des Landgerichts Essen, sagte am Donnerstag auf unsere Nachfrage: „Das, was ursprünglich im Ermittlungsverfahren gesagt wurde, deckt sich nicht mit dem, was von der Kammer festgestellt worden ist.“ Die Ausführungen wichen stark voneinander ab und bedürfen nach Auffassung des obersten Gerichtshofes BGH einer erneuten Prüfung und Klärung des Sachverhaltes.

Kammer: Mann machte Drogenkonsumenten Vorhaltungen

Die Kammer war im Juni 2019 davon ausgegangen, dass das Opfer sich am Tatabend vor der Unterkunft an der Crawleystraße aufhielt. Mehrere Männer seien dort gewesen, hätten Alkohol getrunken und Haschisch konsumiert. Der 32-Jährige habe der Gruppe Vorhaltungen wegen ihres Drogenkonsums gemacht, so Holthaus. Daraufhin sei der 32-Jährige von einem Angreifer geschubst und mit Fäusten traktiert worden.

Das Opfer habe dann versucht zu flüchten, sei aber hingefallen und habe sein Smartphone verloren. Das habe der 29-jährige Tatverdächtige eingesteckt. Im Ermittlungsverfahren stellte sich der Sachverhalt, den die Essener Richter im Urteil so festgehalten haben, aber völlig anders dar.

Angriff erfolgte aus dem Nichts

Demnach sei der Angriff aus dem Nichts erfolgt: Die Männer aus der Unterkunft seien ohne ersichtlichen Grund auf das Opfer zugelaufen. Einer hätte eine Art Machete, ein anderer ein Flasche dabei gehabt. Es sei dann zu einer Auseinandersetzung gekommen. So lautete die ursprüngliche Schilderung im Polizeibericht.

Die XVI. Strafkammer wird an zwei Verhandlungstagen am 18. und 23. März den Fall neu aufrollen.

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