Bei der WDR-Radio-Show wurden alle Texte von den Akteuren steif in einer Reihe stehend an ihrem jeweiligen Mikro nur abgelesen. Links im Bild der gebürtige Dorstener und "Pommes-Soko"-Erfinder Fritz Schaefer. © Foto: Bornemann
Radio-Show

Radio-Show lässt kein gutes Haar an den Kanzlerkandidaten

Eine Radio-Show ist - wie der Name schon sagt - eine Hörfunksendung. So kam das Auge in der Aula der Realschule St. Ursula beinahe zwangsläufig etwas zu kurz. Lustig war‘s trotzdem.

Ziel der Veranstaltung war es am Freitagabend, einen zweistündigen Beitrag zu produzieren, den man anschließend nicht mehr schneiden muss. Das Publikum, das klatschte oder lachte, sorgte für etwas Live-Atmosphäre.

Aber alle Texte waren exakt vorgeschrieben und wurden von den Akteuren steif in einer Reihe stehend an ihrem jeweiligen Mikro nur abgelesen. Spontan war da höchstens mal ein bisschen Mimik und Gestik. Der Abend hatte dennoch viel Unterhaltungswert.

Verhaltensweisen von Politikern aufs Korn genommen

Thematisch ging es um typische Verhaltensweisen von Politikern und die bevorstehende Bundestagswahl, die satirisch auf den Arm genommen wurde. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn streute auch ein paar ernsthafte Informationen über das Zustandekommen von Hochrechnungen ein. Moderator Axel Naumer gestaltete die Überleitungen und die vierköpfige Kombo der Radio-Show mit Sängerin Nina Wurman sorgte für Auflockerungen.

Live-Beiträge wurden kontrastiert mit Originalton-Einspielern von bekannten Persönlichkeiten, auf die die drei Kanzleramtsanwärter dann reagieren sollten: Tobias Brodowy verkörperte dabei Armin Laschet. Olaf Scholz und unser allgewärtiger Viren-Experte Karl Lauterbach wurden von Uli Winters vorgeführt. Die Parodistin Antonia von Romatowski übernahm erstaunlich wandlungsfähig sämtliche Frauenrollen – von Annalena Baerbock über Rita Süssmuth, Ursula von der Leyen und Saskia Esken bis hin zu Franziska Giffey.

Kanzlerkandidaten kommen schlecht weg

Die drei Kanzlerkandidaten kamen in der Show alle schlecht weg: Armin Laschet zeichnete sich durch Geschwafel ohne Punkt und Komma und ständige Wiederholungen aus. Annalena Baerbock wollte alles besser machen, musste über die Details aber erstmal mit ihrem Kollegen Habeck sprechen. Und Olaf Scholz war ein stoischer Zuhörer ohne erkennbare Regung und stieß nur weitgehend einsilbige Antworten hervor.

Eingebettet in dieses Panoptikum der Unzulänglichkeiten waren kleine Exkurse. So setzte sich Schnellsprecher Jochen Malmsheimer u.a. mit der stark verarmten Jugendsprache auseinander und kontrastierte sie mit einer blumenreichen Werbung aus der Feder von Heinrich Heine, um daraus einen Bildungsauftrag für die Politik abzuleiten.

Lokalmatador Fritz Schaefer nahm das „Kohlsche Mädchen“ Agnes Hürland-Büning aus Dorsten auf die Schippe. In einem kleinen Hörspiel, das auch live mit Geräuschen untermalt wurde, ging ein Querdenker in Gestalt von Jean-Michel Räber die Kandidaten hart an. Langweilig wurde es jedenfalls nie.

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