Geräumte Büros bei Heim + Grund: Staatsanwaltschaft klagt Vermieter an

mlzGroßer Schaden

Über Nacht wurden die Büros der Dorstener Immobilienfirma Heim + Grund komplett leergeräumt. Demnächst muss sich der Vermieter vor Gericht verantworten. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft.

Dorsten

, 31.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der nächtlichen Räumung der Büros der Dorstener Immobilienfirma Heim + Grund an der Borkener Straße wird sich der Vermieter der Räumlichkeiten demnächst vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Essen hatte Anfang des Jahres Ermittlungen aufgenommen. Inzwischen wurde Anklage erhoben, wie die Behörde auf Anfrage bestätigte.

In der Nacht auf den 14. November 2019 waren die Geschäftsräume der Hausverwaltung und Immobilienberatung komplett leergeräumt worden. Neben Mobiliar, Geschäftsunterlagen und Computern verschwanden nach Angaben des Geschäftsführers Mike Cornelis auch Generalschlüssel, Kautionssparbücher sowie Bankunterlagen inklusive Zugangscodes.

25.000 Euro Belohnung

Cornelis rechnete aufgrund des Verschwindens sensibler Unterlagen mit hohen Schadensersatzforderungen gegen seine Firma und lobte damals 25.000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur Aufklärung des Falls führen.

Jetzt lesen

Zum Zeitpunkt der Räumung steckte Heim + Grund im Insolvenzverfahren. Die Belohnung würde auch nicht von dem Unternehmen kommen, sagte Cornelis, weil dafür die Mittel fehlten, aber das Geld sei vorhanden. Die Polizei ermittelte zunächst wegen eines Einbruchdiebstahls. Der Fall ging dann aber an die Staatsanwaltschaft, weil es Hinweise auf zivilrechtliche Streitigkeiten gab.

Angeklagt wird der Vermieter nun wegen Nötigung - und nicht wegen Diebstahls, wie die Staatsanwaltschaft Essen mitteilte: „Weil der Verbleib der Gegenstände nicht geklärt werden konnte.“

Bei Nötigung drohen bis zu drei Jahre Haft

Die Nötigung ist im Strafgesetzbuch geregelt. In Paragraf 240 Absatz 1 heißt es: „Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Als rechtswidrig gilt die Tat, „wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung es Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.“

Die Polizei hatte damals angedeutet, dass es möglicherweise Streitigkeiten um Mietzahlungen gegeben haben könnte. Am 4. November, also zehn Tage vor der Räumung, habe er die Kündigung des Mietvertrags erhalten, so Cornelis. Er habe die Räumlichkeiten bis spätestens 13. November, 12 Uhr, zu verlassen. Gegen die Kündigung habe er damals Widerspruch eingelegt. Am Morgen des 14. Novembers waren die Büros leer.

Verhandelt wird der Fall am Dorstener Amtsgericht. Ein Termin steht noch nicht fest.

Lesen Sie jetzt