An der Nierleistraße zwischen Königsberger Allee und Bestener Straße stehen einige wenige Wohnhäuser. Ein Anlieger kritisiert das hohe Verkehrsaufkommen und die überhöhten Geschwindigkeiten, die gefahren werden. © 3dRuhr
Verkehrsberuhigung

Raser im Wohngebiet: Dorstener verzweifelt an „untätiger Stadt“

Im Ringen um eine Tempo-30-Zone gibt ein Dorstener Gas. Er möchte, dass die Nierleistraße wirksam verkehrsberuhigt wird. Die Stadtverwaltung stelle sich aber taub, sagt er.

Ein Dorstener ist gar nicht gut auf die Stadtverwaltung in Dorsten zu sprechen. Nach jahrelangem Schriftverkehr und persönlichen Vorsprachen in Fachämtern der Verwaltung steht für den Dorstener Anlieger der Nierleistraße fest: „Die Stadt ist sich der Situation in unserer Straße bewusst, unternimmt aber nichts. Nicht eine Maßnahme hatte bislang Konsequenzen.“

Die Stadt stelle sich, so sein Vorwurf, „schützend vor Raser“ und verschließe die Ohren vor den Klagen der Anlieger. Ob erst jemand ums Leben kommen müsse, bis das Rathaus reagiere? Das fragt der Bürger provokant.

Fast jeder fährt nach Ansicht der Anlieger zu schnell

Für Raser hält der Anwohner des Östricher Wirtschaftsweges gefühlt fast jeden Fahrzeugführer in der Nierleistraße. „Wir leiden sehr darunter.“ Viele Autofahrer und Lkw-Fahrer mit Weseler, Bottroper, Oberhausener oder auch mit Recklinghäuser Kennzeichen lassen sich augenscheinlich von ihren Navis über die Nierleistraße zwischen Bestener Straße und Königsberger Allee lotsen, statt weiter auf der Bestener Straße Richtung Gahlen zu fahren, um dann auf die Östricher Straße und letztlich Königsberger Allee in Richtung Autobahnauffahrt der A31 einzubiegen.

Langsam fahren - dazu werden Autofahrer eingangs der Nierleistraße von der Königsberger Allee aus kommend ermahnt.
Langsam fahren – dazu werden Autofahrer eingangs der Nierleistraße von der Königsberger Allee aus kommend ermahnt. © Claudia Engel © Claudia Engel

Die meisten Durchfahrenden hätten es hörbar sehr eilig: „Wir erkennen das an den Reifengeräuschen“, sagen der Dorstener und seine lärmgeplagte Ehefrau übereinstimmend. Weitere Anlieger der Nierleistraße haben dem Wortführer in einer Unterschriftenaktion beigepflichtet. Auch sie nerven demnach das hohe Verkehrsaufkommen und die gefahrenen Geschwindigkeiten.

Um 4 Uhr morgens endet die Nachtruhe abrupt

Wegen des Tempos der Fahrzeuge währt die Nachtruhe der Anwohner in der ländlich anmutenden Idylle kurz. „Morgens zwischen 4 und 5 Uhr geht der Terror los“, sagt der Mann. Tatsächlich wurden bei einer Zählung 1200 Fahrzeuge an einem Tag auf der Nierleistraße erfasst – eine Menge Verkehr für ein Sträßchen, das keine Bürgersteige hat, das gerade etwas mehr als vier Meter breit ist und auf der der Begegnungsverkehr Schwierigkeiten hat, ohne anzuecken aneinander vorbeizukommen.

Trotz der Anliegerbeschwerden, die auch schon Gegenstand im Bau- oder Hauptausschuss waren, weist die Stadt die Behauptung des Anwohners zurück, dass auf der Nierleistraße gerast wird. Bei einer Geschwindigkeitsmessung von 777 Fahrzeugen am 17. Dezember 2019 haben 85 Prozent aller Fahrzeuge ein Tempo von 45 km/h nicht überschritten, sagt ein Pressesprecher der Stadt Dorsten, Christoph Winkel. Das seien vergleichsweise sehr gute Werte für eine 30er-Zone.

Radfahrer und Fußgänger in Lebensgefahr?

„Unsere Straße ist eine Tempo-30-Zone“, betont indes der Anwohner und weist darauf hin, dass 45 km/h deutlich über 30 km/h liegen. Außerdem seien Spitzen nicht erwähnt worden: „Bei einer anderen Messung im Frühjahr 2018 war jedes vierte Fahrzeug schneller.“ Einer sei sogar 65 km/h gefahren: „Hier sind schon Pferde durchgegangen. Radfahrer und Fußgänger schweben in Lebensgefahr“, so der Dorstener.

Vorschlag der SPD: Dicke Betonpoller sollen die Fahrbahnbreite im bebauten Bereich der Nierleistraße verringern und damit den Tempo der Durchfahrenden herunterdrosseln
Vorschlag der SPD: Dicke Betonpoller sollen die Fahrbahnbreite im bebauten Bereich der Nierleistraße verringern und damit den Tempo der Durchfahrenden herunterdrosseln © privat © privat

Heiko Raffel, für die SPD Sprecher im Umweltausschuss, kann das bestätigen. „Nachdem ich mich mit den Anliegerbeschwerden befasst habe, bin ich die Strecke mal mit meinem Rad gefahren.“ Er sei durch eng an ihm vorbeifahrende Fahrzeuge in brenzlige Situationen geraten. Raffel hat sich darauf hin überlegt, wie die Nierleistraße so verkehrsberuhigt werden kann, dass der Verkehr automatisch sein Tempo drosseln muss. Er schlägt dicke Betonpoller vor, die die Straßenbreite im bewohnten Bereich von 4.70 Meter auf 3.10 Meter verringern. Den Vorschlag will er in einer Ausschuss-Sitzung vorbringen.

Und auch die Polizei signalisiert Unterstützung. Pressesprecherin Corinna Kutschke sagte auf unsere Anfrage, dass die hohe Verkehrsfrequenz nicht bekannt gewesen sei und der Bezirksbeamte mit den Anliegern sprechen wolle.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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