Raubprozess: Richter lassen Milde gegenüber 22-jähriger Dorstenerin walten

mlzLandgericht

Eine junge Frau sitzt mit im Fluchtwagen, als in Dorsten zwei Imbissbuden überfallen werden. Im Prozess meinten es die Richter am Ende jedoch gut mit der 22-Jährigen.

Dorsten/Essen

, 26.02.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war im Herbst 2017, als auf der Borkener Straße innerhalb weniger Tage erst eine Döner-Bude und anschließend ein Asia-Imbiss überfallen wurden. Die Beute: rund 1500 Euro. Die eigentlichen Täter sind dafür bereits im vergangenen Jahr verurteilt worden. Im Fluchtwagen saß damals jedoch noch eine dritte Person. Ihre Rolle war lange unklar. War sie Mittäterin? Oder hatte sie mit den Überfällen überhaupt nichts zu tun?

20 Euro Schweigegeld

Die Richter am Essener Landgericht haben sich am Montag festgelegt. Die 22-jährige Dorstenerin, so hieß es im Urteil, war eine Gehilfin. Schließlich habe sie ja auch von der Beute profitiert. Einmal war man essen gegangen, das andere Mal hatte sie 20 Euro Schweigegeld erhalten. Eine echte Bestrafung wollten die Richter dann aber doch nicht aussprechen. Sie ordneten 100 Sozialstunden an und wiesen der 22-Jährigen einen Bewährungshelfer zu, mit dem sie in den nächsten zwei Jahren zusammenarbeiten muss.

Die Richter behielten es sich allerdings vor, später vielleicht doch noch eine Haftstrafe zu verhängen. Zum Beispiel dann, wenn die Dorstenerin keinen Kontakt zu ihrem Bewährungshelfer hält oder die Sozialstunden nicht ableistet – oder wieder straffällig wird.

Zur Tatzeit orientierungslos

Dass das Urteil so milde ausgefallen ist, hängt vor allem damit zusammen, dass die zur Tatzeit noch 20-jährige Angeklagte ziemlich halt- und orientierungslos war. Sie hatte bei ihrer Stiefschwester gewohnt, die ebenfalls in die Raubüberfälle verwickelt war. Richterin Jutta Wendrich-Rosch: „Wir können uns vorstellen, dass ihre Stiefschwester einen schlechten Einfluss auf sie ausgeübt hat.“ Und zwar mehr, als der Angeklagten gutgetan habe.

Die Angeklagte selbst hatte nach Absprache mit ihrem Verteidiger Tim F. Schubert vor Gericht sofort mit offenen Karten gespielt. Laut Urteil hat sie sich inzwischen gefestigt. Seit den Überfällen im Herbst 2017 hat es auf jeden Fall keine neuen Straftaten mehr gegeben.

Der Haupttäter ist in einem früheren Prozess bereits zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden, gegen die Stiefschwester der jetzt Angeklagten wurden sogar noch vier Monate mehr verhängt. Allerdings nicht nur für die Raubüberfälle, sondern vor allem deshalb, weil sie versucht haben, auf dem Schulhof der Pestalozzi-Schule eine Freundin zu erstechen.

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