Raubüberfälle auf Imbiss-Buden: „Einmal live dabei sein"

mlzLandgericht

Im Herbst 2017 wurden in Dorsten zwei Imbiss-Buden überfallen. Die Haupttäter sind bereits verurteilt worden. Doch damals saß noch eine andere Frau mit im Auto. Sie steht jetzt vor Gericht.

Dorsten/Essen

, 20.02.2019, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Schal bis unter die Augen gezogen, in der Hand eine Schusswaffe: So hat ein 21-jähriger Dorstener im Herbst 2017 kurz hintereinander zwei Imbiss-Buden an der Borkener Straße überfallen. Die Beute: rund 1500 Euro.

Die Taten waren aufgeklärt worden, nachdem der Dorstener wegen einer ganz anderen Tat festgenommen worden war. Der heute 21-Jährige hatte auf dem Schulhof der Pestalozzi-Schule versucht, eine Freundin zu erstechen.

Haupttäter für Raub und Mordversuch verurteilt

Für diese Tat und für die Raubzüge war er am Landgericht Essen im April 2018 zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Gegen seine ebenfalls angeklagte Freundin, die laut Urteil im Hintergrund die Fäden gezogen hat, wurden sogar noch vier Monate mehr verhängt.

Der Fall schien damit eigentlich abgeschlossen. Wenn da nicht noch die Stiefschwester der verurteilten 27-Jährigen wäre, die bei den Überfällen mit im Auto gesessen hat. Aber war sie wirklich eine Mittäterin?

Es gibt Zeugenaussagen, aus denen hervorgeht, dass sie ganz heiß gewesen sei, einmal bei einem Raubüberfall dabei zu sein. „Sie wollte das live miterleben", erinnerte sich ein Polizist am Mittwoch im Prozess. „Sie wollte dazugehören, den Kick miterleben." So hätten es Zeugen geschildert.

„Habe 20 Euro Schweigegeld gekriegt"

Die 22-Jährige selbst sieht das allerdings anders. Sie will zunächst völlig ahnungslos gewesen sein. „Es hieß, wir fahren zu einem Imbiss, um etwas zu essen“, sagte sie den Richtern. Als sich der Freund ihrer Stiefschwester dann jedoch maskiert habe und ausgestiegen sei, habe sie natürlich gewusst, dass etwas passieren werde. „Ich habe danach ja auch 20 Euro gekriegt - als Schweigegeld. Damit ich die Klappe halte."

Auch bei einem weiteren Überfall hat die 22-Jährige mit im Auto gesessen. Sie hatte damals bei ihrer Stiefschwester gewohnt, weil sie nirgendwo Halt gefunden hatte. „Sie ist von ihrer Stiefschwester wie eine Marionette geführt worden", sagte eine Polizistin über die Angeklagte. „Da muss es irgendeine Abhängigkeit gegeben haben."

Heute haben sich die beiden jungen Frauen offenbar nichts mehr zu sagen. Die 22-Jährige hat ihre ältere Stiefschwester nicht einmal im Gefängnis besucht. „Sie will nichts mehr von mir wissen", sagte sie den Richtern mit leiser Stimme. „Das tut mir weh."

Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie jetzt
Messerattacke auf dem Hof der Pestalozzi-Schule
Versuchter Mord: Ex-Freundin des Täters will Revision einlegen

Der beinahe tödliche Angriff auf dem Schulhof der Pestalozzi-Schule wird demnächst auch den Bundesgerichtshof beschäftigen. Von Jörn Hartwich

Lesen Sie jetzt