Claudia Engel kommentiert den Verkauf der Wohnungen in Barkenberg und Tönsholt an die Belvona. © Martin Klose
Meinung

„Raussanierung“ der Bestandsmieter? Hoffentlich nicht!

Die Altro Mondo hat ihren Wohnungsbestand in Dorsten an die Belvona verkauft. Bei aller Freude über den Eigentümerwechsel ist Vorsicht angebracht - ein Kommentar.

Das ist mal eine Überraschung: Fünf Jahre nach der Übernahme von Wohnungen durch die Altro Mondo in Dorsten sind die Liegenschaften in Tönsholt und Barkenberg weitergewandert: in die Hände eines jungen Wohnungsunternehmens mit Sitz in Düsseldorf.

„Gar nichts mit Altro Mondo zu tun“

Belvona-Geschäftsführer Frank Krienen hat uns gesagt, dass „er sich aufs Schärfste von der Altro Mondo distanziert“, dass Belvona „gar nichts mit Altro Mondo zu tun“ habe und er „in keiner Weise befürwortet, was sich die Altro Mondo geleistet hat“. Welch eine Erleichterung. Auch die von Krienen angekündigte Mieternähe, die Beseitigung von Reparaturstaus, die ständige Präsenz in den Wohnvierteln und die umgehende Erreichbarkeit direkter Ansprechpartner, sind sehr zu begrüßen.

Aber was heißt eigentlich „bezahlbarer Luxus“ in den Mietwohnungen in Tönsholt und Barkenberg? Die Bestandsmieter, viele ältere Leute mit jahrzehntelangen Wohnbiografien in den Mietshäusern und ebenso viele Menschen mit kleinem Budget, können sich „bezahlbaren Luxus“ nach den Vorstellungen der Belvona sicher nicht leisten. Knapp 9 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter oder mehr nach einer Modernisierung eines Leerstands ist auf der Hardt nicht ungewöhnlich. In Barkenberg und Tönsholt aber ganz sicher.

Frank Krienen hat versprochen, dass die Bestandsmieter nichts zu befürchten hätten. Wenn aber drei oder vier leer stehende Wohnungen in einem Wohnviertel nach ihrer Sanierung zu den von der Belvona angekündigten Preisen vermietet werden können, dann hat das unbestreitbar Auswirkungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete. In Barkenberg ist sie noch niedrig, liegt für modernisierten Wohnraum bei 4,30 Euro/Quadratmeter in mehrgeschossigen Mietshäusern. Wie lange können die Preise im „Wohnpark Himmelsberg“ oder Tönsholt gehalten werden?

Bauministerin Ina Scharrenbach hat gegenüber dem WDR in einem aktuellen Servicezeit-Interview zu den Verkäufen der Altro Mondo an die Belvona gesagt, dass die Entwicklung in den Wohnvierteln zusammen mit den Städten und Gemeinden „sehr genau beobachtet“ werde. Denn es sei nicht auszuschließen, dass „eine Raussanierung der Alt-Mieter passiert“. Das ist in München gang und gäbe. In Dorsten noch nicht. Hoffentlich bleibt das auch so.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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