Rehkitz-Rettung während Grünschnittzeit trifft auf Coronakrise

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Die Zeit des Grünschnitts ist da und damit auch die Gefahrenzeit für Rehkitze und andere Tiere. In diesem Jahr gestalten sich Rettungsaktionen wegen Corona schwierig - aber nicht unmöglich.

Dorsten

, 05.05.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Brut- und Setzzeit ist in vollem Gange. Die ersten Rehkitze des Jahres haben bereits das Licht der Welt erblickt. Gleichzeitig bereiten Landwirte den ersten Grünschnitt im Jahr vor und berücksichtigen das im NRW-Landesnaturschutzgesetz vorgeschriebene wildschonende Mähverfahren, heißt: von innen nach außen mähen.

„Trotzdem sind Kitze, andere Jungtiere und Gelege von Bodenbrütern wie Kiebitz, Wachtelkönig und Fasan, besonders gefährdet, weiß Hermann Wolff, Leiter des Hegerings Herrlichkeit Lembeck und Dorsten.

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Er sagt: „Die Pandemie erschwert in diesem Frühjahr den praktischen Tierschutz.“ Die Einhaltung des Mindestabstandes und die Regelung, dass man sich nur mit einem Menschen, der nicht im selben Haushalt lebt, treffen darf, erschwert die Suche nach den Tieren. Denn groß angelegte Suchaktionen auf Wiesen müssen daher ausfallen.

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„Was derzeit noch möglich ist und in der Regel von jedem der über 40 Revierpächter im Bereich des Hegerings Herrlichkeit Lembeck und Dorsten in Absprache mit den zuständigen Landwirten umgesetzt wird, ist das Absuchen der Wiese mit ausgebildeten Jagdhunden“, weiß der Hegeringsleiter.

Rehkitz-Suche mit weniger Menschen

Erlaubt ist ein Hund mit Hundeführer allein. Ebenfalls möglich ist es, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person aktiv zu werden - unter Beachtung des Mindestabstandes von 1,5 Metern. Verboten hingegen ist es, Flächen in einer Gruppe oder gar in einer Menschenkette, wie sonst üblich, abzusuchen.

Ein Reh steht in einer Weide. Liegend wäre es kaum zu sehen.

Ein Reh steht in einer Weide. Liegend wäre es kaum zu sehen. © Thomas Sprenger

Eine weitere erlaubte und in den vergangenen Jahren immer beliebter werdende Methode ist die Sucher per Drohne. „Dazu darf das Team aus Drohnenpilot und Wildbeobachter getrennt vom zweiköpfigen Tierrettungsteam arbeiten“, sagt Hermann Wolff. Die Mitglieder beider Gruppen müssen jeweils den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Die beiden Teams halten vor, während und nach dem Einsatz ausschließlich Kontakt über Telefon oder Funk.

Per Drohne auf „Rehkitz-Jagd“

Thomas Sprenger von S&G Drohnenaufnahmen in Dorsten weiß genau, wie schwierig diese Zeit gerade ist, und hat sich mit seinem Geschäftspartner etwas einfallen lassen. Er und Matthias Gerling haben sich eigentlich auf Thermografie Aufnahmen von PV-Anlagen, Inspektionsflüge und Foto Videoaufnahmen spezialisiert.

Da beide Jäger sind, liegt ihnen aber auch der Naturschutz besonders am Herzen, weshalb sie sich überlegt haben, die örtlichen Jäger bei der Wildtierrettung zu unterstützen.

Ein Hase läuft in einer Fahrspur.

Ein Hase läuft in einer Fahrspur. © Thomas Sprenger

„Wir sind in der Lage Wildtiere wie Hasen, Rehe und Gelege mit unserer Wärmebildkamera aufzuspüren und diese so in Zusammenarbeit mit den Jägern vor dem (...) Mähtod retten zu können. Wir fliegen je nach Bewuchs in einer Höhe von 50-80 Metern. Sobald wir eine Wärmesignatur ausgemacht haben, können wir mit einer zweiten Zoomkamera aus der angegeben Höhe identifizieren, worum es sich handelt, ohne das Wild unnötig zu beunruhigen“, sagt Thomas Sprenger.

Aufgerüstete Basisstation

Die Basisstation mit großem Monitor zur Beobachtung, Batteriemanagementsystem und Funkgeräten wurde kurzfristig um eine Hygienestation mit Frischwasser, Seife, Handtuchpapier, Handdesinfektion und Flächendesinfektion erweitert, um auch in der aktuellen Corona-Situation die Auftraggeber und sich selbst zu schützen.

Der voll aufgerüstete Anhänger mit Bildschirm.

Der voll aufgerüstete Anhänger mit Bildschirm. © Thomas Sprenger

„Beauftragt werden wir sowohl von Jägern als auch von Landwirten. Oberste Priorität hat dabei der Artenschutz“, versichert Thomas Sprenger. „Wir haben mit Landwirten gesprochen und haben einen Anhänger entwickelt. Darauf steht ein Fernseher und zu sehen sind die Drohnenbilder und Bilder der Wärmebildkamera“, erklärt Thomas Sprenger.

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