„Reizvoll restaurierte“ Fassade der Koloniehäuser in Hervest bröckelt an einigen Stellen

mlzZechenkolonie

„Als Gartenstadt mit reizvoll restaurierten Häusern“ wird die Zechenkolonie Hervest Touristen angepriesen. Doch die Fassade bröckelt. Nicht erst seit der Diskussion um unerlaubte Anbauten.

Hervest

, 26.02.2019, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ellen und Bernhard Reusch bewohnen ein ehemaliges Zechenhäuschen an der Burgsdorffstraße. So wie 40 andere Mieter auch haben sie von der Eigentümerin Vivawest die Aufforderung bekommen, einen Anbau und eine Überdachung an der Hinterfront ihres Hauses wieder abzureißen. Denkmalschutz - damit begründet die Vivawest ihre unnachgiebige Haltung. Das trifft die Eheleute Reusch hart.

Zur öffentlich geführten Diskussion um die Handhabung der Gestaltungssatzung und des Denkmalschutzes in der Kolonie in Hervest gibt es viele Meinungen. Anja Großblotekamp aus Hervest sagt, dass die Vivawest, ebenso wie ihre Mieter, ebenfalls Auflagen zu erfüllen habe: „Bei vielen Zechenhäusern fällt der Putz beziehungsweise die Farbe von den Wänden. In einigen Bereichen sehen die Fassaden der Häuser ziemlich marode aus“, so Anja Großblotekamp.

Zechenkolonie ist ein Kleinod der Industriekultur

Die Zechenkolonie gehört seit 2004 zur „Route der Industriekultur“ und wird vom Verkehrsverein Dorsten online folgendermaßen hervorgehoben: „Die historische Zechensiedlung in Dorsten-Hervest mit dem zentralen Brunnenplatz ist eine der schönsten Gartenstadt-Kolonien des Ruhrgebiets und ein Standort auf dieser Route.“ Und auch der Regionalverband Ruhr hält sich nicht zurück und preist die Kolonie als „Siedlung, die städtebaulich-gestalterisch ein hohes Potenzial als Highlight für die ganze Stadt Dorsten hat“.

Anja Großeblotekamp hat schon Besucher als Rad- oder Wohnmobiltouristen erlebt, die „mit ganz anderen Erwartungen nach Hervest gekommen sind“: „Sie finden eine heruntergekommene Siedlung vor und fragen sich, warum sie bei Führungen durch den Stadtteil für so was bezahlen sollen.“ Wenn die Häuser wenigstens optisch aufgewertet würden, wäre den Touristen mehr gedient, meint die Hervesterin.

„Die Siedlung ist in einem guten Zustand“

Vivawest sagte auf unsere Anfrage: „Wir bewirtschaften die Hervest-Siedlung ganz regulär als Bestand. Sie ist seit ihrer Erstellung im Eigentum von Vivawest bzw. der Vorgängergesellschaft Hoesch. Der Siedlungsbereich ist fast ausschließlich öffentlich gefördert. Aus städtebaulicher und denkmalpflegerischer Sicht ist die Siedlung in einem guten Zustand“, sagt Marie Mense, die Unternehmenssprecherin von Vivawest.

Sie sagt aber auch, dass die Siedlung „weiter zukunftsfähig erhalten werden muss“: „Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren die Heizungsanlagen überwiegend von Koks auf moderne Gas-Brennwerttechnik umgestellt. Eine große Anzahl von Wohnungen ist bei Mieterwechseln modernisiert worden.“

Bernhard und Ellen Reusch wohnen in einer öffentlich geförderten Wohneinheit. Sie wohnen bescheiden und haben sich mit ihrem Anbau und ihrer Überdachung mehr Raum für die ganze Familie verschafft. „Jetzt müssen wir alles bis Ende März abreißen. Da führt kein Weg vorbei“, sagt Ellen Reusch betrübt.

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