"Rhade ist mein Heim"

Rhade Musiklehrer Wensing war ein harter Hund. Wer im Unterricht quatschte, der bekam?s mit dem Rohrstock auf den Rücken - natürlich immer im Takt der Musik.

21.09.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ernst Bruckert kann sich an einige solcher Anekdoten erinnern. Obwohl er nur vier Jahre die damalige Volksschule in Rhade besuchte. Auch viele Mitschüler kennt er noch, zumindest namentlich. Gestern traf er fast 30 von ihnen wieder, beim Klassentreffen in der Gaststätte Pierick, 60 Jahre nach der Einschulung. Ernst Bruckert reiste extra aus den USA an.

67 Jungen und Mädchen aus drei Jahrgängen drückten damals, zwei Jahre nach dem Kriegsende, gemeinsam die Schulbank. Der Vater von Ernst Bruckert hatte den Krieg überlebt und arbeitete zu dieser Zeit auf dem Hof Schulte-Huxel. "Wir erfuhren es in Schlesien vom Roten Kreuz", erinnert sich Ernst Bruckert an die freudige Nachricht. Doch erst vier Jahre später und nach einer wahren Odyssee kamen der damals Zehnjährige, seine Mutter und seine Schwester Irmgard nach Rhade. "Eine schöne Zeit war das dann", denkt Ernst Bruckert gerne zurück. Die Kinder klaubten Kartoffeln von den Feldern, gingen zum Mühlenteich schwimmen. Und lernten in der Volksschule fürs Leben. Doch nach gut vier Jahren wanderte Familie Bruckert in die USA aus.

Abschied

"Verwandte von uns lebten schon dort, mein Vater hatte einen guten Job in einer Munitionsfabrik gefunden", erklärt Ernst Bruckert den Abschied. Er ging zur Hochschule, machte eine Lehre zum Maurer, gründete später eine eigene Firma. Heute lebt der 68-Jährige mit Ehefrau Sandy und einer Tochter in Prairie du Sac (Wisconsin). "Aber Rhade ist mein Heim", schränkt er ein. Kontakt zu einigen Freunden wie Ernst Sichmann, Alfons Windbrake und Johannes Albersmann hat er schließlich per Brief oder Telefon gehalten.

Viel verändert hat sich in den letzten fast 55 Jahren, aber seinen Charme hat Rhade offenbar nicht verloren. "Ich könnte sofort wieder hier wohnen", meint Ernst Bruckert, "aber meine Frau muss Menschen um sich haben." Zum Klassentreffen ist sie aber mitgekommen, wird sich mit ihrem Mann heute die Wassermühle, das Soggeberghaus und das Heimspiel des FC Schalke anschauen. Nach einer Woche Sightseeing in Deutschland geht?s dann zurück nach Übersee. Bis zum nächsten Klassentreffen vielleicht, in zweieinhalb Jahren. Stefan Diebäcker

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