Die Rhader vermissen eine echte Mitte in ihrem 5.500-Seelen-Dorf: Vorschläge, wie sie aussehen könnte, haben sie bei der Bürgerwerkstatt gemacht. © Guido Bludau
Dorfentwicklung Rhade

Rhader steckten die Köpfe zusammen – das kam dabei herum

Rhader wissen, was gut für die Entwicklung ihres Dorfes ist: Von 400 Vorschlägen für ein Rhade der Zukunft waren 399 brauchbar. Die Dorfentwicklung brennt den Rhadern unter den Nägeln.

Endlich: Die Rhader konnten am Donnerstagabend nach langen Entbehrungen wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen. Anlass war die Bürgerwerkstatt zur Dorfentwicklung Rhades. Sie konnte wegen der wiederholten Corona-Lockdowns erst jetzt stattfinden.

Am Ende hatte die lange Wartezeit aber auch etwas Gutes: „Dieser Präsenztermin war für uns total wichtig, wir haben uns nicht nur am Bildschirm gesehen, sondern konnten die Köpfe zusammenstecken“, sagte Heribert Triptrap, Arbeitskreis Dorfentwicklung. Bernd Lehmann, Abteilungsleiter im Planungsamt der Stadt Dorsten, stimmte zu: „Das war eine sehr konstruktive Runde.“

Großer Ideenreichtum der Menschen im Dorf

400 Vorschläge haben die Rhader für ihre Dorfentwicklung in der Coronazeit bei einer Online-Befragung eingereicht. Das Büro Frauns Münster zeigte sich begeistert von dem Ideenreichtum der Menschen im Dorf. „Davon sind 399 verwertbar“, sagte Elke Frauns. Ihr Büro begleitet fachlich den Dorfentwicklungsprozess in Rhade.

Die Dorfentwicklung Rhade stand im Mittelpunkt der Bürgerwerkstatt Rhade: Fünf Arbeitsgruppen arbeiteten Vorschläge heraus, die in den kommenden Jahren in Rhade umgesetzt werden sollen.
Die Dorfentwicklung Rhade stand im Mittelpunkt der Bürgerwerkstatt Rhade: Fünf Arbeitsgruppen arbeiteten Vorschläge heraus, die in den kommenden Jahren in Rhade umgesetzt werden sollen. © Claudia Engel © Claudia Engel

Am Donnerstabend sollten in der Bürgerwerkstatt in der Rhader Turnhalle aus den Vorschlägen für fünf Themengebiete – Gelebte Mitte Rhade, Begegnungsorte, Mobilität und Verkehr, Wohnen, Wirtschaftsförderung und Tourismus – die wichtigsten Anregungen herausgefiltert werden. Dazu zählen Projekte, die kurzfristig umsetzbar sind, aber auch 23 Maßnahmen für Wohnen, Verkehr, Tourismus, Stärkung des Dorfkerns und Infrastruktur, die Rhades künftiges Gesicht ausmachen könnten.

Gruppenteilnehmer waren besonders fokussiert

Mit etwa 50 Teilnehmern war das Feld der Mitdenker und -streiter zwar etwas „unterbesetzt“ – 100 wären unter den Corona-Schutzauflagen denkbar gewesen, mutmaßlich kamen aber wegen der Voranmeldungen und der Schutzauflagen weniger Menschen als erwartet. Dafür waren die Gruppenteilnehmer, wie im Nachhinein bestätigt wurde, besonders fokussiert und präsentierten die Ergebnisse, mit denen das Büro Frauns nun arbeiten kann.

Elke Frauns moderierte den Werkstattabend. © Till Budde © Till Budde

Auch wenn 50 Rhader nicht für die Gesamtheit der 5.500 Rhader sprechen können, so sind Tendenzen doch deutlich erkennbar. Bernd Lehmann vom Planungsamt fasste auf Anfrage zusammen, worauf sich die Werkstattbesucher verständigen konnten: „Die Aufwertung des Kirchplatzes im Dorfkern von Rhade, vielleicht auch mit einem Wasserspiel, die Ansiedlung von Gastronomie und einer Apotheke sowie ein Ärztehaus mit einer weiteren Praxis.“ Für dringend halten die Rhader die Beseitigung des Parkplatzproblems im Ortskern.

Gewünscht werden Generationentreffpunkte in Gebäuden oder im Grünen, wie zum Beispiel im Forks Busch. Die Rhader Mühle habe geeignete Räumlichkeiten für Treffs und könne weiter aufgewertet werden durch Sitzbänke im Freien und ein Kneippbecken. „Gesagt wurde zudem, dass die Aufenthaltsqualität am Rhader Mühlenteich nicht genossen werden könne, weil ein Rundweg und Zuwegung fehlen“, so Lehmann. Diese Wegeführung werde auch am Kalten Bach in Rhade vermisst, ebenso ein Open-Air-Platz für kulturelle Veranstaltungen.

Verkehr und Mobilität sowie Wohnen zählen auch

Viele Hinweise haben die Rhader außerdem zu Verkehr und Mobilität im Dorf gegeben. Sie möchten Kreisverkehre haben, vor Aldi und Edeka Honsel etwa, aber auch an anderen Stellen, um den Durchgangsverkehr zu entschleunigen und das Dorf optisch aufzuwerten. Auch solle der Straßenraum Lembecker Straße/Erler Straße senioren- und kindergerecht ausgestaltet werden. Eine Aufwertung des Bahnhofsbereichs mit weiteren Abstellmöglichkeiten für Räder steht mit auf der Wunschliste.

Und ganz wichtig: „Wohnangebote für Rhader zu schaffen, die nach dem Studium oder der Ausbildung und mit Beginn ihres Berufslebens ins Dorf zurückkehren möchten.“ Der Bedarf für Häuser und Mietwohnungen sei in Rhade hoch, heißt es. Es gebe Baulücken, doch die seien nicht frei verfügbar.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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