Norbert Röttgen, Ministerpräsident Armin Laschet oder Friedrich Merz (v.l.) - neun Delegierte aus dem Kreis Recklinghausen bestimmen am Samstag mit, wer neuer CDU-Vorsitzender wird. © picture alliance/dpa/dpa-pool
CDU-Wahl

Röttgen, Laschet, Merz: So wollen die Kreis-Delegierten abstimmen

Neun CDU-Mitglieder aus dem Kreis Recklinghausen werden am Samstag (16. Januar) die Möglichkeit haben, den neuen Parteivorsitzenden zu wählen. Vier Stimmen hat Armin Laschet offenbar sicher.

Beim virtuellen Bundesparteitag der CDU stehen am Samstag der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz und der Außenpolitiker und frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Einer von ihnen wird die derzeitige Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ablösen.

Auf Anfrage dieser Zeitung haben vier der neun Kreis-Delegierten mitgeteilt, dass sie ihre Entscheidung bereits getroffen haben. Die vier Stimmen gehen allesamt an Laschet. Die anderen Delegierten haben sich entweder noch nicht festgelegt oder wollen ihre Entscheidung möglicherweise nicht öffentlich machen.

Dass Josef Hovenjürgen (58) aus Haltern dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten seine Stimme geben will, ist keine Überraschung. Hovenjürgen ist Generalsekretär der NRW-CDU und damit ein enger Vertrauter des Landesvorsitzenden Laschet. „Ich kenne Armin Laschet seit vielen Jahren. Er ist ein Mensch, der nie leichtfertig Urteile fällt oder Entscheidungen trifft“, betont der Halterner. Vor allem habe Laschet die Fähigkeit, Dinge zusammenzuführen, von denen andere der Meinung seien, dass sie nicht zusammenzubringen seien. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass Armin Laschet die Wahl gewinnt“, sagt Hovenjürgen.

CDU-Generalsekretär Josef Hovenjürgen wird seine Stimme Armin Laschet geben. © Frank Schuermann © Frank Schuermann

Auch Landrat Bodo Klimpel (57) will Laschet seine Stimme geben. „Bei der letzten Wahl auf dem Parteitag in Hamburg habe ich Frau Kramp-Karrenbauer gewählt, weil ich der Meinung war, dass Friedrich Merz ein Kandidat war und auch ist, der nur Teile der Partei repräsentiert. An dieser Meinung hat sich nichts geändert. Gerade in der momentanen Situation brauchen wir jemanden, der zusammenführt“, betont der CDU-Politiker aus Haltern. Die CDU, so Klimpel, sei eine Volkspartei und eben keine Klientelpartei.

Der Oer-Erkenschwicker Stadtverbandsvorsitzende Lars Ehm (44) hatte bei der letzten Vorstandswahl 2019 hingegen Merz unterstützt, wird nach eigenen Angaben nun aber Laschet wählen. Er sei überzeugt, dass der Ministerpräsident derjenige ist, der angesichts einer geänderten Gesamtlage die Partei zusammenhalten kann. Laschet integriere zur Mitte hin und besitze die Erfahrung, „die notwendigen Modernisierungsprozesse in der CDU zu moderieren, gerade im Tandem mit Jens Spahn“.

Ludger Föcker (70), CDU-Stadtverbandsvorsitzender in Dorsten, ist in seinem Entscheidungsfindungsprozess „bei Herrn Laschet angekommen“. Das könne sich zwar noch ändern, „aber im Moment sehe ich das nicht“, so der 70-Jährige. Auch weil einer der drei Kandidaten „vor allem an das denkt, was am Ende im Portemonnaie ist“. Föcker geht es aber ums große Ganze, nicht nur um die Wirtschaftspolitik. Deshalb favorisiert er Laschet: „Der beschäftigt sich mit allem, was politisch wichtig ist, ist in allen Sparten unterwegs. Das muss er ja auch als Ministerpräsident von NRW.“

Der CDU-Kreisvorsitzende Michael Breilmann (37) aus Castrop-Rauxel will seine Entscheidung erst nach den Vorstellungsreden der Kandidaten auf dem digitalen Parteitag treffen. Er beschreibt aber schon mal das für ihn gültige Anforderungsprofil: „Für mich ist wichtig, dass der neue Bundesvorsitzende alle Strömungen der Partei in die Arbeit einbinden kann und Teamplayer ist. Er sollte meiner Ansicht nach die Modernisierung der CDU als Volkspartei der Mitte aktiv vorantreiben.“

Der Waltroper CDU-Vorsitzende Ludger Finke (64) will sich vor einer Entscheidung noch mit seinem Stadtverbandsvorstand abstimmen. Aber auch er hat klare Vorstellung über die Qualitäten, die der neue Vorsitzende mitbringen sollte. „Ich erwarte eine deutliche Fokussierung auf eine wertkonservative Volkspartei.“ Die Zukunft des Landes, Arbeit und Klima seien die vorrangigen Aufgaben, die der Nachfolger von Kramp-Karrenbauer angehen müsse. Finke geht davon aus, dass der neue CDU-Vorsitzende auch Kanzlerkandidat sein wird: „Schließlich wird kein schlechter Kandidat zum Vorsitzenden gewählt.“

Hendrik Griesbach (30), Vorsitzender des CDU-Stadtverbands in Haltern, will sich in dieser Woche noch mal mit seinen Parteikollegen beraten. Aber eigentlich sei er mit seinen Überlegungen schon sehr weit. „Ich habe mir nur selbst auferlegt, vor dem Bundesparteitag nicht über meine Entscheidung zu sprechen.“ Griesbach ist 30 Jahre alt und hat sich am „JUPitch“ beteiligt – einer Online-Talkrunde mit den Kandidaten und anschließenden Mitgliederbefragung der Jungen Union. Hier hatte sich die Mehrheit für Merz entschieden. Griesbach fand die Aktion gut, leitet daraus für seine eigene Wahl aber nichts ab: „Schließlich werde ich ja nicht als Delegierter der JU abstimmen.“

Fenja Jedl (30) ist die einzige Frau unter den Delegierten aus dem Kreis. „Die Partei braucht starken Nachwuchs und eine bessere Positionierung von Frauen“, sagt die 30 Jahre alte Fraktionsgeschäftsführerin der Marler CDU. Und was bedeutet das für ihre Wahlentscheidung? Offenbar nicht viel. Alle drei Kandidaten hätten zuletzt betont, „dass sie mehr junge Frauen in die Partei einbinden wollen“, so Jedl. Sie hat ihre Tendenzen und Präferenzen, will aber auch unbedingt die Meinung der Parteikollegen berücksichtigen: „Ich finde es wichtig, dass der neue Vorsitzende an der Basis akzeptiert ist. Deshalb möchte ich die Stimmung in Marl aufnehmen.“

Der neunte Delegierte aus dem CDU-Kreisverband, der Recklinghäuser Fraktionsvorsitzende Benno Portmann (51), hat auf unsere Anfrage keine Stellungnahme zur Wahl abgegeben.

Laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend liegt bei den CDU-Anhängern weiterhin der frühere Fraktionschef Friedrich Merz mit 29 Prozent in Führung. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat im Vergleich zum November allerdings zehn Prozentpunkte aufgeholt. Er kommt jetzt auf 25 Prozent, liegt gleich auf mit dem ehemaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

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Geboren 1960 in Haltern am See, aufgewachsen in Marl und jetzt wohnhaft in Dorsten: Ein Mensch, der tief verwurzelt ist im Kreis Recklinghausen und dort auch seit mehreren Jahrzehnten seine journalistische Heimat gefunden hat. Schwerpunkte sind die Kommunal- und Regionalpolitik sowie Wirtschafts- und Verbraucherthemen.
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