Sahara-Hitze: Was Firmen ihren Mitarbeitern gönnen und zu was sie verpflichtet sind

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Arbeiten ist bei hochsommerlichen Temperaturen kein Vergnügen. Doch manche Firmen in Dorsten machen ihren Mitarbeiten das Leben so angenehm wie möglich. Aber sie haben auch Pflichten.

Dorsten

, 26.06.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die mehr als 100 Mitarbeiter des Mineralwasser-Produzenten Stiftsquelle haben genug zu trinken bei Temperaturen weit über 30 Grad. Doch die Geschäftsführer Michael und Sebastian Brodmann gönnen ihren Kolleginnen und Kollegen in diesen Tagen Speiseeis ohne Ende.

Davon können die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei in Dorsten nur träumen. Sie müssen auch bei großer Hitze raus auf die Straße. „Wir geben kostenlos Sonnenschutzcreme UV 50 Plus kostenlos aus“, sagt Markus Miglietti, Sprecher von Straßen.NRW. „Desweiteren wird Mineralwasser zur Verfügung gestellt. Auch schwere körperliche Arbeiten in der Sonne wurden verschoben.“

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Das gilt auch ein wenig für die Bauarbeiten in der Dorstener Fußgängerzone. Seit Dienstag starten die Arbeiter schon um 6 Uhr am Franziskanerkloster und an der unteren Lippestraße, um dann früher Feierabend zu haben „Bis 7 Uhr wird dabei auf übermäßigen Lärm durch Rüttelplatten oder ähnliches Gerät verzichtet“, teilte das Stadtteilbüro mit.

Die Stadtverwaltung hat bereits am Montag auf die Hitzewelle reagiert. Die Müllabfuhr startet bereits um 6 Uhr, der „lange Donnerstag“ im Bürgerbüro beginnt um 6.30 Uhr (und endet deshalb auch schon um 16 Uhr). „Das haben wir ganz bewusst für die Bürger gemacht, die eventuelle Anliegen vor der Tageshitze erledigen möchten“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. „Da es vor der Urlaubszeit immer zu längeren Wartezeiten im Bürgerbüro kommt, bieten wir dort in diesen Tagen kostenlos Mineralwasser an.“

Bei der Vereinten Volksbank in Dorsten herrschen laut Unternehmenssprecher Ralf Bröker vergleichsweise angenehme Temperaturen. Trotzdem wurde die Kleiderordnung gelockert, ohne dass es dafür einer Anweisung bedurfte: „Ich habe heute noch keinen Kollegen mit Sakko gesehen“, sagt Bröker. „Es gibt auch Kollegen, die selbstverantwortlich die Krawatte abgelegt haben. Und natürlich gibt es Mineralwasser für alle.“

Bezirksregierung erinnert an die Pflichten der Arbeitgeber

Die Bezirksregierung Münster hat am Dienstag daran erinnert, dass das Arbeitsrecht Vorgaben macht, wie mit übergroßer Hitze umzugehen ist. „Hitzefrei-Regelungen sieht das Arbeitsrecht nicht vor. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, geeignete Maßnahmen und Vorrichtungen zum Schutz vor Hitze, Sonnenschutz oder auch vor UV-Strahlung zu ergreifen und vorzuhalten“, betont Sprecher Andreas Winnemöller.

Ab 35 Grad Raumtemperatur wird‘s kritisch, doch schon ab 26 Grad müssen in Räumen, an die keine besonderen betriebstechnischen Anforderungen gestellt werden, „wirksame Maßnahmen gegen Hitzebelastungen ergriffen“ werden.

Jalousien schließen, ausreichend lüften in den Morgenstunden, technische Geräte ausschalten, die nicht zwingend benötigt werden, Arbeitszeiten verlagern - all das listet die Bezirksregierung Münster auf. Und ja: Trinkwasser bereitstellen und Bekleidungsregeln lockern. Winnemöller: „In Extremfällen können auch technische Maßnahmen wie Luftduschen, Wasserschleier und organisatorische Maßnahmen wie zum Beispiel Entwärmungsphasen oder auch persönliche Schutzausrüstungen wie Hitzeschutzkleidung Abhilfe schaffen.“

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