Sanitäter macht im Bad heimlich Nacktbilder von minderjährigem Mädchen

mlzGerichtsprozess

Ein Rettungssanitäter soll in Dorsten die Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin sexuell berührt und heimlich Nacktbilder von ihr gemacht haben. Jetzt stand er deswegen vor Gericht.

Dorsten

, 11.06.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Angeklagten wogen schwer: Der Rettungssanitäter, Vater eines zwölfjährigen Sohnes, soll vor drei, vier Jahren die minderjährige Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin aus Dorsten an den Brustwarzen gestreichelt und auch anderweitig sexuell berührt haben.

Außerdem habe er heimlich Kamera-Aufnahmen von dem Mädchen gemacht, als sich die heute 16-Jährige damals im Badezimmer nackt ausgezogen habe. Und dann war noch das kinderpornografische Video, das die Ermittler auf dem PC des Mannes vorfanden.

Video „aus Versehen“ übertragen

Am Mittwoch musste sich der Bottroper für diese Anschuldigungen vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten. Die beiden letzteren Taten räumte er bereitwillig ein. Das Video sei ihm ohne sein Wissen in einem WhatsApp-Chat von einem Gruppenmitglied gesendet worden.

Weil der Speicher seines Smartphones voll gewesen sei, habe er auch diesen Chatverlauf aus Versehen auf den PC übertragen, sagte er aus.

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Die Nacktbilder des Mädchens seien ein „großer Fehler gewesen, für den ich mich schon persönlich entschuldigt habe“, sagte er. Die sexuellen Übergriff auf die damals 12-, 13-Jährige bestritt der Mann allerdings.

Nur ein Fern-Gutachten

Sein Anwalt merkte an, dass das Mädchen gegenüber der Polizei zunächst keine solchen Angaben gemacht habe, sondern erst bei einer späteren Vernehmung plötzlich diese Vorwürfe äußerte. Der Verteidiger wollte dem Gericht zudem eine Privat-Expertise eines renommierten Gutachters vorlegen, das die Glaubwürdigkeit des Mädchens anzweifeln würde.

Da der Experte aber nicht selbst mit dem Mädchen geredet, sondern nur ihre schriftlichen Aussagen in den Akten untersucht hatte, wies das Gericht das Angebot des Verteidigers zurück - woraufhin der Anwalt ankündigte, offiziell ein Gutachten beantragen zu wollen.

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Da dies das Verfahren bis zu einem Jahr verzögert hätte sowie Staatsanwalt, Gericht und die Nebenklägerin dem offensichtlich schwer unter dem Verfahren leidenden Mädchen eine Zeugenaussage im Gerichtssaal ersparen wollten, kam es schließlich zu einem Deal.

Elf Monate auf Bewährung

„Ich hasse es zwar sonst, so etwas auszukungeln“, erklärte Richterin Lisa Hinkers.

Aber da allen Prozessbeteiligten der Ausgang des verlängerten Verfahrens zu unsicher erschienen. verständigten sich die Parteien auf Anregung des Staatsanwalts darauf: Die Vorwürfe gegen den Mann wegen des sexuellen Missbrauchs wurden eingestellt, dafür akzeptierte er jedoch für die beiden gestandenen Taten elf Monate auf Bewährung inklusive einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro.

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