Sportkoordinator Michael Maiß (v.r.) moderierte das Gespräch mit Norbert Elgert, Joshua Bitter und Tobias Stockhoff. © Petra Berkenbusch
Norbert Elgert im Talk

Schalkes Chefausbilder will Tugenden nicht nur „auffem Platz“ sehen (mit Video)

Was Fußball mit Demokratie zu tun hat, erfuhren die Zuhörer in der Petrinum-Aula am Dienstagabend aus berufenem Mund: Schalkes Chefausbilder Norbert Elgert gab Einblick in seinen Wertekanon.

Am liebsten agiert er unterhalb des Radars. Weil er da seit mehreren Jahrzehnten äußerst erfolgreich ist, haben schon viele Vereinsbosse versucht, Norbert Elgert stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu holen. Da will er aber gar nicht hin, obwohl er eine Menge zu sagen hat, wie er am Dienstagabend in der Aula des Petrinums unter Beweis stellte.

„Werte – Regeln – Teamgeist. Was Fußball mit Demokratie zu tun hat“ lautete das Thema, mit dem der Chefausbilder des FC Schalke 04 die Dorstener Woche des Grundgesetzes bereicherte. Schon seit 25 Jahren macht der 64-Jährige diesen Job und hat in dieser Zeit Spielern wie Manuel Neuer, Julian Draxler, Benedikt Höwedes, Leroy Sané, Mesut Özil und Ralf Fährmann nicht nur spielerisch etwas beigebracht, sondern auch versucht, ihnen Werte zu vermitteln, die auch jenseits des Spielfelds von herausragender Bedeutung sind.

Freude über das überraschende Wiedersehen mit Joshua Bitter

Einer seiner Schützlinge, der Dorstener Joshua Bitter, war am Dienstagabend als Überraschungsgast dabei und nahm zeitweise mit auf dem Podium Platz, wo Moderator Michael Maiß die Bälle abwechselnd Bürgermeister Tobias Stockhoff und Trainer Norbert Elgert zuspielte.

Unter anderem zum Thema Respekt. Am Beispiel des jungen Leroy Sané erklärte Elgert seinen „situativen Führungsstil“, der bei einem guten Coach stets eine gesunde Mischung aus Autokratie, Demokratie und Laissez-faire sei. Als der junge Sané einmal die Abfahrt ins Vorbereitungslager verschlief, ließ Elgert ihn die Anreise selbst organisieren und setzte ihn beim ersten Spiel des Turniers auf die Bank. Denn: „Pünktlichkeit hat auch was mit dem Respekt vor der Zeit der anderen zu tun.“ Das hat Leroy Sané damals wohl ohne großen Trommelwirbel des Trainers gelernt. Elgert: „Leroy war bei mir danach nie wieder unpünktlich.“

„Niemand darf sich über andere erheben“

Stockhoff und Elgert waren sich darüber einig, dass Soziale Medien zum Verlust von Respekt geführt haben, den der Trainer von seinen Spielern auch gegenüber dem Kabinenpersonal oder Hotel-Mitarbeitern verlangt. „Jeder gute Fußballspieler darf stolz sein, aber er darf sich nicht über andere erheben.“ Von daher habe er nichts dagegen, wenn „seine Jungs“ lernen, positive Influencer zu sein.

Wlan erlaubt er ihnen übrigens im Hotel nur dann, wenn sie versprechen, sich nicht nur bei Facebook zu tummeln, sondern auch „face-to-face“ mit dem Zimmernachbarn zu sprechen.

Talk mit Norbert Elgert
Bei einer Verlosung wurden unter den Gästen der Veranstaltungen zehn Pakete mit dem Buch von Norbert Elgert und dem Grundgesetz verlost. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Weil höchstens fünf Prozent der jugendlichen Fußballer tatsächlich den Sprung in den Profi-Fußball schaffen, sei es umso wichtiger, Fußball als Schule des Lebens zu betrachten.

„Demut ist nicht fehlender Mut, sondern die vollständige Abwesenheit von Arroganz.“

Norbert Elgert

Weil ihm die anderen 95 Prozent genauso wichtig sind, nimmt Elgert seine Rolle als Lehrer fürs Leben so engagiert an. Davon handelt sein Buch „Gib alles, nur nie auf“.

Joshua Bitter ist auf der Suche nach einem neuen Verein

Das ist gerade sicher auch das Motto für Joshua Bitter (24), den gerade wieder nach Dorsten gezogenen jungen Familienvater, der zuletzt beim MSV Duisburg verteidigt hat und gerade auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist. Er zollte seinem ehemaligen Coach, mit dem er noch immer im regelmäßigen Austausch ist, höchstes Lob: „Es war ein Privileg, mit ihm zu arbeiten.“

„Da sind meine Frau Conny und ich schon ein bisschen in der Wohnung herumgehüpft vor Freude.“

2013 erhielt Norbert Elgert den Trainerpreis des Deutschen Fußballs

Elgert hat immer noch Spaß an den jungen Leuten, die er ein Stück ihres Weges begleiten darf. Seiner ausgeprägten Empathie, seiner Liebe zu den Menschen und seinem fußballerischen Fachwissen stehen seine 64 Lebensjahre nicht im Weg.

Auch da hat er eine feste Überzeugung: „Wenn Du Dich nicht weiterentwickelst als Trainer, hast Du keine Chance.“

Schalkes Nachwuchsarbeit ist ohne Elgert nicht vorstellbar, deshalb hat der Verein seinen Vertrag 2016 frühzeitig unbefristet verlängert. Der Mann mit der Frisur von Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (79) wird sich im Kreise der Schalker U19 seine Jugendlichkeit bewahren.

Sammlung brachte 300 Euro für Caritas-Projekte

Uwe Senftleben, der Botschafter des Stadtdialogs für Menschenwürde, Demokratie und Respekt, hatte den Kontakt zur Norbert Elgert hergestellt. Am Dienstagabend ließ er bei der kostenlosen Veranstaltung eine Spendendose herumgehen. Über jeweils 150 Euro freuen sich die Young Caritas und die Caritas-Demenz-Cafés „Vergissmeinnicht“ und „Regenbogen“.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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