Schiller auf das Wesentliche reduziert

Theater in der Gesamtschule

WULFEN Nein, es war nicht das Original. Und irgendwie war es auch nicht Schiller. Aber der Don Carlos, der den Oberstufen-Gesamtschülern gestern serviert wurde, gefiel den jungen Leuten dennoch gut.

von Von Michael Klein

, 27.11.2009, 17:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit Live-Cam und Spielzeugfiguren wurde Don Carlos in der jugendgerechten Aufführung der Burghofbühne multi-medial.

Mit Live-Cam und Spielzeugfiguren wurde Don Carlos in der jugendgerechten Aufführung der Burghofbühne multi-medial.

Das Drama über Liebe, Familie, Machtstrukturen und das Streben nach Freiheit, das der damals 23-jährige Friedrich Schiller im Jahre 1782 schrieb, ist in diesem Jahr Abitur-Thema in NRW. Grund genug für das Dorstener Kulturbüro, die abgespeckte Version des Landestheaters Burghofbühne in der Gesamtschule zu präsentieren, später sollen auch das St. Ursula-Gymnasium und das Petrinum folgen.

Stefan Ey, Regisseur und Leiter der Jugendsparte der Burghofbühne, hat das fünfaktige Epos in zweijähriger Vorarbeit geradezu skelettiert: Ein karges Bühnenbild, nur drei Schauspieler, die ratzfatz in wieder neue Rollen schlüpfen, der vierte Akt auf dreieinhalb Minuten reduziert, das ganze Trauerspiel auf 65 Minuten eingedampft.

Dass diese Inszenierung auf Schüler zielt und gar nicht erst den Anspruch auf Authentizität erhebt, wurde gleich beim Vorspann im Film-Einspieler deutlich: "Zentralabitur", blinkte es dem Publikum unübersehbar entgegen.

Erste Lacher, weitere Gags und abrupte Schnitte sollten folgen: Da die Königin zu wenig Gefühle zeigte, hieß es bald: "Alles auf Anfang!" Die Szene wurde kurzerhand mit Kitsch und emotionalem Schmackes wiederholt, Whitney Houston-Schmonzette inklusive. Per Live-Cam wurden die Irrungen und Wirrungen der Protagonisten mit Spielzeugfiguren in Szene gesetzt und überhaupt wurde mit Bildern und Schriftzügen auf der Leinwand nicht gegeizt. Nur die Pausentöne, die in der Gesamtschul-Aula erklangen, die waren nicht Teil der Inszenierung.

A Story of Love and Conspiration Die Schauspieler agierten und sprachen Schüler-Theater-mäßig, auch das schien so gewollt. Denn Don Carlos ist für die Burghofbühne nicht mehr ein Stück über Aufklärung und das Aufbäumen gegen politische Verhältnisse, sondern "A Story of Love and Conspiration". Als Vorbereitung auf das Abi-Thema ist die Burghofbühnen-Variante sicher nicht unbedingt notwendig, als unterhaltsame Flankierung eines schweren Unterrichtsstoffes aber nicht zu verachten.

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