Schimmel, Ratten, Brandschutzmängel - aber was bringt die Kontrolle bei Altro Mondo?

mlzAltro Mondo

Die Bilanz der Kontrollen der Altro-Mondo-Häuser, unter anderem in Dorsten, klingt vernichtend. Aber was bringt die Aktion wirklich? Viele Mieter haben schon resigniert.

Dorsten

, 27.09.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Brandschutzmängel, Schimmel und Rattenbefall, offene Kabel, Müll und kaputte Fenster - die Liste der Mängel, die in der vergangenen Woche bei der Kontrolle der Altro-Mondo-Wohnungen in zehn NRW-Städten inklusive Dorsten gefunden wurden, ist lang. 136 Gebäude hatten die Kommunen in einer gemeinsamen Aktion kontrolliert, davon 46 in Dorsten.

27 Mängel listet das Heimatministerium in einer Pressemitteilung auf. Zahlreiche ordnungsrechtliche Verfahren zur Beseitigung der Missstände seien eingeleitet worden. Ministerin Ina Scharrenbach sieht in der Aktion „ein eindeutiges Zeichen“ gegen Altro Mondo. „Missstände in den verwalteten Häusern wurden aufgedeckt und es wurde durchgegriffen.“

Welche Missstände genau in Dorsten gefunden wurden, will das Ministerium aber nicht verraten und verweist auf die Stadt Dorsten. Aber auch die schweigt zu den Ergebnissen. „Es wurden Mängel festgestellt [...] und wir werden die Beseitigung dieser Mängel nachhalten“, so Stadt-Sprecher Ludger Böhne.

„Das schlimmste sind die Wohnungen“

Kontrolliert wurde allerdings nicht in den Wohnungen. Aus Gründen der Privatsphäre hätten die Stadt-Mitarbeiter darauf verzichtet, Anwohner um Zutritt zu ihren Wohnungen zu bitten, erklärte die Pressestelle der Stadt.

Ein Vorgehen, das Altro-Mondo-Mieter Dieter Hemmer aus Wulfen-Barkenberg irritiert. „Die hätten hier reingekonnt, ich habe da kein Problem mit“, sagt der 74-Jährige. „Da wären viele bereit gewesen.“ Denn die Wut ist groß bei Hemmer und seinen Leidensgenossen. Gerade Reparaturen im Gebäude würden praktisch gar nicht vorgenommen. Meldungen von Mängeln ignoriere Altro Mondo seit Jahren, so Hemmer.

Schimmel, Ratten, Brandschutzmängel - aber was bringt die Kontrolle bei Altro Mondo?

Die überquellenden Müllcontainer an der Dimker Allee locken Ratten an. © Falko Bastos

Auch Bodo Leppin hätte seine Tür aufgemacht. Schon 2017 habe er Altro Mondo einen Schimmelbefall in Küche und WC gemeldet. Das Ergebnis: Einmal sei der Schaden übertapeziert worden, seitdem wächst der Schimmel wieder. Schon vom Treppenhaus aus sieht man den Feuchtigkeitsschaden. „Da kümmert sich keiner drum“, so Leppin. Wie viele andere kommuniziert er mit Altro Mondo nur noch über Anwälte. „Die Ratten sind ein Riesenproblem hier, aber das schlimmste sind die Wohnungen“, so der 76-Jährige.

Die Facebook-Kommentare zur Kontroll-Aktion in Dorsten zeichnen ein ähnliches Bild. „In den Wohnungen wird nichts gemacht“, kommentiert eine Mieterin. „Reparaturen werden nicht ausgeführt“, schreibt eine andere. „Ich habe zwei Kinder und muss mit einer kaputten Fensterscheibe leben“, klagt eine weitere Betroffene. „Und in einer der Wohnungen wimmelt es vor Ratten.“

„Melden kann man viel, aber das ist zwecklos“, ärgert sich Dieter Hemmer. Bei der Hotline gebe es nur Bandansagen, außer unter der Tastenwahl 1: Neuvermietung. Seit mehreren Jahren sei eine Waschmaschine kaputt, die zur Wohnung gehöre. Viele andere Schäden habe er selbst behoben, weil alle Meldungen ignoriert worden seien.

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Es fragt sich, ob die Kontrollen von Außen das ganze Bild der Zustände wiedergeben. „Erste Rückmeldungen zu den Kontrollen ergaben, dass gravierende Mängel nicht aufgedeckt werden konnten“, teilte Rechtsanwalt Ruben Engel im Namen von Altro Mondo mit.

Eine Alibi-Aktion? „Es ist anzuzweifeln, dass eine medienwirksame Aktion ausreicht, um Altro Mondo davon abzuhalten, ihr lukratives Geschäftsmodell weiter zu verfolgen“, kritisiert der Dorstener SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hübner.

Verwahrlosung als Geschäftsmodell

Er selbst hatte mit einer Anfrage an die Landesregierung den Anstoß gegeben, sich mit der Vermietungspraxis der Altro Mondo zu beschäftigen. Doch zufrieden ist er nicht: „Konkrete Hilfe erhalten die Mieter auch nach dieser Aktion nicht.“

Schließlich seien die Missstände ohnehin schon lange bekannt. „Die Wohnungen sind im Besitz eines Unternehmens, zu dessen Geschäftsmodell das Verwahrlosen ihres Gebäudebestands gehört.“ Dass dieses Modell funktioniere, sei auch eine „politische Fehlleistung.“

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Er hatte unter anderem einen Notfall-Fonds vorgeschlagen, der Mietern in Notlagen wie bei einer Wassersperrung Unterstützung bietet. Auch Dieter Hemmer wurde im Frühjahr das Wasser abgestellt, weil Altro Mondo die Rechnung nicht bezahlt hatte - kein Einzelfall am Himmelsberg. Als ihm im Sommer erneut die Sperrung drohte, zahlte er selbst und zog die Summe von der Miete ab.

Schimmel, Ratten, Brandschutzmängel - aber was bringt die Kontrolle bei Altro Mondo?

„Schöner wohnen“ mit Altro Mondo - für viele Mieter klingt das wie Hohn. © Falko Bastos

Altro Mondo sieht sich als Opfer einer „politischen Hetzjagd“

Viel erhofft er sich nicht von der Kontroll-Aktion, zu desillusioniert ist er inzwischen. „Die werden den Arsch eh nicht hochkriegen.“ Altro Mondos Erklärung klingt für ihn wie Hohn.

„Selbstverständlich werden festgestellte Mängel schnellstmöglich behoben“, erklärt Rechtsanwalt Ruben Engel im Namen von Altro Mondo. Bis heute habe das Unternehmen aber keine Information von Kommunen und Ministerium erhalten. Die Aktion sei eine „politische Hetzjagd auf dem Rücken der Mieter“.

„Wenn ich 30 Jahre jünger wäre, würde ich vor Gericht ziehen, aber ich will einfach meine Ruhe haben“, sagt Dieter Hemmer. Vertreiben lassen will er sich aber nicht. „Meine letzten paar Jahre auf der Welt bleibe ich hier. Die kriegen mich hier nicht raus.“

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