Der Hasenpfad in Holsterhausen - Vorgärten bestehen hier überwiegend aus Kies- und Schotterbeeten. Vereinzelt recken sich pflegeleichte Büsche aus dem Steinmeer in die Höhe. © rvr.3d
Klimakrise

Schotter oder Parkplatz statt Vorgarten: „Da muss man härter rangehen“

Wer sein Grundstück zuschottert oder Vorgärten zupflastert, handelt rechtswidrig. Steinwüsten verstoßen gegen Bau- und Planungsrecht - trotzdem gibt es in Dorsten immer mehr davon.

Sie sind hochumstritten, aber heiß begehrt: Schotterflächen vor Häusern. Besitzer nennen sie Schotterbeete, Naturschützer Steinwüsten. Eigentümer berufen sich auf ihr Rechtsempfinden, dass sie auf ihrem Grundstück tun und lassen können, was sie wollen.

Die zugeschotterten Flächen verstoßen laut Leitfaden des Städte- und Gemeindebundes NRW aber gegen Bau- und Planungsrecht. Das könne mit einem Bußgeld und einer Rückbauverpflichtung belegt werden, sagt der Bund. Stadtverwaltung und Politik in Dorsten wollen Eigentümer aber nicht schikanieren.

An der Parallel- und Humboldtstraße in Holsterhausen haben einige Hauseigentümer ihre Vorgärten zusätzlichen Parkflächen geopfert. © 3d.rvr © 3d.rvr

Sie verfolgen einen anderen Kurs, um Menschen zum Umdenken zu bewegen: zum Beispiel durch Ausloben von Preisen für gelungene Vorgartengestaltung. Oder Ermunterung zum ökologischen Gartenbau. Ziel sei es, den Grünanteil auf privaten Flächen zu bewahren und nach Möglichkeit zu erhöhen. Das sagt Umweltausschussvorsitzender Friedhelm Fragemann auf Anfrage der Redaktion.

Rechtswidriges Verhalten stärker ahnden

„Diese Friedhofsarchitektur in Vorgärten müsste viel stärker überprüft und entsprechend geahndet werden“, fordert er aber auch. Er sagt: „Wir müssen Bürger härter angehen, die illegal handeln.“ Rechtswidrig sei vor allem, dass manche Hauseigentümer ihre Vorgärten komplett zu befestigten Parkplätzen machen. „Das dürfen sie nicht“, so Fragemann.

Diese Auffassung teilt auch die Stadtverwaltung, vermeidet aber die Konfrontation mit dem Bürger, wie dem Protokoll der letzten Ausschusssitzung zu entnehmen ist. Darin heißt es u.a.: „Das Bauordnungsrecht verlange eine Begrünung im Vorgartenbereich, eine Einzelfallprüfung erfolge. Wichtig sei eine überzeugende Broschüre zur Gestaltung, in der die Belange nachvollziehbar dargelegt werden, um einen Affront zur Bürgerhaltung zu vermeiden.“

Vorgärten für weitere Stellflächen für Autos geopfert

Beispiele für eine Einzelfallprüfung fände das städtische Bauordnungsamt an der Parallelstraße in Holsterhausen. Oder in der benachbarten Humboldtstraße, wo der Vorgarten dem zugepflasterten Platz für den Zweit- oder Drittwagen geopfert wurde. „Ich verstehe ja, dass alle Abteilungen der Verwaltung wegen Corona am Rande ihrer Möglichkeiten sind, aber hier muss was unternommen werden“, findet Friedhelm Fragemann.

Schotterfläche im Hasenpfad.
Schotterfläche im Hasenpfad © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Dass den „Gärten des Grauens“ überhaupt so umfassender Diskussionsraum in Dorsten gewidmet wird, ist der Klimakrise geschuldet. Die letzten Jahren wurden nachweislich immer trockener und heißer, die zusätzliche Aufheizung durch die Vielzahl von Schotterflächen ist ein Grund, warum sie Steine des Anstoßes sind.

Erkennbar starke Zunahme zugeschotterter Flächen

Außerdem hat die Zahl der zugeschotterten Flächen in Dorsten erkennbar stark zugenommen. Eine Überschreitung der Grundflächenzahl (GRZ), also eine Überschreitung der erlaubten Befestigung auf einem Grundstück, kann zu Problemen in der Niederschlagswasserbeseitigung führen.

Soweit Überschreitungen der GRZ bekannt sind, erfolgt eine Überprüfung durch das Bauordnungsamt der Stadt Dorsten. Das hat die Verwaltung dem Umweltausschuss mitgeteilt. In wie vielen Fällen solche Überschreitungen vorliegen, konnte die Verwaltung adhoc nicht beantworten.

Möglichkeiten zum Zuschottern begrenzen

Der Umwelt- und Planungsausschuss regte an, dass in Neubaugebieten die Möglichkeiten zum Zuschottern von Flächen begrenzt werden sollen. Die Festsetzung in Bebauungsplänen solle so geplant werden, dass nach Abzug von Zufahrten, Stellplätzen usw. „die dann verbleibende Fläche zu 80 Prozent begrünt werden müsse“. Darüber wird noch zu diskutieren sein.

Zweifellos gibt es aber die Begrünungspflicht im Vorgartenbereich nach Landesbaurecht. Ein Recht auf einen Schottergarten, wie viele Eigentümer annehmen, gibt es nicht.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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