Lona und Klara vom Gymnasium St. Ursula überreichten dem Altenzentrum Maria Lindenhof kurz vor Ostern fast 100 Briefe für die Bewohner. © privat
Schüler-Aktion

Schüler-Post zum Osterfest rührt Senioren im Altenzentrum zu Tränen

Fast 100 Briefe haben Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums den Bewohnern eines Altenzentrums zum Osterfest geschrieben - und damit wohl wieder emotionale Reaktionen ausgelöst.

Als Lona und Klara am Mittwoch das kleine Paket zum Eingang des Altenzentrums Maria Lindenhof brachten, ahnten sie vermutlich schon, welche Reaktionen der Inhalt bei den Bewohnern auch diesmal auslösen würde. Denn schon zu Weihnachten hatten sie Post vom St.-Ursula-Gymnasium bekommen.

„Unsere Bewohner waren unheimlich berührt“, erinnert sich Andrea Korf, die Leiterin des Sozialen Dienstes. „Sie haben die Briefe persönlich gelesen, zum Teil in kleinen Gruppen an Heiligabend. Einige wurden auch im Gottesdienst gelesen.“ So wird es auch an Ostern sein, denn die Situation hat sich für die älteren Menschen nicht geändert: Sie sind oft einsam, haben seit Langem wenige Kontakte außerhalb des Altenzentrums.

Die Dorstenerin Angelika Nowak hatte vor Weihnachten die Idee, einsamen Menschen in den Seniorenzentren der Stadt Briefe zu schreiben. Die Resonanz damals war riesig, viele ältere Menschen waren gerührt über die Zuwendung, die wildfremde Menschen ihnen plötzlich entgegenbrachten. „Da haben wir uns gedacht: Das könnte man wiederholen“, sagt Henner Maas.

Der Religionslehrer hat mit seinen Schülern aus dem achten Jahrgang und der Oberstufe darauf geachtet, dass tatsächlich jeder Altenheim-Bewohner auf Maria Lindenhof einen Brief erhält, manche ergänzt durch Kärtchen oder Fotos des Absenders. Aus dem ersten Kontakt im Dezember sind inzwischen kleine „Brieffreundschaften“ entstanden. „Einige Bewohner wollten damals unbedingt zurückschreiben“, sagt Andrea Korf.

Ausschnitt aus einem Brief, den eine Ursulinenschülerin einer Bewohnerin des Altenzentrums Maria Lindenhof geschrieben hat. © privat © privat

Doch nicht nur den Senioren, auch den jungen Menschen gibt diese Aktion offenbar eine Menge. Lehrer Maas lobt die Zuverlässigkeit, mit der die Schüler freiwillig von Zuhause aus und in ihrer Freizeit zum Teil sehr persönliche Sätze geschrieben haben. So heißt es in einem Brief:

„In meiner Freizeit mache ich gerne Sport, besonders gerne spiele ich Tennis. Zudem treffe ich mich sehr gerne mit meinen Freunden. All das geht derzeit leider nicht und ich vermisse es sehr doll. Bestimmt vermissen auch sie so einiges an Normalität in der aktuellen Zeit.“

Schülerin Stella fiel beim Formulieren der Sätze auf, „dass ich schon lange keinen Brief mehr geschrieben habe. Unsere Kommunikation ist ja eher anders. Aber es war wirklich schön.“ Rike hatte früher Brieffreunde und zunächst Probleme, einen Einstieg in ihren Brief zu finden. „Aber dann kam man richtig rein und es hat Spaß gemacht. Und wenn man weiß, dass man anderen eine Freude damit macht, ist es noch mal schöner.“

Zu den vielfältigen Erfahrungen gehört allerdings auch, dass manche Bewohner, die Weihnachten Post bekommen hatten, inzwischen nicht mehr leben. Das Altenzentrum ist für die meisten Menschen die letzte Station ihres langen Lebens Ein Schüler reagierte auf den Tod seines Adressaten allerdings sofort: „Dann schreibe ich eben seiner Frau.“

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Stefan Diebäcker

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