Unser Autor Paul Kahla macht in diesem Jahr Abitur am Gymnasium Petrinum in Dorsten. © Claudia Engel
Ein Jahr Corona

Schüler zum Corona-Jahr: „Im neuen Jahr sank die Moral bei vielen“

Paul Kahla macht in diesem Jahr Abitur am Gymnasium Petrinum in Dorsten. Nach einem Jahr Corona-Pandemie schildert er in einem Gastkommentar seine Eindrücke.

Wir kamen im August 2020 aus einer gefühlt ewig langen Sommerpause zurück. Für die Meisten war es beinahe ein halbes Jahr her, dass sie ihre Schule von innen gesehen hatten. Aus diesem Grund hatten zwischen März und Juni des letzten Jahres sicher viele Schülerinnen und Schüler den Schulstoff ein wenig vernachlässigt.

Die Sommerferien waren geprägt von einem Verhalten, das zum jetzigen Zeitpunkt unverantwortlich wäre. Am Anfang des Schuljahres musste plötzlich das schulische Engagement wieder rapide zunehmen. Gleichzeitig wurde es mit steigenden Corona-Infektionszahlen immer nötiger, soziale Kontakte zu reduzieren.

Lüften wurde immer unangenehmer

Die Schulen haben sich größte Mühe gegeben, die Schülerinnen und Schüler entsprechend der Corona-Schutzverordnung in ihren Gebäuden zu beschulen. Die Masken waren lästig, das Lüften mit sinkenden Temperaturen immer unangenehmer, doch irgendwie hat es funktioniert. Schon damals hatte ich, wie viele andere, wenig Verständnis dafür, dass wir uns trotz der Kontaktbeschränkungen noch alle in der Schule aufhielten. Von der Landesregierung hörte man immer wieder, wie wichtig es sei, dass der Schulunterricht stattfinde.

Als die Schulen Ende 2020 dann doch schlossen, ging der Unterricht weiter. Den Meisten war der Online-Unterricht schon aus dem Frühjahr 2020 vertraut, nur funktionierte vieles noch besser. Man sah seine Lehrkräfte noch immer regelmäßig, nur eben auf einem Bildschirm. Wer die technische Ausstattung und die Motivation hatte, konnte von Dezember bis Februar alles gut mitverfolgen.

Familien, die nicht über die nötigen technischen Mittel verfügen, bekommen nur mäßig Unterstützung. Bei vielen Schülerinnen und Schülern ist es aber auch an der Motivation gescheitert. Gerade im neuen Jahr sank die Moral bei vielen, auch bei mir. Im Homeschooling haben sich Arbeit und Freizeit vermischt. Auch ich hatte keine klare Grenze im Tagesablauf, die mir zeigte, wann ich mit der Arbeit aufhören und das Faulenzen anfangen kann. Das gleiche Problem gab es auch umgekehrt.

Wenig Motivation ohne menschliche Nähe

Wer vernünftig war, hat seine Kontakte aufs Geringste beschränkt. Auch ich habe meine Freunde fast nur online getroffen. Einen Motivationsschub brachte dieser Mangel an menschlicher Nähe wohl niemandem. Wir hatten uns alle schon damit abgefunden, uns allein und in Isolation auf das Abitur vorzubereiten.

Anfang Februar wurde dann überraschend entschieden, dass unser Unterricht wieder in Präsenz stattfindet. Diese Entscheidung trifft nicht nur bei mir auf großes Unverständnis. Das kann man niemandem logisch erklären!

Mit knapp 100 Mitschülern in der Schule

Ich darf mich in meiner Freizeit höchstens mit einem anderen Haushalt treffen, die Gastronomie kann sich noch so gute Hygienekonzepte überlegen und muss trotzdem geschlossen bleiben. Im Kontext meiner Abiturvorbereitung aber ist es völlig okay, wenn ich mich mit knapp 100 Mitschülern in der Schule treffe.

Um dieser Unverhältnismäßigkeit ein wenig entgegenzuwirken, haben sich Schulen für ihre Oberstufen umständliche Beschulungskonzepte überlegt. Diese machen eine Einhaltung des nötigen Sicherheitsabstands gerade so möglich, fördern aber die Vermittlung der Lerninhalte gar nicht. Je nach Konzept hält sich die Hälfte des Kurses jeweils zu Hause oder im Nebenraum auf, bekommt also automatisch nur halb so viel vom Unterricht mit.

Schulleitungen haben es sich nicht ausgesucht

Doch diese Entscheidungen sind nachzuvollziehen. Die Schulleitungen haben es sich ja nicht ausgesucht, ihre Schulen wieder zu öffnen. Angesichts der aktuellen Fallzahlen ergibt das ja auch gar keinen Sinn. Ich warte nur darauf, dass wir in wenigen Wochen als „Corona-Hotspot Nummer eins“ gelten. Die Entscheidungsträger wollten sich offenbar die Möglichkeit offenhalten, am Ende sagen zu können: „Wir haben die Schulen wieder aufgemacht. Bei uns konnte Unterricht stattfinden“.

Die Formulierung „Es findet wieder Unterricht statt!“ wird oft in der öffentlichen Diskussion verwendet. Das stört mich sehr! Faktisch hat seit den Sommerferien nämlich nirgendwo kein Unterricht stattgefunden.

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Freier Mirarbeiter

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