Schützenkapelle Rhade begeisterte mit Neujahrskonzert und hatte viele Überraschungen dabei

mlzNeujahrskonzert

Wer mit „Schützenkapelle“ nur Schützenfest und Parade verbindet, hat die Rhader noch nicht gehört. Sie haben bei ihrem Neujahrskonzert gezeigt, was eine gute Schützenkapelle leisten kann.

von Marita Kipinski

Rhade

, 05.01.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den fulminanten Auftakt am Samstag machte die Jugendabteilung mit Themen aus der Muppet Show und sorgte beim Publikum schon mal für gute Laune. Ein Hingucker war die Projektion der Muppets im Hintergrund, eine tolle Idee, die auch bei allen folgenden Stücken, jeweils mit Bildern passend zur Musik, durchgehalten wurde.

Gäste fütterten die Spendentuba

In seiner launigen Begrüßung versprach der 1. Vorsitzende Alexander Stroick den Gästen einen spannenden Nachmittag, und er hatte nicht zu viel versprochen. Doch bevor es richtig losgehen konnte, durfte auch Bürgermeister Stockhoff noch ein Anliegen an den Mann/die Frau bringen. Er bat um Fütterung der „Spendentuba“ und demonstrierte auch gleich, was man unter einer „stillen Kollekte“ versteht. Kein Klimpern, nur ein Rascheln möchte man da hören, schließlich geht es ja um die Unterstützung des Jugendorchesters und die Finanzierung der Ausbildung der jungen Musiker.

Das Jugendorchster präsentierte die Olympic Fanfare

Jetzt endlich durfte das Jugendorchester richtig loslegen. Mit Olympic Fanfare erinnerten die jungen Musiker an die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles und interpretierten gekonnt die unterschiedlichen Stimmungen des anspruchsvollen Stücks.

Schützenkapelle Rhade begeisterte mit Neujahrskonzert und hatte viele Überraschungen dabei

Mit Olympic Fanfare erinnerten die jungen Musiker an die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles und interpretierten gekonnt die unterschiedlichen Stimmungen des anspruchsvollen Stücks. © Marita Kipnski

Weiter ging es mit Frank Sinatras „Strangers in the Night“; hier konnte Jannis Grömping mit seinem Trompetensolo brillieren und ein Gegengewicht zur leicht lasziven Grundstimmung des Songs setzen. Nicht nur die zahlreichen Sinatra-Fans dankten es den Akteuren mit tosendem Applaus.

Mit der amerikanischen Militärmusik „National Emblem“, einem Stück, das in den USA sehr oft bei offiziellen Anlässen gespielt wird, endete der erste Teil des Konzerts.

Polka-Medley erlebte eine Uraufführung

Natürlich hatte der Dirigent Jörg Pelzer noch ein Zusatzschmankerl im Gepäck: Ein Polka-Medley, exklusiv für das Rhader Jugendorchester zusammengestellt, wurde uraufgeführt. Das war so schmissig, da musste man einfach mitklatschen. Die stehenden Ovationen des Publikums hatten sich die jungen Musiker mehr als verdient.

Die folgende kurze Pause nutzte Claudia Soggeberg, die als Moderatorin das Publikum mit wohldosierten Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stücken versorgte, um ein wenig über die Kapelle und ihre Geschichte zu erzählen. Vor 140 Jahren gründeten 14 Musiker das Orchester, heute gibt es um die 100 Aktive im Alter von 8 bis 81 Jahre. Und auch Nachwuchsprobleme kennen die Rhader nicht, 51 Jugendliche befinden sich in der Ausbildung.

Schützenkapelle Rhade begeisterte mit Neujahrskonzert und hatte viele Überraschungen dabei

Die Schützenkapelle Rhade überzeugte auf ganzer Linie. © Marita Kipinski

Das Hauptorchester mit seinen 72 Akteuren durfte nun sein Können unter Beweis stellen. Mit „Valhalla“ von J. L. Hosay eröffneten die Musiker einen spannenden Reigen unterschiedlichster Musik. Die Filmmusik aus „Die glorreichen Sieben“ mit den Trompetensoli von Philip Soggeberg und Jonas Mechlinski sorgten für Gänsehaut und echtes „Westernfeeling“.

Ohrwürmer hielten das Publikum nicht auf ihren Sitzen

Polka- und Militärmusikliebhaber kamen genauso auf ihre Kosten wie Musical- und Popmusikfans. Die Ohrwürmer von Frank Sinatra und Marius Müller-Westernhagen hielten die Zuhörer kaum auf ihren Sitzen. Und immer wieder sorgte das Orchester für Überraschungen und ließ keinerlei Langeweile aufkommen. Stilecht interpretierte die Percussiongroup das reine Schlagzeugstück „Stinking Garbage“ auf ausgedienten Bierfässern, und die Leuchtstäbe, mit denen die Töne erzeugt wurden, sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre.

Schützenkapelle Rhade begeisterte mit Neujahrskonzert und hatte viele Überraschungen dabei

Stilecht interpretierte die Percussiongroup das reine Schlagzeugstück „Stinking Garbage“ auf ausgedienten Bierfässern. © Marita Kipinski

Wer seinen Blick trotz dieser spannenden Vorstellung schweifen ließ, konnte auf der Bühne einen Eindringling erkennen. Der Bürgermeister gesellte sich zu den Musikern, mit der Trompete im Gepäck, die man ihm im letzten Jahr übergeben hatte. Großes Staunen und Raunen im Saal, kommt jetzt ein (bürger)meisterliches Trompetensolo? Selten hat man den „Stadtvater“ so aufgeregt gesehen, aber er meisterte seine Aufgabe mit Bravour: Der letzte Ton von Ed Sheerans „Perfect“ gehörte ganz allein ihm - auf der Triangel!

Schützenkapelle Rhade begeisterte mit Neujahrskonzert und hatte viele Überraschungen dabei

Die Ohrwürmer von Frank Sinatra und Marius Müller-Westernhagen hielten die Zuhörer kaum auf ihren Sitzen. © Marita Kipinski

Weil sich Jörg Pelzer, der Dirigent des Jugendorchesters, grundsätzlich bei jeder After-Show-Party in fortgeschrittener Stunde in Frank Sinatra verwandelt, hatte sein Dirigentenkollege Christoph Weigel die Idee, ihm doch mal eine größere Bühne zu gönnen. Jörg Pelzer und Anna Westhoff machten dann auch klar, dass sie nicht nur dirigieren und Flöte spielen können, nein, Frankie haben sie auch super drauf!

Zum Schluss rockten die Musiker mit „Freiheit“, „Willenlos“ und anderen Westernhagen-Songs noch einmal den Saal und hatten es sich letztlich selbst zuzuschreiben, dass sie erst nach drei Zugaben endlich vom Publikum entlassen wurden.

Und: Was die Wiener Philharmoniker können, kann die Rhader Schützenkapelle schon lange: Der Radetzky-Marsch darf natürlich bei keinem Neujahrskonzert fehlen. Besonders schön war, dass auch das Jugendorchester noch einmal auf die Bühne kommen durfte.

Brexit-Medley als zweite Zugabe

Wie viel Humor bei all der Ernsthaftigkeit, dem Probenfleiß und dem Engagement der Musiker in dieser Kapelle steckt, zeigte die zweite Zugabe: Ohne ein gerütteltes Maß an Humor würde man das Medley aus „Highland Cathedral“, „Should Auld Acquaintance“ und „Land of Hope and Glory“ bestimmt nicht „Brexit“-Medley nennen.

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