Schuleinbrecher: Richter greifen durch

mlzLandgericht Essen

Nach einer Serie von Schuleinbrüchen in Dorsten und Umgebung ist ein junger Mann aus Dorsten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Was aus ihm werden soll, bleibt jedoch ungewiss.

Dorsten, Essen

, 03.03.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist erst 25, hat aber schon viereinhalb Jahre im Gefängnis gesessen: Nach einer Serie von Schuleinbrüchen ist ein junger Mann aus Dorsten am Dienstag zu weiteren drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Wie er wieder auf die gerade Bahn kommen soll, bleibt jedoch völlig unklar.

Vor seiner Festnahme im vergangenen Jahr hatte der 25-Jährige ein Vagabundenleben geführt. Seine Familie hatte ihn verstoßen, also ließ er sich treiben. Mal schlief er in einem gestohlenen Pkw, mal in Schulen, mal in Autohäusern. Geld beschaffte er sich durch Einbrüche.

27 Laptops aus der Geschwister-Scholl-Schule

Zum Beispiel in der Nacht auf den 17. Juni 2019 in der Geschwister-Scholl-Schule in Dorsten. Hier hatte er unter anderem 27 neue Laptops gestohlen – zu je 580 Euro. Zwei davon waren später bei ihm gefunden worden, drei sind über Ebay verkauft worden. Der Verbleib der anderen ist ungewiss.

Auch in der Von-Ketteler-Schule war er eingestiegen, in der Grünen Schule in Wulfen-Barkenberg und in der St.-Agatha-Grundschule. Der bei allen Taten angerichtete Sachschaden belief sich auf weit über 10.000 Euro, weil auch Türen und Schränke aufgebrochen worden waren. Außerdem war in einem Autohaus in Gladbeck ein Opel Meriva gestohlen worden.

Nur rudimentäre Schulbildung

Durch den Verkauf des Diebesguts wurden Lebensmittel gekauft, aber auch Drogen. Einem vom Gericht beauftragten Psychiater hatte der Angeklagte erklärt, dass er eigentlich gerne arbeiten und ein ganz normales Leben führen würde. Wie er das anstellen soll, weiß er jedoch nicht. Die Schulbildung ist katastrophal. Lesen und schreiben? Rudimentär. Rechnen: nur minimale Grundkenntnisse. „Division kennt er gar nicht“, so der Gutachter im Prozess. Selbst für einen extrem vereinfachten Intelligenztest mit Bildern und Grafiken brauchte der Dorstener anderthalb Stunden – und damit eine Stunde länger als normal. Das Ergebnis: grenzwertig.

Therapieangebote abgelehnt

So richtig helfen kann man ihm nicht. Die Unterbringung in einer geschlossenen Therapie-Einrichtung kommt nicht in Betracht. Dafür ist der Drogenkonsum zu gering. Angebote hatte der Dorstener schon früher, aber immer ausgeschlagen. Selbst hat er sich noch nie um Hilfe bemüht.

Die Gefängnisstrafe muss er nun absitzen. Was danach kommt, ist völlig offen.

„Er hat sich immer an die falschen Leute gehängt“, sagte sein Verteidiger Sabri Saglam. Er habe keine Freunde und keinen Kontakt zur Familie. „Vielleicht kann man zumindest ein bisschen Mitgefühl haben.“ Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert.

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