100 Kinder Überhang bei den Erstklässlern: Der Schulentwicklungsplan der Biregio für Dorsten hat diese Entwicklung nicht prognostiziert. © picture alliance/dpa
Schulentwicklungsplan

Schulklassen mit 33 Kindern in Dorsten – SPD nennt das „Käfighaltung“

Der Schulentwicklungsplan für Dorsten ist überholt - und die Prognosen stimmen längst nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt die SPD. „Die Planung ist zu sehr auf Kante genäht.“

Einen Kinderboom hat die Stadt Dorsten für Dorsten ausgeschlossen. 2018 hieß es in einem Interview mit unserer Redaktion, dass sich die Schülerzahlen pro Jahrgang bei etwa 600 Kindern einpendeln würden.

Basis für die statistischen Berechnungen war unter anderem der Schulentwicklungsplan des Beraterbüros Biregio in Bonn. Doch dieser Plan war zu sehr „auf Kante“ genäht, hat die SPD im Schulausschuss jetzt angesichts eines Schüler-Überhangs von mehr als 100 Erstklässlern festgestellt. Zur Erinnerung: In Dorsten wurden Grundschulen wegen rückläufiger Schülerzahlen aufgegeben (Agatha II, Johannesschule, Wichernschule und die Blaue Schule).

„Der Überhang erhöht sich stetig“

„In der letzten Sitzung des Schulausschusses in der vergangenen Woche wurde deutlich, dass mittlerweile 100 Erstklässler mehr zur Einschulung anstehen, als mit dem Schulentwicklungsplan 2015/2017 prognostiziert wurde. Nahezu stetig – Jahr für Jahr – erhöht sich der Überhang“, sagt Schulausschussvorsitzender Dirk Groß (SPD).

„Uns als SPD war die Planung schon 2015 zur sehr auf Kante genäht, warum wir unter anderem die Schließung der Wichernschule im Marienviertel nicht mitgetragen haben“, so Groß weiter. „In der Folgeplanung werden wir uns für größere Spielräume einsetzen. Allein schon der anstehende Ausbau der OGS-Angebote wird auch größere Raumangebote erforderlich machen“, führt Dirk Groß weiter aus.

Für „skandalös in einem reichen Land“ hält die Dorstener SPD, dass es Klassen mit bis zu 33 Kindern gibt. Diese „Käfighaltung“ werfe nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie zusätzliche Probleme auf.

„FDP-geführtes Schulministerium hat Entwicklung verschlafen“

Das FDP-geführte Schulministerium habe die Entwicklung – trotz zahlreicher Hinweise und Vorschläge – „verschlafen und sogar innovative Lösungen, wie den Hybridunterricht (Wechsel-Unterricht) in Solingen, untersagt“, ergänzt Fraktions-Chef Friedhelm Fragemann.

Ärgerlich sei auch, dass in Dorsten wohl vor Februar 2021 für Schüler keine digitalen Endgeräte zur Ausleihe zur Verfügung stehen. Die Förderrichtlinien des Landes und die Lieferengpässe müssen alle Kommunen in NRW erstmal überwinden.

„Wichtig ist, was hinten rauskommt“

„Es liegt sicherlich nicht am fehlenden Engagement der Mitarbeiter der Schulverwaltung, aber an der seit Jahren zu dünnen Personaldecke. Hier werden wir uns für Verstärkungen einsetzen. Um mal ausnahmsweise Helmut Kohl zu zitieren: Wichtig ist, was hinten rauskommt“, so Dirk Groß abschließend.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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