Vier Waschbecken für 350 Schüler - Schulleiterin ist ratlos

mlzCoronavirus

Wenn nach den Sommerferien der Regelbetrieb an den Schulen in Dorsten aufgenommen werden sollte, könnte es kritisch werden. Eine Schulleiterin schilderte jetzt ihre Bedenken.

Dorsten

, 22.06.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der „Neuen Schule“ in Dorsten, einer Sekundarschule, wird in den letzten Tagen vor den Sommerferien etwa ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler zeitgleich unterrichtet. „Wenn wir wieder bei hundert Prozent sind, haben wir ganz andere Voraussetzungen bei der Umsetzung der Hygienebestimmungen“, sagte Schulleiterin Susanne Bender vor wenigen Tagen im Schulausschuss und sprach damit wohl vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Seele. Sie beschrieb dort ein Szenario, das für viele Schulen in Dorsten wohl in ähnlicher Form zutrifft.

Jetzt lesen

Die Abstandsregeln werden nach den Ferien womöglich fallen, es bliebe aber die Frage nach der Handhygiene. Im Schulzentrum an der Pliesterbecker Straße muss das nach Meinung von Susanne Bender „auf jeden Fall noch mal in den Blick genommen werden“. Für die 350 Schüler an der Sekundarschule stehen nur vier Waschbecken zur Verfügung.

„Im Augenblick lässt es sich gut umsetzen, wenn ein Lehrer mit sieben Kindern zu den Waschbecken geht. Das ist auch zeitlich im Rahmen“, bestätigte die Schulleiterin. „Wenn die Klasse aber 25 Kinder stark ist, wird das unlösbar sein.“ Das gelte wahrscheinlich für einige Schulen mehr in Dorsten.

Verlässlicher Unterricht ist nahezu unmöglich

Ein weiteres Nadelöhr sei der Schülertransport. „Wir gehen davon aus, dass nach den Ferien zunächst kein Ganztagsunterricht erteilt werden kann, weil nicht immer alle Lehrer zur Verfügung stehen“, sagte die Sekundarschulleiterin. Denn schon bei leichten Erkältungssymptomen müssen die Pädagogen, ebenso wie die Kinder, zu Hause bleiben. „Da können wir nachmittags nicht verlässlich unterrichten.“

Susanne Bender ist Leiterin der Neuen Schule Dorsten.

Susanne Bender ist Leiterin der Neuen Schule Dorsten. © privat

Susanne Bender geht deshalb zunächst von einem gestaffelten Unterricht ohne Nachmittagsstunden im August aus. „Viele Kinder unserer Schule kommen mit dem Bus, die müssen ja auch zuverlässig wieder nach Hause kommen.“ Außerdem werde es wahrscheinlich keine Verpflegung über die Mensa geben können. „Dazu hat sich das Schulministerium bislang überhaupt noch nicht geäußert.“

Verordnungen kommen in letzter Minute

Das könnte in den Sommerferien passieren, doch die Schulen wissen nicht, wie sie dann die Eltern auf dem Laufenden halten sollen, außer die Schul-Homepage zu aktualisieren. Bender: „Ich kann die Eltern nur darauf vertrösten, dass es am ersten Schultag im August nähere Informationen gibt. Vor den Ferien wird sich wohl nichts mehr tun.“

Schuldezernentin Nina Laubenthal bestätigte, dass die Coronakrise die Schulen in Dorsten seit März „vor besondere Herausforderungen gestellt“ habe. Viele Mails des Landesregierung seien „zu Unzeiten gekommen, oft am Freitagabend oder am Wochenende“, sagte Laubenthal. „Die neuen Regelungen sollten dann schon am folgenden Montag in Kraft treten. Das war für die Schulen ein enormer Organisationsaufwand. Und oft wurden die Regelungen wenig später durch neue Anweisungen überholt.“

  • Laut Auskunft der Stadt gibt es auf den drei Ebene des Gebäudeteils der „Neuen Schule“ jeweils eine Jungen- und eine Mädchentoilette mit jeweils einem Handwaschbecken (insgesamt also 6). Da die Lehrertoiletten derzeit umgebaut werden, bleiben die Sanitärräume auf einer Ebene in dieser Zeit dem Kollegium vorbehalten. Es gibt also im Gebäudeteil der Neuen Schule zurzeit vier separate Toiletten-Waschbecken-Kombinationen für Schüler. Im normalen Schulalltag sei diese Ausstattung ausreichend – auch mit der Einschränkung durch die Baumaßnahmen, da die Neue Schule noch nicht mit allen Jahrgängen besetzt ist.
  • Und weiter sagt die Stadt: Für eine ausreichende Handhygiene zum Infektionsschutz stehen im gesamten Gebäude (Erich-Klausener-Real- und Neue Schule) gleichwohl deutlich mehr Waschgelegenheiten zur Verfügung: 4 Waschbecken Lehrertoilette (wegen Umbau derzeit nicht nutzbar), 13 Waschbecken in Sanitärräumen im Schulgebäude (inkl. Behindertentoilette), 19 Waschgelegenheiten in Fachräumen (inkl. Ausgussbecken z. B. in Kunsträumen), 11 Waschbecken in den Pausenhof-Toiletten, 18 Waschbecken in der Turnhalle.
  • Abzüglich der wegen Umbauarbeiten nicht nutzbaren Waschbecken in den Lehrertoiletten gebe es im Schulgebäude also aktuell 57 Waschgelegenheiten für die rund 500 Schüler beider Schulen. Zudem habe die Stadt an allen Schulen Vorsorge getroffen, dass ersatzweise eine Handdesinfektion möglich ist.
Lesen Sie jetzt