Sebastian Steinzen aus Gladbeck kandidiert bei der Bundestagswahl für die FDP. © privat
Bundestagswahl 2021

Sebastian Steinzen (FDP) und die prägende Studentenzeit (mit Videos)

Sebastian Steinzen (FDP) kandidiert zum zweiten Mal im Wahlkreis 125 für den Bundestag. Politik ist aber nicht die einzige Leidenschaft des Gladbeckers. Das Studium hat ihn geprägt.

Ist das noch Haus oder schon Palast? Auf 270 Quadratemern lebt Sebastian Steinzen (44) mit seiner Lebensgefährtin. Das freistehende Einfamilienhaus in Gladbeck-Mitte hat er vor etwa fünf Jahren gekauft. „Ein glücklicher Umstand war das“, sagt er rückblickend. Und betont auf Nachfrage: „Ich putze selber.“

Das große Wohn-/Esszimmer wird von einer Bücherwand dominiert. Ein Hinweis auf eine von vielen Leidenschaften, die der Lehrer für Politik, Geschichte und Philosophie an einem Gymnasium in Dinslaken neben der Politik pflegt. „Eigentlich wollte ich immer Schriftsteller werden, vielleicht auch Journalist. Aber dann wäre ich wohl im Feuilleton gelandet.“

Die zweite Leidenschaft gehört nämlich der Kunst, die dritte der Musik. Die wurde bei Sebastian Steinzen während der Studienzeit in Münster geweckt. „Als ich ‚Alive‘ von Pearl Jam gehört habe, war ich ein Anderer“, sagt er rückblickend. Da hat der junge Sebastian Steinzen angefangen, Musik anders zu hören und zu verstehen, hat sich die Haare wachsen lassen und in Bands gespielt, die einen ähnlich Grunge-Stil pflegten wie eben Pearl Jam oder Nirvana.

Das Studentenleben hat auch politisch geprägt

Inzwischen sind die Haare wieder kürzer, grauer und auch lichter geworden. Der gebürtige Gladbecker, der „mit vier Generationen unter einem Dach“ groß geworden ist, macht aber immer noch Musik, als Schlagzeuger in einer Band namens „Felix Kiepe und die Funkzentrale“. Die Mischung aus Lindenberg und Falco macht ihm auch viel Spaß. Doch wegen Corona waren die Probentage rar, Auftritte gab es gar nicht mehr.

Das Studentenleben hat Sebastian Steinzen auch politisch geprägt. „Die Art und Weise, wie Jürgen W. Möllemann, der Kandidat in Münster damals, über Politik gesprochen hat, hat mir imponiert. Er hat sich nicht hinter Phrasen versteckt, sondern Klartext gesprochen.“

Literatur ist eine große Leidenschaft von FDP-Kandidat Sebastian Steinzen. „Eigentlich wollte ich immer Schriftsteller werden.“ © privat © privat

In Gladbeck, damals eine schwarz-grüne Insel im roten Ruhrgebiet, hatte er zuvor Bekanntschaft mit der Jungen Union gemacht. „Wir haben uns in einem Keller getroffen, an dem Hirschgeweihe an der Wand hingen und ein Wildschweinfell. Da war für mich klar: Das ist nicht meine Welt.“

Im Studium kam der Gladbecker mit Schriften des Briten John Stuart Mill in Kontakt, einem der einflussreichsten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts. Was in dessen Standardwerk über die Freiheit geschrieben steht, „ist genau das, wie ich über Freiheit, über den Staat, über das Verhältnis von Staat und Bürger denke“.

Da war der Weg zur FDP für Sebastian Steinzen nicht mehr weit. 20 Jahre ist das her. Eine Zeit, in der er „alles erlebt hat“.

Zum ersten Mal kandidierte er 2013

2013 hat der heute 44-Jährige bereits für den Bundestag kandidiert. Es lag sicherlich nicht an ihm, dass die FDP aus dem Bundestag flog. 2017 war der damalige Dorstener Tristan Zielinski der Spitzenmann der Freien Demokraten im Wahlkreis 125. Es ging zurück auf die große politische Bühne, aber in die Regierungsverantwortung wollte die FDP damals nicht. „Richtig“ findet Sebastian Steinzen das.

Jetzt werden die Karten neu gemischt. „Ich würde wirklich gerne in den Bundestag“, sagt er. „Die Wahl wird unglaublich wichtig werden. Mit dem Abschied von Angela Merkel bietet sich jetzt die Riesenchance, die Weichen für die Zukunft zu stellen.“ Er ist Außenseiter im Wahlkreis, „aber die Umfragewerte für CDU und SPD sind gerade nicht so gut.“

Sebastian Steinzen scheint ein Zocker zu sein. Das Bild bestätigt sich, als er mit dem Gast zum Abschluss des Hausbesuchs in den Keller geht. Neben der CD-Sammlung befinden sich in dem Raum ein Pokertisch, mehrere ältere Spielautomaten und ein großer Fernseher. „Kennen Sie Pac-Man?“, fragt er mit einem Leuchten in den Augen.

Das kleine gelbe Monster frisst alles, was sich ihm in den Weg stellt.

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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