Hildegard Jaekel saß 2016 schon einmal fest, aber im Fahrstuhl und das mehr als zwei Stunden, bis die Feuerwehr sie befreien konnte. © Claudia Engel (A)
LEG Wohnen

Senioren schnappen nach Luft: Fahrstuhl fuhr vier Tage nicht

Vier Tage lang war der Fahrstuhl im Hochhaus an der Juliusstraße 31 defekt. Für die alten Bewohner des Hauses war das die Höchststrafe. Das Gebäude hat sieben Etagen.

Am Freitag saß Hildegard Jaekel stundenlang im Flur ihres Wohnhauses an der Juliusstraße 31 fest. Mit schweren Einkaufstaschen. Und der unangenehmen Gewissheit, dass sie ihre Wohnung in der 7. Etage ihres Gebäudes nicht auf gewohntem Weg erreichen würde. „Unser Fahrstuhl ist kaputt“, sagt sie. Das sei er schon am Donnerstag gewesen, dann sei er von einem Techniker repariert worden. „Leider war am Freitag aber schon wieder Sabbat. Der Aufzug funktionierte nicht mehr.“

116 Treppen liegen zwischen dem Eingangsbereich im Erdgeschoss und dem Wohnungseingang von Hildegard Jaekel. 116 Stufen, die für einen älteren und gehbehinderten Menschen wie Hildegard Jaekel eine Qual sind.

Als sie nach mehreren Telefonaten feststellen musste, dass keine Hilfe mehr zu erwarten war, rückte Jaekels Tochter nach einem Hilferuf an, half bei den Taschen mit und begleitete sie auf dem strapaziösen Weg nach oben. Eine hilfsbereite ältere Nachbarin packte ebenfalls mit an und beförderte die Einkäufe mit nach oben.

Notruf bei der Aufzugsfirma war unergiebig

Der Notruf der Fahrstuhlfirma erwies sich als unergiebig: „Zu Umfang und Dauer der Störung konnte keine Auskunft gegeben werden. Nur, dass ein Monteur da gewesen sei und er den Aufzug wegen eines größeren Schadens stillgelegt habe“, erfuhr indes ein weiterer Hausbewohner, der uns geschrieben hat. Die LEG bestätigte auf Anfrage dieses Mieters lediglich, dass die Störung dokumentiert worden sei, weitere Auskünfte aber nur von der Aufzugsfirma gegeben werden könnten. „Da schließt sich der Kreis“, sagt der Mann.

2016 zwei Stunden lang in Gefangenschaft

Dass die LEG nicht umgehend Abhilfe schaffen kann, kennt Hildegard Jaekel aus leidvollen Vorerfahrungen. 2016 saß sie mehr als zwei Stunden lang im Fahrstuhl fest, als sie nur mal eben die Zeitung aus ihrem Briefkasten holen wollte. Der Aufzug hatte von der Fahrt aus den oberen Stockwerken nach unten auf halber Höhe den Geist aufgegeben. Die Feuerwehr befreite die Rentnerin damals aus ihrer misslichen Lage.

Nach dem Fahrstuhl-Debakel im Wohnturm der LEG an der Juliusstraße 31 in Holsterhausen konnte die LEG nun Entwarnung geben: „Am 28. Juni (Montag) war der Techniker vor Ort, baute Ersatzteile ein und konnte die Aufzugsanlage wieder in Stand setzen“, schreibt uns die LEG auf unsere Anfrage.

Hildegard Jaekel, arg gebeutelte Bewohnerin aus der 7. Etage des Hauses, die die 116 Stufen zu ihrer Wohnung am Freitag erklimmen musste und glücklicherweise noch Hilfe mit ihren Einkaufstaschen von einer lieben Nachbarin bekam, bestätigte per E-Mail: „Die Anlage funktioniert wieder.“

LEG bestätigt Schadensmeldung

Die LEG sagt, dass der Schaden an der Aufzugsanlage am Freitag gemeldet worden sei. „Noch am selben Tag war ein Aufzugstechniker vor Ort. Dieser musste die Anlage stilllegen und die Ersatzteile bestellen, da es sich um einen größeren Schaden handelte.“ Die LEG bittet die überwiegend älteren Bewohner des Hauses um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten. Auszugsausfälle seien eine „extreme Belastung“.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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