Sexueller Übergriff in Dorsten: Opfer die Böschung heruntergezogen und unsittlich berührt

mlzGerichtsprozess

Das Opfer schrie um Hilfe und zum Glück kamen zufälligerweise zwei Radfahrer vorbei. Jetzt wurde einem Sexualstraftäter vor dem Dorstener Schöffengericht der Prozess gemacht.

Dorsten

, 31.07.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden Radfahrer fuhren auf dem Fuß- und Radweg zwischen Hohenkamp und Baldurstraße Richtung Holsterhausen, als sie aus Richtung der Böschung verängstigte Hilfeschreie vernahmen. „Er will mich vergewaltigen“, rief eine Frau - woraufhin einer der Radler die Verfolgung des Verdächtigen aufnahm, der sich beim Erscheinen des Zeugen aus dem Staub machte.

Kurze Zeit später wurde der Täter von der inzwischen alarmierten Polizei erwischt - als er sein Handy suchen wollte, das er in der Nähe des Tatorts verloren hatte.

Am Mittwoch musste sich der Mann, ein 31-jähriger Iraner, der vor einem Jahr nach Deutschland geflüchtet war, vor dem Dorstener Schöffengericht für das Geschehen am 13. April dieses Jahres verantworten. „Ich bin kein Vergewaltiger“, ließ der Angeklagte über seine Dolmetscherin erklären, „habe aber einen großen Fehler gemacht“.

„Etwas Schlechtes gesagt“

Nach seinen Angaben war er der Frau an derselben Stelle schon Tage vor der Tat begegnet. Da habe sie ihn angesprochen, gelacht und sei dann weggelaufen. Er verstand zwar kein Wort von dem, was die Frau sagte, nahm aber an, es sei „etwas Schlechtes über Asylanten“ gewesen.

Beim zweiten Zusammentreffen eine Woche später sei es ihm nicht gut gegangen: „Meine Mutter im Iran war schwer krank geworden, ich hatte Depressionen und die ganze Nacht zuvor Alkohol getrunken.“ Er wollte an der ihm entgegenkommenden Passantin seinen Frust ablassen, habe sie geschlagen, sei dabei mit ihr die Böschung heruntergefallen, sexuelle Übergriffe habe es aber nicht gegeben.

„An Baum festgehalten“

Staatsanwalt, Schöffengericht und selbst der Anwalt des Angeklagten glaubten jedoch dem Opfer. Die Geschädigte sagte aus, dass sie den 31-Jährigen vor dem Überfall auf sie nie gesehen habe. „Er sprach mich an, packte mich, schob mich die Böschung hinunter“, erzählte sie: „Ich versuchte, mich an einem Baum feszuhalten, damit er mich nicht in das Wäldchen dahinter ziehen konnte, dabei fiel er auf mich“.

Geschlagen habe der Angeklagte sie nicht, „aber er hat von hinten an meine Brust und an den oberen Knopf meiner Hose gefasst“. Das werteten Staatsanwalt und Schöffengericht als sexuelle Nötigung unter Anwendung von Gewalt - das Urteil: anderthalb Jahre Haft. Ohne Bewährung, denn eine günstige Sozialprognose konnte Richterin Lisa Hinkers nicht erkennen: „Sie haben psychische Probleme, ihr Asylantrag ist in erster Instanz abgelehnt worden, Sie sind hier ohne jegliche Perspektive.“

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