Pfarrer Martin Peters verteidigt die Entscheidung der Corona-Arbeitsgruppe, an Weihnachten Gottesdienste mit Besuchern in Wulfen, Deuten und Wulfen-Barkenberg zu feiern. © Guido Bludau (A)
Weihnachtsgottesdienste

Sicher und sinnvoll? Debatte um Präsenzgottesdienste in St. Matthäus

Als einzige Pfarrei feiert St. Matthäus an Weihnachten Gottesdienste mit Besuchern. Es gibt Kritik, auch vonseiten der Stadt Dorsten. Der Pfarrer sagt standhaft: „Damit musste man rechnen.“

Die „Arbeitsgruppe Corona“ in der Pfarrei St. Matthäus hat kontrovers diskutiert. Es dauerte lange, bis nach der Video-Konferenz am vergangenen Freitag der sprichwörtliche „weiße Rauch“ aufstieg und es eine, wenn auch nicht einhellige Entscheidung gab: Es soll an Weihnachten Gottesdienste mit Besuchern in Wulfen, Deuten und Wulfen-Barkenberg geben.

Das Echo fiel unterschiedlich aus. Zahlreiche Menschen auch aus anderen Stadtteilen haben dem Vernehmen nach vergeblich versucht, sich einen Platz in einer der drei Kirchen zu reservieren. Denn alle anderen Gemeinden in Dorsten, gleich welcher Konfession, verzichten in den nächsten Tagen auf Präsenzgottesdienste.

Überwiegend jedoch gab es Kritik am Wulfener Weg.

Unverständlich, unverschämt, bedauerlich – solche Begriffe fielen in den letzten Tagen in den sozialen Medien. Martin Peters überrascht das nicht. „Mit Kritik musste man rechnen“, sagt der Pfarrer. Und eigentlich mag er auch die Argumente nicht wiederholen, die die Corona-Arbeitsgruppe zu ihrer Entscheidung bewogen haben. Und er mag auch nicht „endlos weiterdiskutieren“ so kurz vor dem Fest. „Wer für sich entscheidet, nicht zu kommen, dem machen wir ein Online-Angebot.“ Das machen inzwischen nahezu alle Gemeinden.

Martin Peters glaubt, dass von den Gottesdiensten mit Besuchern kein erhöhtes Risiko ausgeht und sieht sich durch die Ansicht der Wissenschaftsakademie Leopoldina bestärkt. Die hatte am 8. Dezember einen harten Lockdown gefordert und einen Katalog von einschneidenden Maßnahmen. „Die Weihnachtsgottesdienste kommen darin nicht vor, nicht weil sie vergessen wurden, sondern weil die Wissenschaftler das nicht für notwendig hielten.“

„Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch sinnvoll.“

Krisenstab der Stadt Dorsten

Die Pfarrei St. Matthäus ist die Heimatgemeinde auch von Bürgermeister Tobias Stockhoff. Er sagte am Dienstag auf Anfrage: „Kirchengemeinden entscheiden unter Beachtung von Hygieneregeln eigenverantwortlich“, dennoch habe der Krisenstab der Stadt Dorsten aufgrund des hohen Dorstener Inzidenzwertes eine Meinung zu Präsenzgottesdiensten: „Nicht alles, was erlaubt ist, ist mit Blick auf die aktuelle Entwicklung und die steigende Anzahl an Intensivpatienten automatisch auch sinnvoll.“

„Gottesdienste als Versammlung sind unser Auftrag“

Peters betont im Einklang mit dem Bistum Münster hingegen, dass es „zu unserem Auftrag gehört, Gottesdienste als Versammlung in Präsenz anzubieten“. Und die Menschen kämen, weil er ihnen wichtig sei und ihrem Leben Kraft und Halt gebe. „Wenn die anderen Kirchengemeinden unseres Dekanats zu anderen Entscheidungen gelangt sind, dann geschah dies, davon bin ich fest überzeugt, in genauso verantwortlicher Weise. Ihre Entscheidung ist ebenso zu achten wie unsere Entscheidung, um die wir ebenfalls sehr gerungen haben.“

Tobias Stockhoff engagiert sich ehrenamtlich im Kirchenvorstand von St. Matthäus, war aber am Gottesdienst-Gespräch am vergangenen Freitag nicht beteiligt. „Jeder konnte in den vergangenen Tagen seine Argumente formulieren. Das habe auch ich gegenüber der zuständigen Corona-Gruppe umfassend getan“, sagte er am Dienstag.

Der Bürgermeister verzichtet auf den Kirchgang

Stockhoff mag bei seiner privaten Kritik öffentlich nicht deutlicher werden, aber es ist zu spüren: Er hält die Entscheidung für falsch. Und er wird in diesem Jahr wie viele Christen in Dorsten erstmalig keinen Weihnachtsgottesdienst besuchen, sondern ein digitales Gottesdienstangebot nutzen: „Das fällt mir sehr schwer, aber ich halte es in diesem Jahr für geboten.“

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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