Zwei Angestellte einer Tankstelle bedrohte ein Räuber im Juni mit einer Waffe und forderte Bargeld. © Guido Bludau (A)
Verfahren eingestellt

Sieben Monate nach Tankstellenraub: Ermittler geben auf

Ein maskierter und bewaffneter Räuber überfällt eine Tankstelle in Dorsten. Er erbeutet Geld und flüchtet. Sieben Monate später haben die Ermittler die Jagd nach dem Täter gestoppt.

Ein Mann hält eine Pistole in der rechten Hand. Er zielt auf den Bereich jenseits der Verkaufstheke und bedroht zwei Mitarbeiter. Eine Person kniet am Boden, eine andere holt Bargeld aus der geöffneten Kasse.

Diese Szene, festgehalten von einer Überwachungskamera, spielte sich Anfang Juni 2020 in der Avia-Tankstelle an der A 31 in Lembeck ab. Der Räuber, maskiert mit Sonnenbrille, Mund-Nase-Schutz und dunkler Baseball-Kappe, konnte unerkannt entkommen und ließ zwei verängstigte Menschen zurück. Er wird wohl nie für seine Tat juristisch zur Verantwortung gezogen, wenn er nicht an anderer Stelle geschnappt wird und dann ein umfassendes Geständnis ablegt.

„Der Täter konnte nicht ermittelt werden“

Es ist nur ein einziger Satz, den Oberstaatsanwältin Anette Milk (Essen) auf Anfrage am Dienstag (26.1.) mitteilte. „Das Verfahren ist eingestellt worden, nachdem ein Täter nicht ermittelt werden konnte.“ Der Räuber hatte mit seinem ausgeklügelten Plan Erfolg.

An jenem Samstagmorgen im Juni hatte der unbekannte Mann gegen 8.22 Uhr den Verkaufsraum betreten und nach einem Toilettenschlüssel gefragt. Etwa zehn Minuten später kam er zurück, als kein anderer Kunde mehr im Laden war, sondern ausschließlich Angestellte. „Er hat den richtigen Zeitpunkt abgepasst“, sagten die Opfer später aus.

Geld in einen Jutebeutel gepackt

Der Täter zog eine Schusswaffe aus seinem Hosenbund, bedrohte die junge Kassiererin und einen Kollegen und forderte sie auf, das Bargeld in einen Jutebeutel zu packen. Viel dürfte zu diesem Zeitpunkt nicht in der Kasse gewesen sein, die Summe teilte die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ aber nie mit. Sicher ist: Der Unbekannte flüchtete zu Fuß über ein Feld.

Am Tag nach dem Überfall zeigte die Dorstener Zeitung exklusives Bildmaterial vom Überfall. Die Polizei war einverstanden, durfte es selbst aber erst vier Monate später und nach einem richterlichen Beschluss verwenden, nachdem alle anderen Fahndungsmaßnahmen ergebnislos blieben. „Wir haben danach noch mal einige Hinweise erhalten“, bestätigte Polizeisprecher Andreas Lesch jetzt, „aber der entscheidende war leider nicht dabei.“

Und so hat die Kripo ihre Fahndungsergebnisse vor Kurzem an die Staatsanwaltschaft Essen übersandt – das Signal, dass sie keinen Ansatzpunkt mehr für weitergehende Ermittlungen sieht. Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Akte nun geschlossen.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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